Der Obsthof Rönn liegt in der Voreifel. Genauer gesagt:  im kleinen Örtchen Ersdorf bei Meckenheim. Die Gegend gilt als „goldene Meile“, weil hier bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Obst angebaut wird. Monika Rönn leitet den Obsthof gemeinsam mit ihrem Mann Michael. Vater Josef strukturierte den Betrieb in den 1970er-Jahren von reiner Landwirtschaft auf Obstanbau um – mit dem Schwerpunkt Apfel. Monika Rönn kümmert sich in dem Familienbetrieb unter anderem um den Verkauf, Betriebsbesichtigungen, Buchführung und das Personal. Und das macht sie mit Begeisterung, obwohl – oder gerade weil – sie Quereinsteigerin ist: Denn eigentlich absolvierte Monika Rönn eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Apfel verpflichtet eben!

 

Frau Rönn, kommen alle Produkte auf dem Wochenmarkt aus der Region?

Nein, es gibt oft Händler, die überregionale Ware verkaufen. Ein Kauf auf dem Wochenmarkt ist nicht unbedingt ein Garant dafür, dass die Ware aus der Region kommt. Es gibt allerdings auf manchen Wochenmärkten lokale Erzeuger, die ihre Ware anbieten. Hier muss man allerdings als Verbraucher genau nachfragen.
 

Warum gibt es im Supermarkt Äpfel aus Neuseeland, Chile & Co., wenn Deutschland doch für den Apfelanbau bekannt ist?

Das fragen wir als Erzeuger auch immer. Viele Verbraucher möchten das ganze Jahr hindurch frische Äpfel haben, und speziell Neuseeland hat zeitlich genau entgegengesetzt zu uns Apfelernte, sodass man aus Neuseeland im Frühjahr die sogenannte „Neue Ernte“ bekommt. Allerdings nutzen wir mit moderner Lagertechnik in Deutschland inzwischen die Möglichkeit, bis weit ins neue Jahr hinein Äpfel zu lagern und saftig, knackig auf den Markt zu bringen. Es lohnt sich also, genauer auf die Verpackung zu schauen. 
 

Kann ich Ihre Äpfel im Supermarkt kaufen und woran erkenne ich, dass sie von Ihnen kommen?

Ja, Sie können unsere Äpfel im Supermarkt kaufen. Allerdings haben wir keinen Einfluss darauf, wo unsere Ware genau verkauft wird. Das entscheiden der Großhandel und die entsprechenden Zentrallager der Lebensmittelketten. Bei manchen Geschäften ist es nicht gewünscht, dass der Erzeugername auf der Ware steht. Hier wird nur eine Erzeugernummer angegeben. Bei anderen ist aber auch unser Name in Klarschrift auf das Etikett aufgedruckt.
 

Was ist Direktvermarktung?

Direktvermarktung ist, wenn der Verbraucher direkt beim Erzeuger einkauft. Entweder auf einem Stand auf dem Markt, an der Straße oder im Hofladen. 
 

Wie vermarkten Sie direkt? 

Bis vor wenigen Jahren hatten wir unseren Hofladen die ganze Woche über offen, wie andere in der Region auch. Wir haben dann umgestellt auf unseren regionalen Verkaufsautomaten – wir haben ihn „Regiomat“ getauft. So kann der Verbraucher unsere ausschließlich regionalen Produkte frei und unabhängig von den Verkaufszeiten im Laden erstehen und seine Wünsche an Frische, Geschmack und Regionalität erfüllen.

Darüber hinaus bieten wir „Apfelpatenschaften“ an, die man für ein Jahr oder länger für einen Apfelbaum abschließen kann. Das bedeutet: Man erhält in regelmäßigen Abständen Informationen zum „eigenen“ Apfelbaum, kann ihn zwischendurch besuchen und als Highlight im Herbst auch selbst ernten. Das Tolle an so einer Patenschaft ist, dass man nicht nur die Äpfel kauft, sondern nebenbei auch noch jede Menge über den Apfelanbau erfährt. Das ist dann die ganz „direkte“ Vermarktung.
 

Lohnt sich für jeden Landwirt die Direktvermarktung?

Direktvermarktung bedeutet für die Bauern auch ein hohes Maß an Logistik. Die Struktur des Direktverkaufs muss erst einmal aufgebaut werden. Das ist einer der Gründe, warum sich eine Direktvermarktung oft nicht lohnt. Andere Gründe sind die Lage des Betriebs und der Wettbewerb. Gibt es zu viele Erzeuger beziehungsweise Landwirte in einem Ort, die direkt vermarkten, ist der Umsatz für die einzelnen Unternehmen häufig zu gering, um ausschließlich davon leben zu können. 
 

Verkaufen Sie alle Äpfel direkt nach der Ernte oder lagern Sie sie bei sich? 

Wir lagern den Großteil der Ernte bei uns in modernen Kühllagern ein, um gleichmäßig über die kommenden Monate gute regionale Ware anbieten zu können. Das müssen wir aber auch, da wir von den Arbeitskapazitäten her nicht alle Äpfel direkt nach der Ernte vermarkten können. Die geerntete Menge pro Tag ist in der Erntezeit größer als der mögliche Absatz. 
 

Was machen Sie in den Monaten des Jahres, in denen keine Apfelernte stattfindet?

Wir verpacken und vermarkten unsere Ernte. Damit sind wir oft bis nach Ostern beschäftigt. Außerdem müssen in den Wintermonaten die Bäume geschnitten werden. Direkt nach der Ernte roden wir Anlagen, die erneuert werden. Nach dem Roden werden, je nach Wetter, neue Bäume gepflanzt, das Gerüst für die neue Anlage erstellt und die neuen Bäume angebunden, damit sie stabil stehen. Außerdem schützen wir unsere Bäume in einigen Plantagen mit Hagelnetzen. Diese werden nach der Blüte wie ein Dach über die Bäume gespannt und nach der Ernte wieder über der Baumreihe zusammengerafft, damit das Gerüst nicht vom Schnee eingerissen werden kann. Langeweile kennen wir nicht.
 

Tauschen Sie auch mal Äpfel gegen die Produkte des Nachbarn?

Das ist heute nicht mehr so üblich. Wenn uns ein Freund einen Gefallen erweist, „bezahlen“ wir allerdings manchmal mit Äpfeln. 
 

Wie viele Äpfel essen Sie am Tag?
Während der Erntezeit vier bis fünf, alle Sorten müssen ja kontrolliert werden. Außerhalb der Ernte halten wir uns an das Sprichwort: „An apple a day keeps the doctor away.“