Herr Engelken, stammt das Steak von weiblichen oder männlichen Tieren? 

Männliche Kälber gehen in die Rindermast zur Fleischproduktion, weibliche Kälber in die Milchkuhhaltung. Kühe, die etwa drei bis vier Kälber hatten, liefern anschließend auch Fleisch. 

Für Steaks eignen sich allerdings meist männliche Tiere besser, da sie gezielt für den Fleischansatz gemästet werden und jünger in die Schlachtung kommen. Der Fleischproduktion dienen aber alle Rinder. 

 

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Hat das Wohl seiner Rinder auch im Stall immer im Blick: Landwirt Jens Engelken. © privat

 

Was bedeutet Kalb, Jungbulle und Bulle?

Diese Begriffe unterscheiden das Alter der Tiere. Auf unseren Betrieb wird Jungbullenfleisch produziert. Das bedeutet, die Tiere werden in der Regel mit 18 bis 20 Monaten geschlachtet. Als Kalb gilt das Rind, bis es etwa drei Monate alt ist, also solange es Milch trinkt. Der Bulle ist das männliche, geschlechtsreife Rind. 

 

Welches sind die Herausforderungen in der Bullenmast? 

Es geht uns darum, hochwertige Schlachtkörper mit gut ausgeprägter Bemuskelung, besonders an Keule, Rücken und Schulter, zu produzieren. Das zu erzielen, ist nicht einfach, aber durchaus möglich. Die regelmäßige Kontrolle und Beobachtung eines jeden Tieres, eine ausgefeilte Fütterungstechnik und hochwertige Futterkomponenten spielen hier eine große Rolle. Auch das Tierwohl haben wir immer im Blick. Viel Platz für jedes Tier ist deshalb unerlässlich.

 

Warum werden Mastbullen überwiegend im Stall gehalten?

Bei den Mastbullen hat sich die ganzjährige Stallhaltung durchgesetzt, da die Haltung auf einer Weide sehr risikoreich für Mensch und Tier ist. Die Bullen würden sich durch den Kampf um die Rangordnung der Gefahr von Verletzungen aussetzen. Im Stall können sie in kleinen Gruppen von vier bis zehn Bullen untereinander ihre Rangordnung bestimmen. Das Verletzungsrisiko ist dabei geringer. Sollte doch mal was passieren, hat man im Stall alle Tiere gut im Blick und kann schnell agieren. Die Rinder werden bei uns auf Spaltenböden gehalten, die mit einer Gummimatte ausgekleidet sind, um ihnen ein angenehmes Liegen zu ermöglichen und Ausrutschen zu vermeiden. Wir haben auch eine Mutterkuhherde mit 13 Kühen. Diese stehen draußen auf gepachteten Flächen und betreiben Landschaftspflege. Die männlichen Kälber bleiben bis zum siebten Lebensmonat in der Herde. Die jungen Mastbullen können nicht länger frei auf der Weide laufen, da sie mit beginnender Geschlechtsreife aggressiv werden. Man müsste sie dann zu Ochsen kastrieren, um ihr Verhalten zu beruhigen. 

 

Geben Sie auch Futter aus Übersee – etwa Sojaschrot aus Südamerika?

Das Futter der Kühe setzt sich aus Raufutter und Kraftfutter zusammen. Kraftfutter ist besonders eiweißreich – das ist wichtig für den Muskelansatz der Tiere. Als Kraftfutter verwenden wir jeweils zu 50 Prozent Schrot aus Soja und Raps. Das Rapsschrot kommt aus Deutschland, das Sojaschrot aus Südamerika. Es ist uns derzeit leider noch nicht möglich, kostendeckend zu 100 Prozent deutsches Eiweißfutter zu verfüttern. Übrigens: Schrot ist das Produkt, das bei der Gewinnung von Öl aus Rapskörnern oder Sojabohnen übrig bleibt. 

 

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Frag mich: Landwirt Jens Engelken beantwortet häufig und gern Verbraucherfragen – wie hier auf dem Erlebnisbauernhof der Internationalen Grünen Woche Berlin. © privat

 

Worin liegt der Unterschied zwischen argentinischem und deutschem Rindfleisch?

Die Herkunft des Fleisches kann Qualität und Geschmack geringfügig beeinflussen. Die argentinischen Rinder werden in Übersee geschlachtet. Durch den zweiwöchigen Transport über den Atlantik hat das Fleisch optimal Zeit „abzuhängen“, also zu reifen. Dieser Prozess wird für deutsches Rindfleisch häufig verkürzt. Ich denke, dass es die Tiere in Deutschland komfortabler haben, da es strenge Tierschutzvorschriften gibt und mehr Menschen weniger Rinder betreuen. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz in der Fleischproduktion in Deutschland. Durch den Rinderpass, die Ohrmarke des Tieres und über eine bundeseinheitliche Datenbank lässt sich jedes einzelne deutsche Rind über Generationen zurückverfolgen. Über die Nummer wird beispielsweise auch registriert, wenn ein Antibiotikum verabreicht wird. Die Datenbank wird durch die Zertifizierungsstelle QS kontrolliert. 

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Großer Mixer: Hier wird das Futter für die Rinder auf dem Hof selbst angemischt. Auf diese Weise passt Jens Engelken es dem aktuellen Zustand und Bedarf der Tiere individuell an. © privat