Herr Kleinert, bis 2010 arbeiteten Sie und ihr Partner Andreas Breuer in der gehobenen Küche. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Imbiss zu eröffnen?
Wir kochten zusammen im Aigner am Gendarmenmarkt und im Restaurant Schönbrunn im Volkspark Friedrichshain. Auf der Speisekarte stand dort deutsch-österreichische Küche – von gehoben bis abgehoben. Darunter auch Klassiker wie Königsberger Klopse oder Kasseler. Das hat dort gut funktioniert. Als wir uns 2010 selbstständig machten, war die Idee daher quasi schon geboren: gehobene deutsche Küche in kleinerem Rahmen zum günstigen Preis.

 

Auf einem Schild vor dem „Imbiss 204“ steht „raffinierte deutsche Küche“. Was meinen Sie damit?
Die deutsche Küche leidet ja inzwischen sehr. Besonders in Berlin. Hier in Prenzlauer Berg findet man mittlerweile vor allem asiatische Gerichte, Pizza und Pasta oder türkisch-arabische Angebote, die meist auf den Massentourismus ausgerichtet sind. Wir machen es anders. Mittags gibt es bei uns ein Menü mit Klassikern wie Leberkäse mit Sauerkraut und Kartoffelkloß oder Bouletten mit Paprika-Kartoffel-Ragout. Abends stehen dann wechselnde gehobene Gerichte auf der Karte, zum Beispiel Fisch mit Rote Beete oder Kalbsrollbraten mit Kräuter-Seitling und gebratenem Kartoffelkloß.

 

Das klingt lecker. Woher stammen denn die Rezepte?
Wir sind keine Rezeptköche, sondern kochen aus der Erfahrung heraus. Wichtig ist uns vor allem, dass das Essen gut abgeschmeckt ist. Die meisten trauen sich heute nicht mehr, die Gerichte ordentlich zu würzen. Dabei ist es doch für den Koch ein trauriger Anblick, wenn die Gäste das Gericht auf dem Tisch gleich nachwürzen, ohne es vorher probiert zu haben. Die Leute schätzen bei uns den Geschmack, die Portionsgröße und die Qualität des Essens zum günstigen Preis. Wir hören von unseren Gästen oft: „Wie bei Mutti.“

In großen Pfannen und Töpfen brutzeln Kartoffeln, Speck und Bohnen. Im „Imbiss 204“ wird stets frisch gekocht.
© Forum Moderne Landwirtschaft

 

Dafür ist der Imbiss bekannt: schmackhafte Gerichte, immer gut gewürzt. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Andreas Breuer (links) und Stefan Kleinert (rechts) betreiben den „Imbiss 204“ gemeinsam seit 2010. 
© Forum Moderne Landwirtschaft

 

Wie wichtig ist Ihnen die Fleischqualität?
Die ist uns sehr wichtig! Als Imbiss sind wir auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis beim Ein- und Verkauf angewiesen. Wir bedienen mit dem „Imbiss 204“ eine Nische im Markt und wollen im Umfeld entsprechend hervorstechen. Daher ist es essenziell für uns, dass wir gute Qualität zum guten Preis bekommen.

 

Und woher beziehen Sie Ihr Fleisch?
Fast ausschließlich aus der Metro – und diese wiederum bezieht das Fleisch vom Vion-Konzern. Die Qualität der Ware ist gut – außerdem können wir dort bereits sehr früh einkaufen. Wir holen das Kalbsfleisch für Schnitzel, Gehacktes für die Buletten oder auch Schweinefleisch bereits um 5 Uhr morgens in der Metro ab, damit es ab 12 Uhr mittags fertig zubereitet auf dem Teller liegen kann.

In Berlin-Prenzlauer Berg sitzen Sie ja im Zentrum der jungen Gastro-Kultur. Spüren Sie da etwas vom aktuellen Trend der Rückbesinnung auf die traditionelle regionale Küche?
Das kann ich nicht so genau sagen. Allerdings wird unser Angebot sehr gut angenommen. Auch von vielen internationalen Touristen. Wir leben davon, dass wir Qualität in anständigen Portionen ohne Chichi bieten. Dafür haben wir allerdings nicht in eine schicke Ausstattung investiert, sondern sind von der Inneneinrichtung her authentisch rustikal geblieben. Man bekommt bei uns, was man erwartet und bestellt hat. Und das soll auch so bleiben.

 

Gibt es ein „Imbiss 204“-Stammpublikum?
Definitiv: Mittags kommen vor allem Geschäftsleute und Mitarbeiter aus den umliegenden Start-ups. Abends trifft man bei uns Leute aus der Nachbarschaft an, zum Teil regelmäßig an bestimmten Tagen. Und auch bei den Touristen gelten wir dank Angeboten wie TripAdvisor oder Yelp inzwischen als Geheimtipp. An manchen Abenden haben wir hier Menschen aus der ganzen Welt. Es herrscht dann ein ziemliches Sprachengewirr – aber unsere klassische deutsche Küche mögen sie alle. 

 

Nachtrag: Seit Ende 2017 hat der Imbiss 204 leider dauerhaft geschlossen. Wir bedanken uns für viele gesellige Abende und die gute deutsche Küche und wünschen den ehemaligen Betreibern weiterhin alles Gute.