Normalerweise sollte hier, jetzt im September, alles grün sein, sagt Thomas Gäbert und deutet auf das Feld vor sich. Sandig liegt die Erde auf dem Acker der Agrargenossenschaft Trebbin, nur vereinzelt stechen Pflanzen aus dem Boden. Dazwischen: immer wieder freie Flächen. In der Ferne zieht eine Sämaschine über einen zweiten, kürzlich gepflügten Acker. Es staubt. „Im Prinzip ist das eine Katastrophe“, sagt Gäbert und stößt mit seinem Arbeitsschuh in den trockenen Boden, der von dem Sandweg, der am Acker vorbeiführt, an diesem Tag im frühen Herbst schon fast nicht mehr zu unterscheiden ist.

Wie viele andere landwirtschaftliche Betriebe musste auch die Agrargenossenschaft Trebbin, in deren Vorstand Gäbert sitzt, in diesem Jahr Einbußen hinnehmen. Die Maisernte beispielsweise, erzählt der junge Landwirt, sei in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit sehr viel geringer als normalerweise. Doch um die diesjährige Maisernte geht es Gäbert an diesem Nachmittag nicht. Ihm geht es um die Zukunft.

Denn das, was auf dem Acker, vor dem Thomas Gäbert steht, wachsen sollte, und doch nicht wächst, wird nicht geerntet. Schon vor Wochen wurde hier der Weizen geerntet. Bei den grünen Pflänzchen, die sich hier gerade mühsam aus dem Boden kämpfen, handelt es sich um Zwischenfrüchte.

Zwischenfrüchte sind ein wichtiger Teil in der Fruchtfolge. Sie werden zwischen den Hauptfrüchten, also denen, die der Bauer ernten und verkaufen will, angepflanzt und helfen dabei, die Gesundheit des Bodens zu verbessern. Sie sorgen auch dafür, dass sich dort nachhaltig gute Erträge erzielen lassen. Doch Zwischenfrüchte sind nicht nur gut für die Ernte. Sie bieten gleichzeitig Landwirten die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln etwas für den Klimaschutz zu tun – wie wichtig das ist, zeigt sich gerade in diesem Jahr.

Primär funktionieren Zwischenfrüchte als natürlicher Dünger, erklärt Gäbert, mit Blick auf den Acker. Lupine, Futtererbsen oder Klee strecken sich dort trotz der Dürre mutig in den Herbsthimmel. In einer Pflanzenmischung werden sie auf den frisch geernteten Feldern ausgesät und wachsen dort, bis im nächsten Frühjahr die Aussaat der neuen Hauptfrüchte folgt. In dieser Zeit binden diese Leguminosen in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die sich an ihren Wurzeln festsetzen, Stickstoff aus der Luft und speichern ihn. Auch Nitrat, das sich im Boden selbst befindet, wird von den Zwischenfrüchten gespeichert. So wird unter anderem verhindert, dass Nitrat ausgewaschen wird und damit im Grundwasser landet.

Jetzt im Herbst bilden die Zwischenfrüchte – im Normalfall – eine Pflanzendecke über dem ansonsten nackten Boden. Sie schützen ihn damit vor Erosion durch Wind und Wasser. Gerade in der Gegend um Trebbin, wo die Böden karger sind als in anderen Regionen, ist das wichtig für nachhaltigen Ackerbau. Auch gegen Unkraut schützt die grüne Decke. Da als Zwischenfrüchte meist schnellwachsende Kulturen verwendet werden, nehmen sie unerwünschten Pflanzen den Platz an der Sonne und verhindern so deren Wachstum.

Mit tiefen Wurzeln lockern sie den Boden auf und erhöhen damit die Fähigkeit des Ackers, Wasser zu speichern. Auch gelangen die Zwischenfrüchte an Nährstoffe, die für die Hauptfrüchte mit ihren flacheren Wurzeln außer Reichweite liegen. Langfristig verbessert sich so auch die Bodenqualität selbst. Das sei gerade in der Gegend um Trebbin wichtig, sagt Gäbert.

Idealerweise bleiben die Zwischenfrüchte bis zum darauffolgenden Frühjahr stehen und werden dann untergepflügt. Im Boden verrotten die Pflanzen als Biomasse, werden zu Humus und reichern die Erde mit Stickstoff an – genau dann, wenn auf den Feldern der Agrargenossenschaft Hauptfrüchte wie Mais angebaut werden, die diesen wichtigen Nährstoff zum Wachsen brauchen.

Doch es ist nicht nur Stickstoff, der in diesem natürlichen Dünger wirkt. Gäbert nennt den Humus auch „organischen Kohlenstoff“. Die Zwischenfrüchte binden nämlich im Spätsommer und Herbst Kohlenstoff und hindern diesen daran, als Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre zu gelangen. Schon 2014 zeigten Forscher an der schwedischen Landwirtschaftsuniversität in Uppsala, dass Zwischenfrüchte dadurch auch messbare Vorteile für unsere Umwelt haben, die viel weiter reichen als die Ackergrenzen und die nächste Ernte. Sie leisten einen Beitrag zur Abschwächung der Klimaveränderung. Experten gehen etwa davon aus, dass zehn Hektar Zwischenfrüchte den Klimafußabdruck eines Deutschen neutralisieren. Mit Zwischenfrüchten kommt also der Klimaschutz auf den Acker.

In diesem Jahr freilich hält sich dieser Effekt auf den Feldern der Agrargenossenschaft Trebbin in Grenzen. Und auch auf die Vorteile der Zwischenfrüchte für den Ackerbau werden sie hier im nächsten Jahr wohl verzichten müssen. Auf dem Acker soll im nächsten Jahr Mais angebaut werden. Da aber aufgrund der Trockenheit die Zwischenfrüchte nicht gut wachsen, wird im Frühjahr weniger natürlicher Stickstoff im Boden verfügbar sein. Der Boden wird im Winter stärker erodieren und zu wenige Wurzeln werden ihn auflockern. Und da die Früchte das Unkraut nicht unterdrücken, machen sich Pflanzen breit, deren Samen sich auf Jahre im Boden festsetzen. Die Trockenheit des aktuellen Jahres wirkt sich also direkt auf den Ertrag des nächsten aus. Und des übernächsten. Und so weiter.

Trotzdem werden sie hier auch im kommenden Jahr wieder Zwischenfrüchte anbauen, sagt Gäbert – auch trotz der relativ hohen Kosten. Er weiß: Positive Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Nicht bei der Bodenqualität. Und beim Klima schon gar nicht.