Warum werden die Schweine überwiegend auf perforierten Böden ohne Einstreu gehalten?

 

Laut Tierschutznutztierhaltungsverordnung (§ 22, Abs. 2, 3.) dürfen Schweine nur dann in Berührung mit Harn und Kot kommen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Die sogenannten perforierten Böden haben sich in der Schweinehaltung weltweit durchgesetzt, weil der Urin der Tiere durch die Löcher abfließen kann und der Kot durchgetreten wird. Bodenfläche und Tiere bleiben so trocken und weitgehend sauber. Zielsetzung ist es auch, die Schadstoffbelastung im Stall zu reduzieren, die beispielsweise durch Ammoniak entsteht.

Praktiker nennen weitere Vorteile:

  • Bei hohen Temperaturen im Sommer verschaffen perforierte Betonböden ohne Einstreu den Tieren Kühlung. Schweine können nämlich nicht schwitzen.
  • Einstreu verursacht durch die darin enthaltenen Exkremente eine relativ hohe Ammoniakbelastung.
  • Perforierte Böden ohne Einstreu entlasten das Stallpersonal.
  • Planbefestigte Böden mit Einstreu steigern die Kosten, welche durch die Beschaffung, Lagerung, Verteilung und Beseitigung der Einstreu anfallen.
  • Betonböden ohne Einstreu sorgen für den Klauenabrieb und dienen damit der Klauengesundheit der Schweine.
  • Die Ernte und Nutzung von Stroh entzieht dem Acker Humus und verursacht zusätzlichen Düngebedarf.

Warum werden Sauen einzeln in Kastenständen gehalten, in denen sie sich nicht umdrehen können?

 

Die Haltung von Tieren in den sogenannten Kastenständen zum Decken der Säue und während der Säugephase hat gute Gründe. Sie schützt nicht nur das Personal während der Stallarbeiten, sondern reduziert auch den Verlust von Tieren.

Befürworter nennen als häufigste Argumente:

  • Die Saugferkel werden vor dem Erdrücken und vor Tritten geschützt.
  • Dem Personal wird die Arbeit leichter gemacht (z. B. bei Impfung oder Kennzeichnung der Ferkel, bei der Besamung und Trächtigkeitskontrolle). Es wird außerdem vor aggressiven, ferkelführenden Sauen geschützt.
  • Sauen im Deckzentrum werden von Rangkämpfen abgeschirmt sowie in der Erholungsphase nach der Säugeperiode geschützt.
  • Die befruchtete Eizelle wird bereits in der Phase der Einnistung in die Gebärmutter geschützt.
  • Die Haltung in Kastenständen ermöglicht es, Säue in den entscheidenden Lebensphasen individuell, bedarfsgerecht und exakt zu füttern. Alternative Haltungsformen sind in der Diskussion und werden gerade getestet.

Warum werden die Ferkelschwänze kupiert?

 

Bissverletzungen lassen sich als Verhaltensauffälligkeit bei Schweinen in sämtlichen Stallhaltungsformen beobachten. Das Kürzen der Schwänze soll das Risiko von Bissverletzungen deutlich reduzieren, denn diese können zu Entzündungen des Rückenmarks, Blutvergiftungen und Lähmungen führen. Derzeit wird europaweit nach den Gründen für diese Verhaltensauffälligkeit geforscht.

Was wir bisher wissen:

  • Spieltrieb und Aggression gehören zum natürlichen Verhalten der Schweine und können gravierende Bissverletzungen an den Schwänzen verursachen.
  • Da Schweine Allesfresser sind, wecken Verletzungen oft ihre Blutgier; die Situation droht zu eskalieren. Das Verbot, tierisches Eiweiß an Schweine zu verfüttern, fördert möglicherweise die Situation.
  • Es gibt eine Fülle von Einflüssen, die das aggressive Verhalten der Schweine fördern. Dazu gehören beispielsweise Mycotoxine im Futter, Fütterungsfehler, mangelnde Wasserversorgung und ein schlechtes Stallklima (Temperatur, Zugluft), Haltung, Beschäftigungsmangel, eventuell genetische Veranlagung und Stress. Eindeutig konnten die auslösenden Faktoren allerdings bislang nicht nachgewiesen werden. 
  • Solange das Schwanzbeißen nicht durch andere Maßnahmen verhindert werden kann, ist das Kupieren der Ferkelschwänze innerhalb der ersten Lebenstage erlaubt (TSG § 6, Abs. 1, 3.) und fällt unter Tierschutz.

Warum werden männliche Ferkel kastriert?

 

Männliche Tiere können mit einsetzender Geschlechtsreife Duftstoffe bilden, die von manchen Verbrauchern als unangenehm wahrgenommen werden. Das neue Tierschutzgesetz erlaubt die Kastration von ausgewachsenen Schweinen, wenn der Schmerz dabei ausgeschaltet wird. Entsprechende Medikamente für Ferkel gibt es bislang allerdings noch nicht. Hier werden sogenannte Entzündungshemmer eingesetzt, die ebenfalls schmerzstillend wirken.

Derzeit wird nach praktikablen Alternativen oder Betäubungsverfahren gesucht. Eine Betäubung darf gemäß Tierschutzgesetz nur von Tierärzten vorgenommen werden. Bei rund 25 Millionen Ferkeln, die jährlich in Deutschland geboren werden, ist dies allerdings nicht praktikabel. Soweit das Fleisch der Tiere am Markt absetzbar ist, werden heute auch unkastrierte Jungeber gemästet. Auch die Impfung der Jungeber gegen Ebergeruch kann dann entfallen: ein zugelassenes Verfahren, das die Ausbildung der Hoden und damit die Bildung von Duftstoffen unterdrückt.

Warum werden die Tiere auf Leistung gezüchtet?

 

Da Ressourcen wie Futter, Fläche, Ställe und, Arbeitszeit begrenzt sind, liegt es im Interesse der Menschen, Tiere zu züchten, die den jeweiligen Zweck (die erwartete Leistung) besonders gut erfüllen. So entwickelte sich beispielsweise  aus dem Wildschwein das heutige Fleischschwein. Seit Menschengedenken werden Tiere für spezielle Zwecke genutzt. Zum Beispiel als Lieferant von Milch und Fleisch, als Arbeitstier oder als Heimtier. Verschiedene Tierarten, Rassen und Zuchtlinien sind für unterschiedliche Zwecke geeignet. Das Ziel der Züchtung wird letztlich vom Markt, also vom Verbraucher, vorgegeben.

 

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