Unweit des Landwehrkanals in Berlin-Kreuzberg versteckt sich im Hinterhof einer Bibliothek ein verwilderter Sportplatz. Auf gefederten Gummiböden toben Kinder zwischen selbst gezimmerten Hochbeeten umher. Junge Eltern stehen vor Pflanzkästen, mit Schaufeln und Handschuhen ausgestattet. Alles dreht sich hier um das Gärtnern. Dabei ist der Gemeinschaftsgarten „Glogauer 13“ nur einer von vielen solcher Orte in Berlin und anderen Städten. In New York, Paris oder London ebenso wie in Stuttgart, München, Hamburg oder Delmenhorst graben, pflanzen, gießen, jäten und ernten begeisterte Hobbygärtner inzwischen in vielen solcher „Urban Gardens“ oder auf neu begrünten Brachen. Auch Balkone werden immer üppiger bepflanzt. Radieschen, Lavendel, Tomaten und Bohnen beleben triste Fassaden – auch in den vor gar nicht allzu langer Zeit noch als „spießig“ belächelten Kleingartenkolonien wird das Miteinander immer bunter.

Allerdings bietet das grüne Paradies urbanen Gartenfreunden nicht nur Erholung und Wonne. Schädlinge wie Blattläuse, Kohlfliegen oder Mehltau zeigen wenig Respekt gegenüber dem liebevoll angelegten Gartenidyll inmitten von Stein, Stahl und Beton. Um den kleinen Plagegeistern natürlich zu begegnen, helfen bewährte Tipps und Tricks, die bereits Großmutter kannte. Um Obst und Gemüse widerstandsfähiger zu machen, empfiehlt es sich etwa, beim Anbau auf Fruchtfolgen zu achten, robuste Sorten zu wählen, die Pflanzen regelmäßig zu gießen und, wenn nötig, geeignete Erde zu besorgen.

 

Schädlinge: Mit Pflanzen biologisch bekämpfen

Wertvoll für jeden Garten sind Brennnesseln: Aus den pritzelnden Blättern kann nicht nur heilender Tee gebrüht werden, sondern auch Brennnesseljauche. Das natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel wuchert quasi überall. Auch Knoblauch, Rainfarn, Baldrian, Beinwell und Ackerschachtelhalm wirken gegen die kleinen Kulturpflanzenfeinde. Praktisch: Um eine Jauche anzusetzen, benötigt der urbane Gartenfreund lediglich einen Topf heißes Wasser und etwas Geduld. Einige Kräuter wirken auch als Dünger.

 

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Nützlinge: Gesundheitspolizei im Garten

Mitten in dicht besiedelten Wohngegenden, in denen Asphalt das Bild prägt, ist es auch für Nützlinge wie Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen oder Raubmilben nicht leicht, geeigneten Lebensraum zu finden. Um für die Insekten in der Stadt einen Rückzugsort zu schaffen, lohnt sich der Bau eines Insektenhotels. Die kleinen Nützlinge, die es vor allem auf Schädlinge abgesehen haben, lieben außerdem eine bunte Vielfalt an Pflanzen im Garten.

 

 

Mechanischer Pflanzenschutz: Künstliche Hindernisse gegen Schädlinge

Gärtnern ist für Städter eine meditative, erholsame Beschäftigung. Neben dem Alltagstrubel kann man sich im eigenen urbanen Stückchen Grün auf die kleinen Dinge konzentrieren. Auf das Absammeln von Schädlingen, das Beschneiden der Triebe, das Auflockern der Erde: eine echte Sisyphosaufgabe – mit großem Nutzen. Denn Schädlinge haben es bei guter Pflanzenpflege schwer. Auch weitere Kniffe bremsen ihr zerstörerisches Treiben. So können Schnecken beispielsweise mit einem Metallzaun ferngehalten werden. Dieser sollte mindestens zehn Zentimeter aus der Erde ragen und oben abgewinkelt sein. Die Schnecken stürzen an diesem Hindernis rücklings hinunter, ohne sich zu verletzen. Gegen fliegende Schädlinge helfen Fangtafeln, Pheromon- und Fliegenfallen. Folie über dem Pflanzbeet hält Larven von den Wurzeln fern. Und auch wenn Vögel den urbanen Garten bereichern – Vogelschutznetze verhindern, dass sie sich an Frucht und Grün allzu eifrig bedienen.

 

Die kleine Mühe lohnt sich

Ist die Brennnesseljauche erst angesetzt und versprüht, wurden Folien ausgelegt und Antischnecken-Zäune installiert, kann der Städter sein kleines Gartenparadies in vollen Zügen genießen. Und auch wenn er dann vielleicht erschöpft ist und in der Ferne der Verkehr leise rauscht – das Summen der Wildbienen am eigenen Beet entschädigt für alles.