Als Ehefrau von einem Landwirt auf einem Milchviehbetrieb hat Julia Katharina Stoltenberg umfassende Erfahrungen auf dem Gebiet der modernen Futtermittel für Kühe gesammelt. Wir möchten von Frau Stoltenberg wissen, ob und wie Nutztiere frühstücken.

 

Frau Stoltenberg, frühstücken Nutztiere wie etwa Kühe?

Grundsätzlich frühstücken Nutztiere schon. Der Unterschied zwischen Menschen und Kühen besteht allerdings darin, dass Kühe 24 Stunden am Tag die Möglichkeit haben müssen, zu fressen. In den meisten Fällen bekommen sie morgens die Tagesration, also Frühstück, Mittag- und Abendessen, auf den Futtertisch. Die Ration einer Kuh ist immer gleich: Sie besteht aus Gras-Mais-Silage und an die Milchmenge – der Landwirt spricht hier von Leistung – angepasstem Kuhschrot. Das Kuhschrot wiederum besteht aus sehr hochwertigen Komponenten, zum Beispiel aus Rapsexpeller, d. h. dem bei der Kaltpressung von Rapsöl als Nebenprodukt anfallenden festen Pressrückstand, aus Rapsschrot, Getreide, Maiskörnern, Sojaschrot und Ackerbohnen. Wichtig für die Kuh sind letztendlich die Inhaltsstoffe der gesamten Ration: Rohprotein, Energie, Stärke, Mineralien etc. müssen bedarfsgerecht zur Verfügung stehen.

 

Inwiefern beeinflusst das Futter die Leistung der Tiere?

In der Milchviehhaltung gibt es einen exakten Futterplan, der für jede Tiergruppe immer gleich ist. Eine Veränderung in der Fütterung führt zu einer direkten Veränderung in der Gesundheit und Leistung der Kühe. Die Futtermengen werden daher genauestens auf das Tier und den Tag kalkuliert und abgewogen, sodass keine Futterreste übrig bleiben. Wenn sich aufgrund einer Veränderung im Grundfutter, also der Gras-Mais-Silage, die Leistung der Tiere ändert, wird die Kraftfutter-Ration angepasst, sodass die Inhaltsstoffe gleich bleiben. Das Grundfutter wird mehrmals im Jahr auf seine Qualität hin überprüft. Nutztierfütterung ist eine Wissenschaft für sich.

 

Gibt es Landwirte, die noch manuell füttern?

Auf vielen Betrieben in unserer Region wird manuell gefüttert, bzw. mit einem Futtermischwagen, der Rationen, die im System gespeichert sind, automatisch berechnet und zusammengestellt. So kann jeder Mitarbeiter auf dem Betrieb selbst füttern. Grundsätzlich wird die Grundfutterration immer manuell gefüttert. Das ist wichtig, denn meiner Meinung nach sollte die Fütterung nicht nur von Maschinen durchgeführt werden. Bei Betrieben mit einem Melkroboter wird den Tieren über die Signale eines Transponders, also eines Senders, den jedes Tier an einem Halsband trägt, Kuhschrot zugeteilt. Dies ist aber nicht die Tagesration. Diese wird im sogenannten Totale Mischration-System (TMR), bei dem in einer Futtermischung alle Futterkomponenten gemischt werden, auf dem Futtertisch meist mit angeboten.

 

Bestimmt das Füttern noch den Tagesablauf des modernen Landwirts bzw. der modernen Landwirtin?

Die Fütterung ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Modernen Landwirtschaft und hat hohe Priorität. Ohne die richtige Fütterung und Haltung der Tiere kann keine hochwertige Milch produziert werden und man kann den Tieren kein langes und gesundes Leben ermöglichen. Die Überprüfung der Milchleistung und die Überwachung der Milchqualität gehören daher zu den wichtigen Werkzeugen des Landwirts. Ohne diese können wir Veränderungen beim Tier nicht rechtzeitig feststellen.

 

Haben Sie ein Morgenritual? Wie frühstücken Sie?

Da ich allein in meinem Büro sitze, frühstücke ich auch alleine. Es wäre schwierig, die Kollegen aus meinem Team zusammen zu holen, da sie alle auf verschiedene Standorte verteilt sind. Mein Frühstück besteht meistens aus Quark, Früchten und Müsli. Ich frühstücke immer um die gleiche Uhrzeit. 

„

Rodeo? Nein, das Gatter war versperrt. Da muss man halt über die Kuh hüpfen. © Julia Katharina Stoltenberg

 

„

Aufgetischt! Bei Sonnenschein lässt sich das Frühstück gleich doppelt genießen. © Julia Katharina Stoltenberg