Warum wird nachts geerntet?

 

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Sommer in Deutschland seinen Namen häufig nicht verdient. Die Zeitfenster für die Ernte sind sehr schmal und deshalb kommt es darauf an, das Erntegut möglichst direkt nach Erreichen der Reife einzufahren. Im Norden Deutschlands bleiben in manchen Jahren nicht mal sieben Tagen für die Ernte. Wenn die Wetterbedingungen stimmen, müssen deshalb die Mähdrescher durchlaufen, um möglichst noch vor der nächsten Schlechtwetterphase die Ernte einzufahren. Bei Getreide ist es häufig so, das bevorzugt tagsüber geerntet wird und am späten Abend und die Ernte dann zum Stillstand kommt, weil die Halme über den Tau Nässe aufnehmen und dann nur schlecht geschnitten werden können.

Der Reifeprozess der Pflanzen ist zugleich ein Prozess des Sterbens: Das Korn reift, aber Halme und Stängel werden instabil. Sobald es stärker regnet und starker Wind weht, knicken die Pflanzen um. In der Fachsprache sagt man, dass die Pflanzen „ins Lager gehen“. Liegen die Halme und Ähren erst einmal am Boden, trocknen sie nicht mehr so schnell. Sie sind schwieriger zu ernten und die Ernteverluste steigen. Reife Körner, die durch das „Lager“ nass werden und nicht trocken, beginnen außerdem zu keimen. Dabei wird der Mehlanteil im Korn als Energiequelle für den jungen Keimling abgebaut. Das Korn verliert dadurch seine Eignung als Brotgetreide und kann nur noch als Tierfutter verwendet werden. Bleibt das Korn länger nass, siedeln sich Pilze darauf an, die teilweise giftige Stoffe produzieren. Dadurch verliert das Korn auch seine Eignung als Futtergetreide, weil es die Tiere schädigen kann. Es taugt höchstens noch als Brennstoff.

Erntefahrten in der Nacht entspannen außerdem die Verkehrssituation. Der Alltagsverkehr auf den Straßen wird entlastet, da sich die Anzahl der Fahrten über die Landstraßen am Tag reduziert.

Warum sind die Maschinen so groß?

 

Moderne Mähdrescher vereinen viele Arbeitsabläufe in sich, die früher aufwendig nacheinander ausgeführt werden mussten. Der Mähdrescher heute mäht die Pflanzen, drischt die Körner aus der Ähre, reinigt das Getreide von Pflanzenresten und anderen Verunreinigungen, lagert das Getreide kurzzeitig in seinen Korntank ein und verlädt es auf den Anhänger. Zusätzlich kann er das Stroh kleinhäckseln oder in langen Halmen wieder auf das Feld streuen, damit daraus Strohballen gepresst werden können. 

Vor der Motorisierung der Landwirtschaft waren die Verluste an Erntegut immens hoch. Bereits während der Mahd und dem Transport zum Hof gingen große Mengen an Getreide verloren. Moderne Erntegeräte können dank modernster Sensortechnik und Einstellungsmöglichkeiten optimal an die momentanen Erntebedingungen angepasst werden und dadurch Ernteverluste deutlich verringern. Die moderne Mess- und Steuertechnik ist allerdings sehr kostspielig. Ihr Einsatz lohnt sich nur bei größeren Maschinen.

Wer muss die Straßen nach der Ernte saubermachen?

 

Es lässt sich nie ganz vermeiden, dass während der Erntearbeiten Erde auf die Straße getragen wird. Wenn der Landwirt eine solche Verschmutzung der Fahrbahn verursacht hat, ist er laut §32 Straßenverkehrsordnung dafür verantwortlich, dass die Straße schnellstmöglich wieder gereinigt wird. Bis dies geschehen ist, muss er die Verschmutzung durch Warnhinweise kenntlich machen. Eine umgehende Reinigung der Straße ist allerdings in der Regel nicht sinnvoll, da sehr viele Fahrzeuge innerhalb eines kurzen Zeitraums das Feld verlassen. Daher wird auf die Verschmutzung hingewiesen bis das Feld vollständig abgeerntet ist. Nur wenn die Fahrzeuge große Mengen an Erde verlieren, zum Beispiel, wenn die Felder sehr nass sind, reinigt der Landwirt die Straße schon während der Erntearbeiten.

Warum lassen so viele Landwirte ihre Felder ernten und machen es nicht selbst?

 

Die Erntezeit ist in der Landwirtschaft eine Zeit der Arbeitsspitze. Zu keinem anderen Zeitpunkt fallen für den Landwirt so viele Arbeiten gleichzeitig an. Dazu gehören etwa Ernte, Transport, Einlagerung, Reinigung, Trocknung, Abtransport, Vorbereitungen für die Aussaat etc. Aus diesem Grund benötigen  die Betriebe zu dieser Zeit des Jahres die meisten Arbeitskräfte. Allerdings lohnt es sich nicht, für den kurzen Zeitraum der Ernte ganzjährig Arbeitskräfte einzustellen. Deshalb beauftragen die Landwirte Lohnunternehmen, die für die Landwirte die Erntearbeiten übernehmen. Deren Mitarbeiter sind für die Arbeit mit der Erntetechnik besonders geschult und mit den Maschinen ihres Arbeitsgebers vertraut. Sie können daher sehr effektiv arbeiten. 

Hinzu kommt: Für den kurzen Zeitraum der Ernte lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Mähdreschers nicht. Für den Preis einer solchen Landmaschine könnte man auch ein großes Einfamilienhaus bauen. Sinnvoller ist es daher, wenn ein Lohnunternehmer einen oder mehrere große Mähdrescher unterhält und damit viele Landwirte unterstützt.

Fahren die Maschinen bereits von selbst?

 

Es gibt mittlerweile Maschinen die satelliten- oder kameragesteuert fahren. Dadurch wird vermieden, dass die Maschine Pflanzen stehenlässt oder nicht die volle mögliche Arbeitsbreite ausnutzt. Die Arbeit für den Fahrer wird somit leichter. Er kann sich während der Fahrt auch auf andere Arbeiten konzentrieren, zu Beispiel auf die Überwachung der Technik und die optimale Einstellung des Erntevorganges. Dies wiederum erhöht die Effektivität der Ernte.

Darf mein Kind mal mitfahren?

 

Natürlich ist es reizvoll für Kinder, bei der Ernte mitzufahren. Allerdings wird während der Ernte mit schweren Maschinen gearbeitet, von denen grundsätzlich hohes Gefahrenpotenzial ausgeht. Sprechen Sie den Landwirt an, ob er bereit ist, Ihr Kind mitzunehmen. Das Kind muss dabei auf dem Beifahrersitz sitzen und dort mit dem Sicherheitsgurt gesichert werden. Vor allem aber muss es dort sitzen bleiben! Es darf keinen Zugriff auf Bedienelemente wie Blinker, Lenkrad, Handbremse oder Hupe haben. Der Führer des Fahrzeugs muss sich während der Fahrt auf viele Vorgänge gleichzeitig konzentrieren. Wenn Ihr Kind sehr „erkundungsfreudig“ ist und versucht, jeden bunten Knopf zu drücken, kann das schnell zu gefährlichen Situationen führen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass der Fahrer der Chef ist, sonst endet die Fahrt sehr schnell. Wenn Sie Ihr Kind beim Fahrzeugführer lassen, bleiben Sie bitte immer auf Abruf in der Nähe, damit Sie es zeitnah wieder abholen können, falls es Probleme gibt.

Warum wird nur bei gutem Wetter geerntet?

 

Feuchtigkeit ist bei der Ernte das größte Problem. Wenn die gesamte Pflanze nass ist, lässt sie sich nicht so gut mähen und in die Maschine transportieren. Auch das Ausdreschen der Körner bereitet große Probleme. Hinzu kommt, dass die nassen Pflanzenreste viel schneller in den Erntegeräten festkleben und die Technik verstopfen. 

Gerade bei der Ernte fahren außerdem sehr schwere, beladene Fahrzeuge über die Felder. Nasser Boden verdichtet leichter und es kommt zu Bodenschäden, die bei der späteren Bearbeitung und Aussaat Probleme machen. Trockener Boden haftet nicht so stark an den Rädern  – das schont die Straßen vor Verschmutzung.

Für die Ernte bei gutem Wetter spricht außerdem, dass feuchtes Erntegut bei Sonneneinstrahlung schneller trocknet. Das Erntegut sollte einen gewissen Grad an Feuchtigkeit bei der Ernte nicht überschreiten. Warum dessen Feuchtigkeitsgrad so wichtig ist, wird in der nächsten Frage beantwortet.

Woher weiß der Landwirt, wann seine Kultur reif ist?

 

Bei der Bestimmung des Erntetermins spielt die Feuchtigkeit des Getreides eine wichtige Rolle. Zu feuchtes Getreide ist nicht lange lagerfähig und erwärmt sich, wodurch bei hohen Temperaturen ein optimales Milieu für Pilze entsteht. Wird die Ernte zu nass eingefahren, muss das Getreide mit großen Gebläsen und Heizungen getrocknet werden. Dabei wird viel Energie verbraucht. In diesem Falle ist die beste Methode, abzuwarten, bis Sonne und Wind das Getreide auf den richtigen Feuchtegehalt heruntergetrocknet haben. In einem nassen Sommer kann es allerdings vorkommen, dass dies nie passiert.

Zur Bestimmung des Erntetermins nimmt der Landwirt von Hand im Feld eine Probe und misst mit einem Gerät den Feuchtegehalt des Getreides. Zum Einlagern sollte dieser einen relativen Feuchtigkeitswert von 14,5 Prozent nicht überschreiten. Bis 18 Prozent kann der Feuchtigkeitsgehalt im Getreide noch durch das Belüften mit Umgebungsluft auf 14,5 gesenkt werden. Bei über 18 Prozent Feuchtigkeitsgehalt muss mit erwärmter Luft getrocknet werden.

Allzu lange darf der Landwirt bei der natürlichen Trocknung durch Wind und Sonne allerdings nicht warten, da er bei schlechtem Wetter eine Ertrags- und Qualitätseinbuße riskiert.

Warum fahren die Erntemaschinen auf der Straße so langsam?

 

Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind für das Arbeiten auf dem Acker ausgelegt. Sie wurden für Zugkraft und Leistung auf dem Feld konstruiert. Diese Eigenschaften sorgen dafür, dass die Maschinen auf dem Feld bodenschonend und ressourcensparend arbeiten. Sie bewegen sich meistens nur einen Bruchteil ihrer „Lebenszeit“ auf der Straße. Außerdem gibt es für landwirtschaftliche Fahrzeuge Geschwindigkeitsbegrenzungen, die sich nach der Bauart richten.