Der Hof von Hubert Gamber liegt in der Gemeinde Lustadt, zwischen Speyer und Landau. Im Norden bildet die Bundesstraße 272 die natürliche Grenze der von ihm bewirtschafteten Flächen, ansonsten wird das Areal umschlossen vom Bellheimer Wald. Gegründet hat er seinen Betrieb 1975 – direkt neben dem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb und nach der Prüfung zum Gärtnermeister, Fachrichtung Gemüsebau. Dort entdeckte er als Junge sehr früh seine Leidenschaft für die Landwirtschaft. Er war immer und überall dabei, half, wo er konnte und wann immer es die Schule zuließ. 

 

 

 

Es ist ein Traumberuf, aber ein harter

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs Gambers Hof stetig und gehörte mit einer Fläche von 330 Hektar zeitweise sogar zu den größten in der Pfalz. „330 bis 350 Fußballfelder sind das“, sagt Gamber nicht ganz ohne Stolz. Erst vor zwei Jahren hat er den Hof verkleinert, altersbedingt, denn Gamber wird 64.

„Gemüseanbau ist kein einfacher Job, schon wegen des Wetters und des Klimawandels“, sagt er, „aber mir macht er immer noch Spaß. Es ist mein Traumberuf.“ Wie zur Bestätigung leuchten seine Augen auf, als der Blick in die Ferne schweift. Verträumt ein wenig, aber im nächsten Moment wieder klar und fokussiert auf das Hier und Jetzt. Gambers Hände sind rau, sie packen fest zu, voller Leidenschaft.

Als Hubert Gamber 1975 seinen Betrieb startete, fing er mit Kopfsalat und Rettich an. „Ich war damals hochspezialisiert und damit der Zeit voraus“, sagt er stolz . Gamber merkte allerdings schnell, welche Gefahren die Spezialisierung mit sich bringen kann. „Wenn nur ein großer Kunde abspringt oder das Wetter mal nicht mitspielt, ist schnell die Existenz des gesamten Betriebes gefährdet“, weiß er heute. Gamber deckt deshalb inzwischen eine breite Produktpalette ab. „Diversifizierung nennt sich das. Wir bauen das ganze Salatsortiment an, von Kopfsalat über Lollo Rosso und Eichblatt bis hin zu Batavia, Frisée und Feldsalat. Wir produzieren das ganze Jahr über.“

Pflanzenschutz und Düngung für die Nachhaltigkeit

Die Möglichkeiten der modernen Landwirtschaft machen es möglich: „Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung, Düngung: Ohne das funktioniert Gemüsebau in der heutigen Zeit nicht mehr“, hebt Gamber hervor. Der Klimawandel mache sich bemerkbar. „Nehmen Sie den letzten Sommer – der war zu trocken. Dieses Jahr ist es dagegen viel zu nass. Das bedeutet: Staunässe, Mehltau, Pilz- und Schneckenbefall. Auch Raupen sind im Juli ein Problem. Mit Hilfe moderner und zielgerichteter Schädlingsbekämpfung können die Ausfallrisiken minimiert werden.“

Hier hilft Gamber die moderne Technik: Am Computer gibt er die Größe des Gemüsefelds ein, dazu die Ausbringungsmenge. Den Rest erledigt die Software. Auf das Gramm genau berechnet das Programm die benötigten Mengen – egal ob Schädlingsbekämpfungs- oder Düngemittel. Das helfe zum einen, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Zum anderen komme es aber auch dem Boden zu Gute, sagt Gamber und ist damit direkt beim Thema Nachhaltigkeit.

„Wir haben schon immer nachhaltig produziert“, sagt der 63-Jährige und erläutert: „Fruchtwechsel spielt bei uns eine wichtige Rolle, der ist durch nichts zu bezahlen.“ Auf Gambers Hof heißt das: Ein Drittel der Fläche wird mit Sonderkulturen bepflanzt, zum Beispiel mit diversen Salatsorten. Zwei Drittel werden mit landwirtschaftlichen Ackerbaukulturen bewirtschaftet, wie Weizen, Mais oder Wintergerste. Seine Flächen bekommen Pflanzenschutz, Düngung und Wasser, darüber hinaus werden sie aber nicht bearbeitet. Sie können ruhen. „Das ist wie ein kleiner Kuraufenthalt für den Boden“, sagt Gamber lachend. 

Um den 20. Februar herum geht jährlich der Salatanbau los. Die Pflanzen werden unter Folie oder Vlies vor Wetter und Schädlingen geschützt. Haupterntezeiten sind die Monate Mai, Juni und Juli. „Es kann aber bis in den November hinein dauern“, erläutert Gamber. Bei der Salaternte kommt der Gemüsebauer ohne moderne Technik aus: „Salaternte heißt Handarbeit. Man greift den Salatkopf an. Ist er groß genug? Passt das Gewicht? Wie fühlen sich die Blätter an? Da geht nichts maschinell. Ein Messer, zwei Hände und Augenmaß – mehr braucht es nicht“, sagt Gamer verschmitzt. „Ohne Menschen läuft bei uns gar nichts.“

 

Fachwissen ist das A und O

30 bis 50 Saisonarbeitskräfte beschäftigt Hubert Gamber in jedem Jahr. Probleme, sie zu rekrutieren, hat er nie gehabt. Wohl auch, weil er gut zahlt. „Klar macht sich auch bei uns der Mindestlohn bemerkbar. Aber nicht so stark wie in einem Großbetrieb, in dem 300 bis 400 Menschen im Akkord arbeiten.“ Die Saisonarbeiter kommen vorwiegend aus Osteuropa. „Viele arbeiten bereits seit 20 oder 30 Jahren für uns. Da hat sich auch privat eine Beziehung aufgebaut. Sie haben Spaß an der Arbeit, das Arbeitsklima stimmt“, unterstreicht der Gemüsebauer. „Wenn das Personal nicht zu einem passt, sind Betriebe wie der unsrige nicht zu führen. Fachliches Wissen ist bei uns das A und O.  Da muss man sich als Landwirt eben schon ein bisschen anstrengen.“

 

Gemüsebauer mit Verkaufstalent

Der ehrgeizige und zielorientierte Gamber gibt bereits seit Jahren alles für seinen Hof – mit Erfolg. Sein Lohn ist die hohe Qualität seiner Produkte – und diese wiederum ist der  Schlüssel zum Abverkauf. Dies gilt heute mehr denn je. Laut Gamber muss der Gemüsebauer inzwischen vor allem eines können: seine Produkte platzieren, sprich: verkaufen. Ein Handelsprogramm auf seinem Computer hilft ihm dabei. Täglich, direkt nach dem Frühstück um 6.00 Uhr, geht es deshalb erst einmal ins Büro vor den Rechner.

Beim Verkauf setzt Gamber auf den Direktvertrieb über die Genossenschaft, der sein Hof angehört. Seine Salate gehen vorrangig in die Region – nach Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart –, aber auch nach Hamburg oder Leipzig.

 

Klare Worte, starkes Versprechen

Deutliche Worte findet Gamber, wenn es um das Thema Verbraucherverhalten geht: „Der Verbraucher ist heutzutage daran gewöhnt, alles zu jeder Jahreszeit zu bekommen. Für den Konsumenten mag das gut sein, für uns Gemüsebauern ist es schlecht. Regionalität lässt sich so nicht leben.“ Gamber selbst isst beispielsweise Tomaten und Gurken nur frisch, wenn er sie selbst im Garten hat. „Wenn ich im Winter Gurken will, nehm ich mir eine eingelegte aus dem Glas.“

Hubert Gamber lacht – und sein Blick gleitet wieder ab in die Ferne, am Gemüsefeld entlang, dem Horizont entgegen: „In zwei Jahren ist für mich Schluss. Dann wird der Hof dicht gemacht“, sagt er. Seine Töchter haben etwas anderes gelernt und Gamber wollte sie nicht zur Übernahme drängen. „Man muss Spaß an der Arbeit haben, sonst wird das nichts.“ Gamber spricht aus Erfahrung. Es sei eine schöne Zeit gewesen, die er sicherlich vermissen werde, sagt er.

Gamber blickt zu Boden, die Spitze seines Arbeitsschuhs bohrt ein kleines Loch in die nasse Erde. Dann fährt sein Kopf wieder nach oben. Sein Blick ist fest: „Ich werde auch später noch mein eigenes Gemüse anbauen, gemeinsam mit meiner Frau. Ein kleiner schöner Garten, ein Gewächshaus. Das wird reichen. Ich werde mit Auge, Herz und Ohr nahe an der Landwirtschaft und am Gemüsebau bleiben“, verspricht er. Man spürt, er wird sein Versprechen halten.