Phillips Plan ist aufgegangen

„Ich bin superhappy, dass die Aussaat so geglückt ist und die Vögel nicht allzu viel weggepickt haben“, sagt Phillip. Sein Plan mit der Beimischung des Maisschrots scheint aufgegangen zu sein. Und auch die Wahl des Feldes, das aufgrund der hohen Spendenbereitschaft am Ende ein anderes, größeres wurde als ursprünglich vorgesehen (1,6 Hektar statt einem), war offensichtlich genau richtig. „Dank der vielen Paten bekamen wir mehr Geld zusammen als geplant. Deshalb hatte ich mich dazu entschieden, dieses größere Stück Land in einen Blühstreifen zu verwandeln.“

Aber bieten die fleißig sprießenden Pflanzen auch das, was hiesige Wildbienen brauchen? Zur Beantwortung dieser Frage haben wir uns eine Expertin dazugeholt: Sandra Mann von der Hochschule Anhalt. Dort unterrichtet und forscht die Diplom-Ingenieurin am Lehrstuhl für Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung. Studierende lernen von ihr, wie man Pflanzen erkennt, bestimmt und wie man Biotope pflegt. In ihren Forschungsprojekten geht es um Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und darum, wie man Flächen renaturiert.
Mit Blühstreifen kennt sie sich besonders aus: Eines ihrer vielen Projekte ist das Blühstreifen-Programm Sachsen-Anhalt, das durch die Ansaat rückläufiger Wild- und Kulturpflanzen die Biodiversität erhöhen will. Also genau die Richtige zur Begutachtung unseres frisch angelegten Wildbienenparadieses!

Lila leuchtet die Phacelia

Auf den ersten Blick sieht es vielversprechend aus: Trotz wettertechnisch durchwachsener Frühlingszeit sprießt es satt. Beim Streifen durch die über kniehohe Wiese ist Sandra Mann in ihrem Element und notiert die gefundenen Gewächse: gelbe Färber-Hundskamille, weiß die Gewöhnliche Schafgarbe, zarte Wilde Möhren … und überall erblüht lila die Phacelia, auch Bienenfreund genannt.

Da setzt sich, wie gerufen, eine kleine, dunkel gefärbte Wildbiene auf den Fuß! Und sie ist nicht das einzige Getier, das uns begegnet: Sandra Mann und Phillip Krainbring entdecken unzählige Marienkäfer, Schmetterlinge, Hummeln, die übrigens auch zur Familie der Wildbienen gehören, und: Schwebfliegen. „Die sind wichtig!“, sagt die Wissenschaftlerin. „Obwohl sie nur wie Bienen aussehen, übertrifft diese Spezies mit ihrer Bestäubungsleistung so manche Biene bei Weitem!“ Um ihren Nachwuchs zu ernähren, sammelt die Fliege unentwegt Nektar und Pollen, und wie Marienkäfer ist sie ein wichtiger Nützling für Landwirte: Ihre Larven lieben Läuse! 

Wildbienen sind Spezialisten

Dass Insekten fleißige Bestäuber sind, ist elementarer Bestandteil unseres Ökosystems: Beinahe alle Kulturpflanzen müssen bestäubt werden, um sich zu vermehren. Deshalb sind (Wild-)Bienen so wichtig. Dabei passt nicht jede Blüte zu jedem Insekt: Je nach Blütenform braucht es einen bestimmten Rüssel, um an den Nektar zu kommen, und so manche Wildbienenart mag nur bestimmte Pflanzen. Die Stumpfzähnige Zottelbiene zum Beispiel ist spezialisiert auf Korbblüter, die Frühlings-Seidenbiene ernährt sich von Weidenarten, und die Mohn-Mauerbiene kleidet mit Klatschmohn-Blütenblättern ihre Brutgänge aus. „Deshalb ist es so wichtig, besonders viele unterschiedliche Pflanzen auf dem Blühstreifen zu haben“, erklärt Sandra Mann. 30 Prozent der Wildbienen sind auf Pollen ganz bestimmter Pflanzenfamilien, -gattungen oder sogar -arten angewiesen, um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Im verwendeten Samenmix „Blühende Landschaft Ost“ sind 60 Prozent Kulturpflanzen-, und 40 Prozent Wildpflanzen enthalten. „Was wir hier sehen, sind vor allem Kulturpflanzen, sie blühen schneller als die meisten Wildpflanzenarten. Zweitere sind robuster, frostunempfindlicher und bieten so langfristig eine bessere Ernährungsgrundlage für die unterschiedlichsten Wildbienenarten als die meist einjährigen Kulturpflanzen.“

Artenvielfalt: Da geht noch mehr!

Zur Zusammensetzung der Samenmischung sagt Sandra Mann: „Für den Moment bin ich zufrieden. Weil jetzt vor allem die Kulturpflanzen dominieren, haben wir noch nicht die Vielfalt an Wildbienen vorgefunden, die man sich wünscht.“ Noch fliegen hauptächlich Honigbienen herum. „Ich bin Verfechterin eines größtmöglichen Anteils an heimischen Wildpflanzenarten. An die sind unsere Insekten bestmöglich angepasst“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Wenn die Wildpflanzen anfangen zu blühen, ist ein breiteres Spektrum an Wildbienenarten zu erwarten“, verspricht sie. Wir müssen uns also noch ein bisschen gedulden.

Da entdeckt Sandra Mann am Boden mehrere vierblättrige Kleeblätter. Und überreicht sie freudestrahlend: Mögen sie dem Blühstreifen Glück bringen!