Dass Michael Horsch Landwirt ist, sieht man ihm nicht sofort an: Smartphone in der Hand, Laptop unterm Arm, schwarze Anzughose, weißes Businesshemd. Aber der erste Eindruck täuscht, denn der 57-Jährige ist Landwirt „aus voller Überzeugung und mit Leidenschaft“. Der Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH aus dem bayerischen Schwandorf ist aber auch ein „waschechter Vollblutunternehmer“, jemand, der „Stillstand hasst“, „immer nach neuen Wegen sucht“ – und das am liebsten im Silicon Valley, in das er gerne reist. „Die Jungs dort haben das Smartphone erfunden. Und nehmen nun wieder eine Vorreiterrolle ein: bei der Ernährung“, sagt Horsch, der sich selbst als „Fünf-Tage-Veganer“ bezeichnet. „Ich esse nur am Wochenende Fleisch und Milchprodukte, und das bereits seit Jahren. Anfangs noch aus gesundheitlichen Gründen, nun, weil es mir schmeckt und Spaß macht.“

In den Kantinen der kalifornischen Hightechschmieden fühlt sich Michael Horsch bestens aufgehoben und versorgt, denn sie setzen Trends in puncto Lebensstil und Ernährungsweise. Die klassischen Hamburger oder Cheeseburger gebe es dort längst nicht mehr, so der ernährungsbewusste Landwirt. „Auf den Speiseplänen steht veganes Essen.“ Diese Art der gesunden Ernährung werde in absehbarer Zeit auch zum festen Bestandteil unseres Lebens werden, prognostiziert der Bayer und seine Augen leuchten dabei auf: „Was vor 15 Jahren Bio war, ist heute pflanzliche Ernährung. 2050 ist veganes Essen Mainstream, das sagen mehrere seriöse Studien!“

„Natur will Vielfalt“

Der Wandel in der Ernährung werde auch zu deutlichen Veränderungen in der Landwirtschaft führen, zu einem „neuen Weg“, da ist sich Michael Horsch sicher. Sowohl die Öko- als auch die konventionelle Landwirtschaft müssten sich seiner Meinung nach einen Ruck geben und annähern. „Wir haben zu lange nur solche Kulturen angebaut, die Geld bringen, andere hingegen vernachlässigt“, so der Landwirt. Seine Lösung: Mehr Vielfalt in der pflanzlichen Ernährung und weniger Masse, mehr Klasse beim Fleisch. Aber auch: „Nichts komplett weglassen, denn Natur will Vielfalt!“

Michael Horsch muss es wissen. Aufgewachsen auf dem Familienhof, kam er früh mit der Landwirtschaft in Kontakt. „Sonntags nach der Kirche waren wir sofort wieder auf dem Acker draußen“, erzählt er. Als Junge musste er überall mit anpacken, saß auf dem Traktor oder dem Drescher. Das war harte Arbeit, „Staub fressen“, aber sie machte auch Spaß. Und als es in der Schule nicht wirklich gut lief, mit Sechsen und Fünfen in Deutsch und Englisch, fällte der mittlerweile 16-Jährige einen richtungsweisenden Entschluss: Nicht mehr für andere zu arbeiten, sondern sein eigenes Unternehmen aufzubauen und für sich und seine Landwirtsfamilie Landtechnik für den Ackerbau zu entwickeln, „die uns weiterbringt“.

 

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Konzentration ist auch beim Schweißen gefragt. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Gesagt, getan. Aber es dauerte einige Jahre, bis Michael Horsch seine erste Eigenentwicklung auf den Markt brachte. Schließlich war er kein gelernter Maschinenbauer, sondern Autodidakt: 1980 war die Folienfräsmaschine fertig – eine Drillmaschine mit einer pneumatischen Dosierung auf einer Fräse. Arbeitsbreite: stolze vier Meter. Das Saatgut wurde direkt hinter der Fräse auf dem Ackerboden abgelegt und von der hochgeschleuderten feinen Erde bedeckt. Die Konstruktion schonte den Boden, da dieser nicht mehr gepflügt werden musste. Sie bildete die Grundlage für die Entwicklung weiterer Horsch-Sämaschinen.

Heute ist das mittelständische Unternehmen mit seinen innovativen Maschinen zur Bodenbearbeitung, Getreide- und Einzelkornsätechnik sowie zum Pflanzenschutz weltweit aktiv. Die Mitarbeiterzahl liegt bei rund 1.300, der Jahresumsatz bei etwa 300 Millionen Euro. „Geld allein bringt dich aber nicht weiter“, sagt Michael Horsch. „Wir haben Passion, Überzeugungskraft, Ideen, sind innovativ und wollen etwas bewegen.“ Ständiges Hinterfragen sei Teil des Horsch-Erfolgsrezepts, so der Unternehmer. „Wie kann man Ackerbau noch nachhaltiger machen? Wie den Boden verbessern? Wie mit weniger Chemie und Düngung die gleichen Erträge erzielen?“ Fragen wie diese würden im Unternehmen sehr intensiv und mit Leidenschaft diskutiert, so Michael Horsch. Anregungen dazu holt er sich unter anderem auf seinen Reisen ins Silicon Valley.

 

Michael Horsch
Michael Horsch: Unternehmer mit Pioniergeist. © Horsch Maschinen GmbH

 

„Moonshots“ wie im Valley

Überhaupt ist der Bayer viel unterwegs. Er trifft sich mit Kunden, auch Landwirten – und hört sich deren Probleme an. „Ich bin bekannt als Landwirt, nicht als Maschinenbauer. Ich habe mein Smartphone immer dabei, bin aber kein Elektronikfreak und rede ganz wenig über Technik. Das mögen die Menschen“, erzählt er. 50 Prozent seiner Zeit widmet der Unternehmer in der Regel den Kunden, 25 Prozent ist er Landwirt und die restlichen 25 Prozent gibt er sich seinen sogenannten „Moonshots“ hin.

Moonshots nennt der Mann, der sich nicht für einen Erfinder im klassischen Sinn hält, seine „verrückten Gedanken“. Meistens kommen ihm diese mitten in der Nacht. „Dann habe ich plötzlich eine Idee. Die reift wenig später unter der Dusche weiter, und wenn es um fünf, sechs oder sieben Uhr morgens in den Betrieb geht, weiß ich bereits, wie es weitergeht, und bespreche das mit meinem Entwicklerteam“, sagt Michael Horsch. Danach versuche man gemeinsam, diese verrückten Gedanken in die Tat umzusetzen, ergänzt er und lacht: „Das gilt auch für das Thema Essen.“ In der heimischen Unternehmenskantine in Schwandorf soll deshalb noch mehr „Pflanzliches“ auf den Speiseplan: „Frische Salate, Nüsse, Körner, Tofu – eben wie in den Kantinen des Silicon Valley!“

 

Am Computer wird feinjustiert: Anpassung der elektronischen Laser-Schneid-Systeme. © Forum Moderne Landwirtschaft
Am Computer wird feinjustiert: Anpassung der elektronischen Laser-Schneid-Systeme. © Forum Moderne Landwirtschaft