Wenn man Christina Münks das erste Mal sieht, fällt einem sofort ihr gewinnendes Lächeln auf. Die junge Frau in Bluse und Jeans geht auf Menschen zu, ist neugierig. Eine Kollegin in ihrem Büro ruft: „Sie ist herzlich!“ Christina lacht. „Ich selbst würde mich zuallererst als kommunikativ bezeichnen. Das ist auch etwas, das meinen Job ausmacht.“ 

Schon immer will die heute 30-Jährige etwas mit Tieren machen. Sie wird auf einem landwirtschaftlichen Hof groß – aber ohne Schweinehaltung. In ihrer Familie gibt es einige Agrarwissenschaftler. Also entscheidet sie sich auch für diesen Studiengang. „Der eigentliche Berufswunsch entwickelte sich dann im Laufe des Studiums, als ich mich auf den Bereich Fütterung spezialisierte“, erklärt Münks. Durch ein Praktikum landet sie schließlich im Unternehmen DTC und dort direkt im Produktmanagement Schwein. „Das fand ich so spannend, dass ich noch heute hier arbeite. Die Arbeit ist vielfältig, nie langweilig, macht Spaß. Kurzum: ein Traumjob.“

Münks arbeitet im Büro und berät die Außendienstler des Unternehmens; sie fährt aber auch zu den Kunden auf die Höfe. In erster Linie entwickeln sie und ihr Team Nahrungssortimente für Schweine. „Früher wurden die Essensreste der Menschen an die Schweine verfüttert. Das ist heute nicht mehr so. Zwar waren und sind Schweine Allesfresser, gleichzeitig aber auch sehr empfindlich. Sie können beispielsweise besser riechen als ein Hund“, erklärt Münks und ergänzt: „Deshalb sind sie bei den Komponenten sehr wählerisch.“

Die Frau
Entwickelt Superfood für Schweine: Christina Münks ist Fachbereichsleiterin des Produktmanagements Schwein bei der Deutschen Tiernahrung Cremer. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

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An den vielen verschiedenen Rohstoffen erkennt man: Futter ist heute äußerst vielfältig. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Superfood für tierische Hochleistungssportler

Dann gerät sie ins Schwärmen: „Ich vergleiche Schweine deshalb mit Hochleistungssportlern: Bei ihnen muss man die Ansprüche an die Ernährung sehr gut kennen, um das Essen, das Superfood, dann perfekt darauf abstimmen zu können.“ Ein Mastschwein, erläutert Münks, nehme täglich im Schnitt 950 Gramm zu. Da müsse das Futter schon ordentlich was leisten, auch weil die Gewichtszunahme nicht über Fett, wie beim Menschen, sondern über das Fleisch direkt passiere. Entsprechend energiereich sei das Futter. „Die Herausforderung dabei ist, dass trotzdem ein hoher Anteil an Rohfaser im Futter steckt, damit der ganze Verdauungstrakt gut arbeitet. Das macht die Arbeit für mich so spannend: Futter so zu entwickeln und zusammenzustellen, dass das Tier genau das bekommt, was es braucht.“  

Christina Münks zeigt auf ihren Computerbildschirm, auf dem verschiedene Futterkomponenten zu sehen sind. „Ferkel bekommen beispielsweise ein ganz anderes Futter als Mastschweine. Sie brauchen ein extrem hochverdauliches Futter, also sollten möglichst viele Komponenten aufgeschlossen sein. ‚Druckhydrothermisch aufgeschlossen‘, heißt das im Fachjargon: Die Stärke wird zersprengt, verkleistert, bekommt so eine größere Oberfläche und ist leichter und schneller verdaulich. Schmackhafter ist sie zudem auch.“ Münks denkt kurz nach: „Ein Beispiel: Das aufgeschlossene Maiskorn, das klassische Popcorn, schmeckt besser und ist ebenfalls leichter verdaulich als das harte, ursprüngliche Maiskorn.

Hygiene
Hygiene ist wichtig: Zu Beginn werden die Futterproben auf diesen Aspekt hin untersucht. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Fast unbegrenzte Möglichkeiten

Die Möglichkeiten in dem Bereich sind enorm. „Ein Ferkelfutter beispielsweise hat 21 verschiedene Komponenten. Das setzen wir in der Entwicklung unserem Futter alles einzeln zu. Wir haben Hauptkomponenten wie Getreide, Sojabohnen, Rapsschrot, Rübenschnitzel, Weizenkleie. Dazu kommen Mineralstoffe wie Phosphor, Kalzium, Natrium, Vitamine, Spurenelemente wie Kupfer und Zink, damit das Tier keine Mangelerscheinungen bekommt.“

Das klassische Schweinefutter, so Münks, gebe es nicht: „Ferkel bekommen zuerst Milch von der Sau, eventuell noch angerührte Milch und einen Pre-Starter. Nach dem Absetzen, also in der Ferkelaufzucht, erhalten sie hoch verfügbare Nährstoffe in drei Phasen“, erkärt sie. Am Anfang enthalte das Futter noch Milchbestandteile, Molkepulver. Denn das kennen die Ferkel noch von der Sau. Später bekämen sie ein Futter ohne Laktose und im weiteren Verlauf würden sie dann immer mehr in Richtung Mastfutter vorbereitet. „Auch in der Mast ist eine Drei-Phasen-Fütterung üblich. Man fängt mit einem energie- und proteinreichen Vormastfutter an. Im Verlauf der Mast wird das dann weniger. Je älter ein Schwein wird, desto mehr neigt es dazu, Fett anzusetzen. Für uns heißt das: Nährstoffe im Futter zu reduzieren, damit die Schweine nicht zu fett werden“, erläutert Münks.
 

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Bei der Analyse der Futtermittel arbeitet Christina Münks mit den Chemielaborantinnen zusammen. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Hochtechnologie und Fingerspitzengefühl

Eine besonders wichtige Rolle in Christina Münks Alltag spielt die Laborarbeit. Alle angelieferten Rohstoffe werden im Werk auf ihre Inhaltsstoffe hin untersucht. Proben von Fetten beispielsweise landen im Labor, werden getestet. „Wenn Öl ranzig ist, riecht das das Schwein dies viel eher als der Mensch – und frisst das Futter mit diesem Bestandteil dann nicht. Das wollen wir natürlich verhindern.“

Die Labortüren öffnen sich, ein heller und lichtdurchfluteter Raum lädt zum Eintreten ein. „Sauberkeit ist sehr wichtig, damit bei den Analysen keine Verunreinigungen auftreten und die Werte am Ende verfälscht sind. Mit Überziehern für Haare und Schuhe arbeiten wir im Labor aber nicht. Die tragen wir nur in den Ställen bei Kundenbesuchen“, erläutert Münks. Die Laboranten tragen in dem klinisch reinen Raum spezielle Laborschuhe und säurebeständige Kittel. Dazu ab und an auch Schutzbrillen. „Wir sprechen recht häufig im Labor vor, bringen Proben vorbei, und manchmal schauen wir auch selbst mit unters Mikroskop. Das heißt, wir sind im Labor dabei, arbeiten aber im Büro“, sagt sie und zeigt auf ein futuristisch aussehendes Gerät: „Die technische Ausstattung ist hochmodern. Aber wir arbeiten auch noch mit Reagenzgläsern und manchmal sogar mit Bunsenbrennern. Da ist dann Fingerspitzengefühl gefragt.“ Sie lacht.

Wieder zurück im Büro, sagt Münks: „Wir entwickeln in der Regel nicht neues Futter, sondern verbessern bereits Existierendes. Es ist eine stetige Weiterentwicklung. Wichtig ist, dass das Schwein alle Nährstoffe, die es braucht, auch bekommt.“
 

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Ein enger Austausch zwischen Labor und Produktmanagement ist wichtig für die Weiterentwicklung der Produkte. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Futter aus dem Rechner

Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit spielen dabei eine sehr große Rolle: „Alles was das Tier nicht verdaut, landet als Gülle wieder auf unseren Feldern. Dazu gehören etwa Stickstoff und Phosphor. Das belastet die Umwelt. Wir achten sehr darauf, dass die Schweine nur so viel Protein bekommen, wie sie brauchen und gut verdauen können. Deshalb beschäftigen wir uns viel mit der Verdaulichkeit von Aminosäuren. Wir wissen beispielsweise genau, wie viel Lysin in Weizen ist. Und das ist zu 85 Prozent verdaulich. Die Phosphorverdaulichkeit wiederum lässt sich durch die Zugabe des Enzyms Phytase sehr hoch gestalten.“

„Das Futter wird bei uns im Rechner entwickelt: Wir schauen uns an, welche Nährstoffe die Komponenten haben, welche Nährstoffe wir später im fertigen Futter haben wollen und welche Komponenten wir überhaupt zulassen“,, erläutert Münks. „Der Rechner schickt eine Mischliste an das Werk und bei der Bestellung wird das Futter gemischt, also produziert. Das muss man sich dann wie beim Kochen nach Rezept vorstellen: 27 Prozent Gerste, 20 Prozent Weizen, 10 Prozent Sojabohnen und so weiter. Je nachdem wie groß die Futtercharge ist, landen die jeweiligen Komponenten anschließend computergesteuert und zermahlen im Mischer. Das Futtermehl entsteht. Daraus können auch Pellets oder Granulat gemacht werden.“

Welche Struktur letzten Endes im Trog landet, hängt von den Wünschen des Landwirts ab. „Der Verbraucher schmeckt am Ende keinen Unterschied beim Fleisch“, sagt Münks. Sie muss es wissen: Sie ist kein Vegetarier – sie isst Schweinefleisch. „Ich mache ab und an auch selbst Schweinebraten. Aber wenn ich ehrlich bin: Meine Talente liegen doch eher woanders. Ich bin Agrarwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Tierernährung, so gesehen also quasi Ernährungsberaterin für Schweine.“ Und eine sehr offene und freundliche dazu.

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Im Büro: Neben der Beratung von Außendienstmitarbeitern und Kunden berechnet und optimiert Christina Münks täglich die Zusammensetzung von Futter am PC. © Forum Moderne Landwirtschaft