Herr Sander, Sie verwenden auf Ihren Feldern Glyphosat. Warum?

Die Rübe ist nicht besonders konkurrenzfähig gegenüber Unkräutern. Sie kann dann nicht richtig wachsen und wird regelrecht unterdrückt. Wenn man den Boden pflügt, werden die Konkurrenzkräuter von Erde bedeckt und so unterdrückt. Bei der Mulchsaat, die ohne wendende Bodenbearbeitung erfolgt, ist das nicht so: hier bleiben die Unkräuter an der Oberfläche und müssen in irgendeiner Weise bekämpft werden. Deshalb spritzen wir Glyphosat, denn ohne wäre es gar nicht möglich, hier Rübenanbau zu betreiben.

 

Wieso pflügen Sie die Unkräuter nicht einfach unter?

Wir setzen hier wegen der Erosionsgefahr auf Mulchsaat. Dies bedeutet, dass die Einsaat der Hauptfrucht – also der Zuckerrübe – in die Reste der abgeernteten Vorfrucht oder der zur Gründüngung angebauten Zwischenfrucht bzw. Untersaat erfolgt. Hierdurch entsteht eine bessere Bodenstruktur, wodurch Erosion vor allem auf Flächen mit starker Hangneigung in Verbindung mit heftigen Niederschlägen vermieden wird.

 

Ohne Glyphosat hätten Sie also keine Chance, Rüben anzubauen?

Ja, ohne dieses Mittel hätte ich ein großes Problem, weil es zum jetzigen Zeitpunkt keine nachhaltigen Alternativen gibt. Der Anbau wäre sonst nur machbar mit mehr Bodenbearbeitung, mehr Erosion, mehr Energieaufwand und mehr CO2-Ausstoß. Deshalb hoffe ich, dass Glyphosat auch langfristig zugelassen bleibt. Ich sehe bei fachgerechter Anwendung auch kein Problem, es weiter zu nutzen!

 

Die Wahrscheinlichkeit für eine langfristige Zulassung ist gestiegen: Im März 2017 hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) mitgeteilt, dass Glyphosat nicht zu den krebserregenden Chemikalien gehört. Was bedeutet das für Sie?

Für mich ist das sehr wichtig, denn sonst müsste ich auf einigen Feldern auf die Produktion von Zuckerrüben zum Beispiel zugunsten eines höheren Getreideanteils in der Fruchtfolge verzichten. Aber es ist immer gut, wenn eine Blattfrucht wie die Rübe dazwischen angebaut wird, damit typische Getreidekrankheiten nicht weitergegeben werden. Die Kette wird durch die Rübe also unterbrochen und der Krankheitsdruck in der Folgekultur somit gesenkt. Bei Weizen ginge es auch gar nicht anders, er ist nicht ohne Weiteres selbstverträglich. Bei Raps ist das noch wichtiger: es müssen drei Jahre dazwischen liegen, bevor man ihn wieder anbauen kann – sonst wird er krank. Nur bei Mais ist es anders, er kann durchgängig angebaut werden. Deshalb steht er auch oft in der Kritik, weil er zum Teil als Monokultur, also mehrere Jahre nacheinander, angebaut wird.

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Seit 1992 lebt Familie Sander auf dem renovierten Hofgut. Im oberen Teil des Hauses befinden sich die Wohnungen für die Feriengäste.  © Forum Moderne Landwirtschaft

 

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Vielseitiger Familienbetrieb: Auf dem Hofgut Beutig wird nicht nur Landwirtschaft betrieben. Florian Sanders Schwester setzt auf die Zucht von Pferden.  © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Wie bringen Sie Glyphosat auf Ihren Feldern aus?

Wir arbeiten mit hochmoderner GPS-Technik. Sie führt den Traktor immer genau entlang einer virtuellen Linie, sodass wir das Pflanzenschutzmittel zentimetergenau ausbringen können und es nicht zu Doppelbehandlungen kommt. Dadurch reduziert sich auch die Menge, und das Mittel wird so exakt dosiert, dass nichts auf den Nachbarfeldern landet.

 

Aber wenn es windig ist?

Natürlich – wenn es sehr windig ist – darf man ja auch nicht mit der Spritze draußen sein! Es ist schon wichtig, dass ich das Wetter immer ganz genau beobachte.

 

Was viele nicht wissen: Landwirte, die Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern ausbringen, benötigen einen Sachkundenachweis.

Richtig. Man bekommt diesen Ausweis nur, wenn man einen Lehrgang zum Beispiel beim Landwirtschaftsamt macht. Dieser wird alle drei Jahre wiederholt und berechtigt zum Kauf und zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Das Seminar dauert in der Regel einen Tag. Hier werden wir auch über die neuesten Vorschriften zum Thema Pflanzenschutz aufgeklärt, wie etwa die Ausbringmenge oder die Randabstände zum Nachbarfeld oder zu Gewässern. Bei uns im Betrieb hat jeder einzelne Mitarbeiter so einen Nachweis – und ich natürlich auch.

 

Glyphosat war in letzter Zeit immer wieder in den Medien, weil es im Verdacht stand, krebserregend zu sein. Haben Sie als Familienvater ein mulmiges Gefühl dabei, es anzuwenden?

Nein, gar nicht. Wir setzen das Mittel bei uns in so geringer Dosierung ein: Auf 10.000 Quadratmeter, das entspricht in etwa der Fläche eines Fußballfelds, kommen gerade mal zwei Liter des Pflanzenschutzmittels. Hinzu kommt, dass wir das Mittel vor der Saat ausbringen, es kommt mit den Nutzpflanzen also gar nicht in Berührung.

 

Sie haben oft Feriengäste auf Ihrem Hof, die einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen. Wie gehen Sie mit Fragen zum Thema Pflanzenschutzmittel um?

Ganz offen! Auch deshalb, weil ich überzeugt bin, dass davon keine Gefahr ausgeht. Die Spritze wird auch mitten auf dem Hof für jeden Gast sichtbar befüllt. Wenn ich den Gästen alles vernünftig erkläre, dann verstehen sie das auch. Ich bin jedenfalls noch nie angefeindet worden.

 

Haben Sie in Bezug auf das Interesse der Verbraucher in den vergangenen Jahren Veränderungen bemerkt?

Ja, auf jeden Fall. Es werden jetzt häufiger Fragen gestellt, was meiner Meinung nach aber auch an der Berichterstattung liegt. Es gibt nahezu jede Woche einen neuen Artikel über die Landwirtschaft. Egal, ob es dabei um Kühe, Schweine oder den Ackerbau geht, die Gesellschaft wird hierdurch sensibilisiert – und das ist ja auch gut so! Ich sehe darin jedenfalls kein Problem, solange die Berichterstattung objektiv ist.