„Regional ist das neue Bio, das spüren wir anhand der Nachfrage immer deutlicher“, weiß Nicole Winkelmann zu berichten. Im März eröffnete die 30-Jährige zusammen mit ihrer Kollegin Regina Helbig die Milchtankstelle auf dem Gelände der Agrargenossenschaft „Höhe“ in Steinbeck, die bisher einzige in der Region Berlin-Brandenburg. „Das Angebot wird bereits sehr gut angenommen“, freut sich Nicole Winkelmann, die als Kaufmännischer Vorstand für die Genossenschaft tätig ist. Doch auch wenn der Direktvertrieb ab Hof für Landwirte langfristig lukrativ sein könnte, verfolgt die Genossenschaft mit dem Projekt primär einen anderen Zweck: Die Milchtankstelle soll mehr Menschen an den Betrieb heranführen. „Wir wollen den Menschen vor Ort zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert, deutlich machen, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt werden“, so die gelernte Bürokauffrau, die als Berlinerin selbst erst über die Ausbildung in einem Agrarbetrieb zur Landwirtschaft fand. 

 

520 Milchkühe besitzt die Agrargenossenschaft Höhe und noch einmal so viele Kälbchen, Jungrinder und Färsen. Von der hier produzierten Milch gehen täglich jeweils 150 Liter in einen Tank, der hinter dem kleinen cremeweißen Tankstellenhäuschen vor einem Stallgebäude steht. Die Milch im Häuschen selbst zu zapfen, ist kinderleicht: Besucher können mit Münzen oder Scheinen vor Ort PET-Flaschen für 50 Cent oder Glasflaschen für zwei Euro erstehen. Für einen weiteren Euro kann die wiederverwendbare Flasche am Milchautomaten rund um die Uhr selbst gefüllt werden. Dazu muss man lediglich die Flasche hinter einer Klappe in den Automaten stellen. Wirft man dann einen Euro ein, füllt sie sich auf Knopfdruck mit Rohmilch bis man loslässt. Das ist zwar nicht wie direkt von der Kuh gezapft, aber schon ziemlich nah dran. Schließt man anschließend die kleine Tür im Automaten wieder, reinigt sich dieser vollautomatisch. 

Auch sonst wird in der Milchtankstelle „Becky Stein“ sehr auf Hygiene geachtet. „Der Milchtank wird einmal täglich gründlich gesäubert, die unverbrauchte Milch wird an die Kälber verfüttert“, erläutert Nicole Winkelmann. Die Anlage erfüllt außerdem die Auflagen der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht. „Wir kontrollieren regelmäßig die Temperatur der Milch und protokollieren die Reinigung“, sagt Winkelmann. Im Raum findet sich auch ein Schild, das Besucher darauf hinweist, dass es sich bei der Milch in der Tankstelle um Rohmilch handelt. Das ist für manchen eine Köstlichkeit, aber nicht für jeden Magen geeignet. Daher sollte sie vor dem Genuss abgekocht werden.

 

Im Juni hat der Milchautomat in der Milchtankstelle „Becky Stein“ noch einen Bruder bekommen: Aus dem „Regiomaten“ können die Besucher weitere Produkte aus der Region ziehen, und das zu verträglichen Preisen: Jagdwurst im Glas für 3,50 Euro, 500 Gramm Rapshonig für 5,50 Euro, 100 Milliliter Leinöl für 3,50 Euro. Demnächst soll auch Wildfleisch dazu kommen. Denn, so erläutert Nicole Winkelmann: „Die Agrargenossenschaft hat seit ein paar Wochen ein 350 Hektar großes Jagdgebiet. Einer unserer Mitarbeiter ist ausgebildeter Jäger und bei uns als Landwirt und Jagdaufseher tätig. Er wird das Wild erlegen und auch produzieren.“ Diese Wildprodukte werden dann – ebenso wie die Milch in der Tankstelle „Becky Stein“ – hundertprozentig aus der Region stammen. 

 

Touristen, Durchreisende und Stammgäste der Milchtankstelle dürfte das erweiterte Angebot freuen. Doch auch wer in absehbarer Zeit nicht nach Brandenburg kommen sollte, muss nicht verzweifeln. Denn die Milchtankstelle „Becky Stein“ ist nur eine von vielen in ganz Deutschland. 

 

Wir haben Ihnen hier eine Übersicht zusammengestellt. Sollte Ihre persönliche Lieblings-Milchtankstelle darauf fehlen, schreiben Sie uns und wir fügen Ihren Rohmilch-Favoriten gern auf der Karte ein.