1. Frau Brinkmann, Sie sind seit fast einem Jahr Deutsche Kartoffelkönigin. Sprechen die Leute Sie auf der Straße darauf an? Einmal wurde ich auf der Arbeit darauf angesprochen. Aber auf der Straße erkennen die Leute mich meist nicht. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich im Alltag das Haar eher offen trage. Meine Freunde fanden es übrigens am Anfang eher lustig, dass ich Kartoffelkönigin geworden bin. Jetzt finden sie es toll, weil ich dadurch so viele unterschiedliche Leute kennenlerne.  
      
  2. Gekrönt wurden Sie auf dem Rotenburger Kartoffelmarkt durch König Céphas Bansah von Ghana. Wie kam es dazu? Der Kartoffelmarkt feierte 2015 Jubiläum. Da haben sich die Veranstalter etwas Besonderes einfallen lassen und König Céphas Bansah für die Krönungszeremonie angefragt. Er wohnt nämlich in der Pfalz  und regiert sein Volk von dort aus. Der König war sehr nett und zuvorkommend, gar nicht abgehoben.
     
  3. Diadem hin – Schärpe her: Wie wird man eigentlich Kartoffelkönigin? 
    Das Amt wird jedes Jahr von der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen e.V.“ neu ausgeschrieben. Auf deren Anzeige hin habe ich mich 2015 beworben. Ich wurde dann zu einem persönlichen Gespräch eingeladen und eine Jury entschied beispielsweise darüber, ob ich charakterlich zu dem Amt passte oder nicht. Über Kartoffeln musste ich nicht viel wissen. Was ich an Spezialwissen brauchte, habe ich nach der Krönung recht schnell gelernt.
     
  4. Welches sind Ihre königlichen Aufgaben?
    Ich repräsentiere das Kartoffel-Land Deutschland – und natürlich die Region. Insofern werde ich auf die unterschiedlichsten Veranstaltungen eingeladen: auf Volksfeste, Schützenfeste und Märkte. Im Mai waren die niedersächsischen Königinnen bei Stephan Weil, dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen, zu Gast. Und auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin war ich im Januar mit mehr als 300 Königinnen vertreten. 
     
  5. Wenn Sie andere Kartoffel-Hoheiten treffen, was machen Sie dann zusammen? Bestimmt schälen Sie nicht Kartoffeln, oder? Unter uns sind ja nicht nur Kartoffelköniginnen, sondern zum Beispiel auch Wein-, Rosen-, Blüten-, Spargel- oder Ernteköniginnen. Die Mädels sind alle sehr nett, wir unterhalten uns viel. Ich habe so viele interessante Bekanntschaften machen können. Einmal im Jahr findet außerdem ein bundesweiter Königinnentag statt. Da treffen sich dann alle wieder. Einem Kartoffelkönig bin ich übrigens auch schon begegnet.
     
    Produktköniginnen
    Buntes Bild: Jennifer Brinkmann mit anderen deutschen Majestäten. © Heinz G. Gehnke

     
  6. Jetzt mal zu den Knollen selbst: Was macht die deutschen Kartoffel-Sorten besonders schmackhaft? Deutschland ist nun mal ein Erdanbauland und historisch betrachtet, eines der ersten Länder im europäischen Raum, das Kartoffeln angebaut hat. Daher gibt es hier eine Menge an Kartoffel-Expertise und der Geschmack der deutschen Kartoffeln ist ausgezeichnet. 
     
  7. Welches ist Ihr Lieblings-Kartoffelgericht?
    Jetzt werden Sie vielleicht lachen. Ich esse am liebsten frische Pellkartoffeln – ganz klassisch – mit Butter und Salz.     
     
  8. Haben Sie einen persönlichen Tipp, wie man Kartoffeln besonders gut lagern kann?
    Meine Mutter sagt immer: möglichst kühl und dunkel. Daher lagern wir die Kartoffeln im Abstellraum. Licht und Wärme verderben den Geschmack, die Knollen altern schneller, vergrünen und oder keimen vorzeitig.
     
  9. Ein altes Sprichwort besagt: Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln. Würden Sie dem zustimmen?
    Darüber muss ich erst nachdenken: Man kann das Sprichwort sicherlich so auslegen, dass man manchmal nicht so lange überlegen, sondern lieber sofort handeln sollte. Insofern kann es durchaus sein, dass der dümmste Bauer die größten Kartoffeln hat. Weil er einfach loslegt, ohne sich von Details ablenken zu lassen, fährt er vielleicht die größere Ernte ein.
     
  10. Eine persönliche Frage zum Schluss: Gibt es auch einen Kartoffelprinzen?
    Nein, den gibt es nicht. Ich bin aktuell auf der Suche. Aber bisher hat es noch keiner geschafft. Mein Prinz sollte nämlich Charakter mitbringen, ein ganzer Kerl sein.
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Kartoffelkönigin trifft Prominenz: Jennifer Brinkmann mit Sky du Mont. © Heinz G. Gehnke

 

Deutsche Ernteköniginnen

Ob Rapsmajestät, Weinprinzessin, Honigkönigin oder gar Bambusfee – in Deutschland regiert eine Vielzahl von Ernteköniginnen. Jedes Jahr werden sie neu gewählt. Sie repräsentieren jeweils eine bestimmte Region und ein Produkt. Hübsch anzuschauen sind nicht nur die Regentinnen selbst, sondern auch ihre teils märchenhaften Roben. Überzeugen Sie sich selbst.  Eine Auswahl der Schönen haben wir Ihnen hier zusammengestellt.