Wer denkt, dass gute Tierhaltung nur unter dem Bio-Siegel möglich ist, wird bei Landwirt Thomas Domin im brandenburgischen Peickwitz bei Senftenberg eines Besseren belehrt. Seit 1993 betreibt er den Hof, den er von seinem Vater übernommen hat, mit allerlei Geflügel, 30 Rindern, drei Dutzend Schweinen und Getreideanbau. „Bei uns kommt alles aus einer Hand“, erklärt er stolz. Das heißt: Nicht nur das Futter für die Gänse stammt vom eigenen Acker – „Hafer fressen sie am liebsten“ –, das Vieh wird auch direkt vor Ort geschlachtet. Das erspart den Tieren den stressigen Transport, schont Umwelt und Ressourcen.

Nicht der einzige Grund, die Gans aus deutscher Haltung zu kaufen: Das normalerweise im Supermarkt erhältliche Geflügel kommt oft aus dem Ausland, insbesondere Polen und Ungarn – dort werden die Haltungsbedingungen aber weniger streng gehandhabt als hierzulande. Die Gänse stammen aus Mastzucht und werden teilweise sogar lebend gerupft – in Deutschland ist das verboten.

Aus den stark abweichenden Haltungsbedingungen ergibt sich eine große Preisspanne für Gänsefleisch: Bei Direktvermarktung der Erzeuger wie von Thomas Domin zahlt man durchschnittlich rund 15 Euro pro Kilogramm frische Gans, rund 9 bis 17 Euro im Handel. Frische Bio-Gänse kosten um die 20 Euro je Kilogramm.
 

Der Mythos um die Gans

Der Legende nach versteckte sich Sankt Martin – bevor er heilig wurde – in einem Stall, um nicht zum Bischof geweiht zu werden, er wollte das nämlich nicht. Doch die Gänse im Stall sahen das anders: Ihr Schnattern verriet ihn, sein Versteck flog auf. Fortan, so der Martins-Gans-Mythos, müssen die Tiere für den Verrat des unfreiwillig Heiligen büßen, und landen an christlichen Festtagen gern im Ofen. Das ist freilich Unsinn, aber nicht die einzige Gans-Legende:. Zur Weihnachtszeit im Jahre 1588 soll die englische Königin Elisabeth I., als sie vom Sieg über die Spanier erfuhr, gerade Gans gespeist haben. Und erklärte das flugunfähige Geflügel vor lauter Freude just zum Festtagsbraten.

Mythen hin oder her, fest steht: Zu Weihnachten lassen sich die Menschen hierzulande in zwei Gruppen einteilen: Die mit den Würstchen und dem Kartoffelsalat und die, die darüber nur verächtlich die Nase rümpfen – kein Festtag ohne Braten! Mit Rotkohl. Und Knödeln.

So leben die Gänse

Domestiziert hat man die Gans in Europa bereits vor 8000 Jahren, und seit Juli schnattert es auch wieder bei Landwirt Thomas Domin. Wie jedes Jahr zieht er auf seinem Hof rund 100 Gänse groß. Das hört man, sobald man nur in die Nähe ihres Reviers kommt. Einfach dem Schnattern hinter dem Haus folgen, da sind sie schon: Weiß strahlt ihr Gefieder in der aufblitzenden Sonne, recken sich zig lange Hälse und plappern orangefarbene Schnäbel. Kaum macht man einen Schritt in ihre Nähe, erlebt man die zweite Spezialität der Tiere: Gänseformation! „Auch wenn sie nicht die hellsten sind, Gänse kommunizieren permanent miteinander“, erklärt der Landwirt, während die Tiere Flügel an Flügel geschlossen in einem spitzen Dreieck zum nächstgelegenen Baum watscheln. „Sie brauchen Auslauf und Unterschlüpfe, um sich wohlzufühlen.“
 

Der Fuchs geht um

Ganz frei laufen lässt Thomas Domin sie aber nicht, schon gar nicht bei Nacht. Dann müssen die Tiere in den Stall, zu ihrem Schutz. Vor dem Fuchs zum Beispiel, der erst vor ein paar Tagen wieder zugeschlagen hat: „Ein paar meiner Hühner hat er sich geholt“, berichtet der Landwirt. Neben dem Feind Nummer eins ist da auch noch der Habicht. Und der Hund vom Jäger, auch der hat schon mal zugeschlagen.

Eine gute Tierhaltung wie bei Landwirt Thomas Domin wirkt sich am Ende auf das Fleisch aus: Im Gegensatz zur in Rekordzeit aufgezogenen Mastgans, die in 10 Wochen schlachtreif ist – zu erkennen an einer dicken Fettschicht statt wohlgenährtem Muskelfleisch – ist die Farbe kräftiger, wird das Fleisch im Ofen saftig und zart. „Nicht zu viel und nicht zu wenig Fett“, erklärt der Profi.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!