Wenn im Mai die Erdbeersaison beginnt, herrscht reges Treiben auf dem Hof der Familie Habermann. Dieser liegt umgeben von Feldern am Rande eines Dorfes im Landkreis Hildesheim. Es ist 7 Uhr morgens. Während ein Lieferwagen frisch bestückte Erdbeer-Paletten vom Feld heranfährt, ist die erste Ladung schon auf dem Weg zu den Verkaufsständen. „Es ist wichtig, dass zwischen dem Pflücken und dem Verkauf so wenig Zeit wie möglich vergeht, damit unsere Kunden die Früchte ganz frisch erhalten”, erklärt Christoph Habermann. Der Erdbeerbauer dreht noch vor dem Frühstück seine allmorgendliche Runde, um sich bei seinen Mitarbeitern nach dem Stand der Dinge zu erkundigen.  Er betritt den Kühlraum und begutachtet die bereits gepflückte Ware. „Das sind perfekte Erdbeeren”, sagt der 33-Jährige. „Zwischen 25 und 28 Gramm schwer, schön rund  und von einem satten Rot.” Christoph Habermann hält eine der Früchte zwischen Daumen und Zeigefinger, bevor er sie probiert. „… mhm, und schön süß”, freut er sich. Dabei beobachtet er, wie ein Mitarbeiter die Erdbeeren per Gabelstapler palettenweise in den Lieferwagen lädt.

Knapp 150 Erntehelfer helfen während der Hochsaison

Der Frühsommer ist für Christoph Habermann und seine Frau eine besonders arbeitsintensive Zeit. Dann geht es darum, für einen möglichst reibungslosen Ablauf von Ernte und Verkauf zu sorgen. Zwischen Mai und Juli beschäftigt das Ehepaaar 35 Erntehelfer und 110 Aushilfen an den einzelnen Verkaufsständen. Christoph Habermann steigt in sein Auto und fährt aufs Feld hinaus, um nach dem Rechten zu sehen. Dort sind seine Mitarbeiter bereits seit 4.30 Uhr mit Pflücken beschäftigt. Die meisten von ihnen kennt er gut, denn viele kommen jedes Jahr zur Erntezeit wieder.

Auf dem Erdbeerfeld angekommen, bespricht sich der Diplom-Landwirt kurz mit einem Vorarbeiter. Die Sonne scheint und ein süßer, intensiver Duft erfüllt die Luft. Etliche Helfer hocken zwischen den Reihen und pflücken die Erdbeeren sorgsam von den Stielen. Die Früchte selbst berühren sie dabei möglichst nicht, um unschöne Druckstellen zu vermeiden.

 

 Regionale Vermarktung – intensives Geschmackserlebnis

Die Habermann-Erdbeeren sind etwas empfindlicher als die handelsüblichen im Supermarkt. Dafür schmecken sie deutlich besser. „Als Erdbeerbauer musst du dich leider entscheiden: Entweder du baust Erdbeeren an, die robust sind und möglichst lange halten, um längere Transportwege zu überstehen. Oder aber du setzt auf besonders geschmacksintensive Sorten“, erklärt Habermann. Da der Erdbeerbauer seine Früchte ausschließlich regional vermarktet, hat für ihn natürlich der Geschmack oberste Priorität. Die Kunden wissen das zu schätzen. „Und falls mal doch Erdbeeren übrig bleiben, macht meine Frau daraus eine unfassbar köstliche Marmelade“, schwärmt er.

Auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern bauen die Habermanns fünf verschiedene Sorten Erdbeeren an: Clery, Elianny, Sonata, Salsa und Malwina. „Damit wir über einen möglichst langen Zeitraum ernten können, ist es wichtig Sorten anzubauen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif sind”, so Christoph Habermann und pflückt eine dicke, rote Erdbeere ab, um sie zu probieren. Die Clery beispielsweise sei eine frühreife Erdbeere, die Malwina hingegen werde erst im Juli geerntet, fügt er erklärend hinzu.

Intelligentes Bewässerungssytem

Die Erdbeerpflanzen bezieht der Landwirt von einem Züchter aus dem Münsterland. Diese werden Mitte Mai mit Hilfe einer Pflanzmaschine gesetzt und sind im nächsten Jahr bereit zur Ernte. Gleichzeitig wird ein sogenannter Tropfschlauch unten an den einzelnen Reihen verlegt. Habermann kniet sich hin und schiebt mit seinen Händen vorsichtig etwas Erde zur Seite, um das Bewässerungssystem zu präsentieren: „Erdbeeren reagieren besonders empfindlich, wenn sie zu viel oder zu wenig Wasser bekommen. Mit dem Tropfschlauch können wir die Pflanzen gezielt bewässern, ohne sie an der Oberfläche zu befeuchten.“ Mittlerweile ist es fast 8 Uhr und das wohlverdiente Frühstück wartet auf den zweifachen Familienvater. Gleich wird er seine beiden Sprößlinge in den Kindergarten bringen. Christoph Habermann steigt also wieder ins Auto und fährt zurück auf den Hof.

 

Mareke und Christoph Habermann sind ein perfektes Team

Mit seiner Familie bewohnt der 33-Jährige ein gut 100 Jahre altes Wohnhaus, das er wie den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb vor einigen Jahren von seiner Tante übernommen hat. „Meine Frau Mareke und ich hatten 2011 die Idee, gemeinsam einen Erdbeerbetrieb zu gründen”, berichtet er, als er sich an den Küchentisch zu seiner Familie setzt. 2012 pflanzten die beiden ihre ersten eigenen Erdbeeren. Zuvor hatte  Christoph Habermann nach einem Landwirtschaftsstudium in Osnabrück den Pflanzenanbau auf einem Erdbeer-Betrieb bei Hannover geleitet. „Mareke und ich schätzen es sehr, dass wir Familie und Beruf so gut miteinander vereinbaren können. Wir sind ein tolles Team – nicht nur privat, sondern auch beruflich“, ergänzt er. Und während sich Christoph Habermann heute in erster Linie auf Anbau, Pflanzenpflege und Ernte der Erdbeeren konzentriert, kümmert sich Mareke Habermann um den Vertrieb und das Marketing. „Wenn ich gerade sonst nichts zu tun habe, koche ich eben Erdbeermarmelade”, scherzt sie und reicht ihrem Mann für sein Brot ungefragt das Marmeladenglas...