Nicht erst seit der Schlange im Paradies und der Arche Noah spielen Tiere in Religionen eine tragende Rolle. Im alten Ägypten etwa waren die Götter Mischgestalten aus Tier und Mensch, zum Beispiel Bastet, die katzengestaltige Schutzherrin des Hauses und der Geburten, oder die oft als trächtiges Nilpferd dargestellte Göttin Taweret. Durch die griechische Mythologie galoppierten Minotauren, Mischwesen zwischen Stier und Mensch, und der freche griechische Gott Pan hatte Bocksbeine und trug Hörner.

Heute verehrt man Tiere nur noch selten als Götter; ihnen werden auch keine Opfergaben mehr dargebracht. Eine Ausnahme bildet der Hinduismus, in dem die Kuh nach wie vor als heilig gilt. In sämtlichen Religionsgemeinschaften existieren jedoch bestimmte Regeln bezüglich des Umgangs mit Tieren und ihrem Fleisch. Einige dieser Regeln haben inzwischen auch außerhalb der Religionsgemeinschaften Akzeptanz und Verbreitung gefunden. So essen heute auch Menschen nichtjüdischen Glaubens zwischendurch mal koscher. In den urbanen Zentren Indiens verzehrt eine junge, hippe Generation von Hindus Hamburger und Rinderfilets, und bei den Christen wird die Regel „freitags kein Fleisch“ nur noch von wenigen Strenggläubigen befolgt.

Diese Wahlfreiheit bietet uns die heutige Gesellschaft, in der viele Religionsgemeinschaften mit- und nebeneinander leben – und in der jeder machen und essen kann, was er möchte. Für manch einen wird Ernährung dabei sogar zur Ersatzreligion. Doch ganz gleich ob Fisch, Fleisch oder Seitansuppe: Die frischen Zutaten für unsere tägliche Ernährung liefert für alle die Moderne Landwirtschaft.