Viel Zeit und Arbeit steckt der Landwirt in die Pflege seiner Kulturen, damit wir das ganze Jahr hindurch frische und hochwertige Lebensmittel genießen können. Und Pflege bedeutet für ihn unter anderem, seine Pflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern zu schützen. Was wir auf dem Balkon oder im Garten im Kleinen machen, macht der Landwirt im Großen – und das in steigendem Maße. Denn immer mehr Menschen müssen von dem Ertrag eines Hektars landwirtschaftlicher Nutzfläche leben.

Um den Ertrag zu steigern und Ernteverluste zu verringern, kann der Landwirt – je nach Pflanze, Bodenverhältnissen, Witterung und Klima – auf verschiedene Verfahren zurückgreifen. Dazu steht ihm ein breites Spektrum biologischer, physikalischer, chemischer oder mechanischer Maßnahmen zur Verfügung. Den Einsatz von chemischem Pflanzenschutz beschränkt er dabei auf das Notwendigste, indem meist eine Kombination aus unterschiedlichen Methoden nutzt. 

 

 

Hier einige Pflanzenschutzmaßnahmen in der Übersicht:

Vorbeugen ist besser als heilen

Doch zum Pflanzenschutz gehört noch viel mehr als diese wichtigen direkten Schutzmaßnahmen, denn ebenso wichtig sind vorbeugende pflanzenbauliche Arbeiten. Fürsorglich überlegt der Landwirt schon vor dem Anbau einer Kultur, was er tun kann, um sie zu stärken und dem Auftreten von Schadorganismen vorzubeugen. Sorgsam wählt er beispielsweise die richtigen Sorten für seinen Standort aus. Bei Winterweizen etwa stehen rund 140 Sorten zur Auswahl. Diese unterscheiden sich unter anderem in ihrer Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten. Aus Erfahrung weiß der Landwirt, ob Schadpilze wie etwa Gelbrost oder Spelzenbräune für seinen Standort typisch sind.

Die Redensart „Wie die Saat, so die Ernte“ gilt auch in der Modernen Landwirtschaft nach wie vor. Nicht zu früh und nicht zu spät, nicht zu tief und nicht zu flach, nicht zu fein und nicht zu grob – so könnte man die optimale Winterweizenaussaat auf einen Nenner bringen. Jedes Extrem kann die junge Pflanze schwächen und die Unkraut-Konkurrenz stärken. Doch es ist für den Bauern gar nicht so einfach, das richtige Maß zu treffen, findet Landwirtschaft doch unter freiem Himmel statt. Das Wetter gibt den Rahmen und den Arbeitstakt vor – und ist auch heute noch weitgehend unberechenbar.

 

Pflanzenschutz nach bewährtem Prinzip

Will der Landwirt seine Pflanzen schützen, geht er nach den Grundsätzen des sogenannten Integrierten Pflanzenschutzes wie folgt vor:

  1. Er ergreift sämtliche erforderlichen vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen.
  2. Er beobachtet seine Kulturen regelmäßig und erkennt so frühzeitig, ob sich Krankheiten oder Schädlinge ausbreiten.
  3. Er wählt den Termin zur Bekämpfung der Schadorganismen nach dem Schadensschwellenprinzip: Danach ist eine Pflanzenschutzmaßnahme erst dann wirtschaftlich nötig, wenn die zu erwartenden Verluste durch den Schadorganismus größer sind als die Kosten der Bekämpfung. So gilt etwa für den Apfelblütenwickler, dass sich die Bekämpfung lohnt, sobald 0,5 bis eine Raupe auf 100 Blütenbüschel gefunden wird.
  4. Er wählt ein Verfahren aus, das gegen den Schadorganismus zum jeweiligen Zeitpunkt und unter den gegebenen Wetterbedingungen sicher, schnell, kostengünstig und umweltschonend wirkt.
  5. Bei allen Maßnahmen gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Im Klartext: Der Landwirt bemisst die Maßnahmen so, dass nach Möglichkeit keine erneute Bekämpfung erforderlich ist. Gleichzeitig sollte aber nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Das gilt insbesondere für den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel.  

Insbesondere die Punkte 4. und 5. stellen selbst erfahrene Pflanzenbauprofis manchmal vor echte Herausforderungen. Sie wägen daher in jedem Jahr erneut genau ab, was für die jeweiligen Varianten spricht. So können Unkräuter im Getreide mechanisch oder chemisch bekämpft werden. Oft genug ist das Wetter der unbekannte Faktor. Entwicklungen können nur über einige Tage im Voraus prognostiziert werden. Auch sonst ist nichts fix. Einige Pflanzenschutzmittel sind nicht mehr auf dem Markt verfügbar und werden durch andere ersetzt, Krankheitserreger werden resistent oder wandern im Zug des Klimawandels neu ein. Landwirte müssen sich zu solchen Entwicklungen stets auf dem Laufenden halten. Das Gespräch mit Berufskollegen, die Fachzeitschrift am Feierabend, die Weiterbildung im Winter und Vorort-Termine mit versierten Beratern während der Vegetationszeit – das alles hilft ihnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hilfestellung bieten mittlerweile auch über 40 Prognosemodelle, die online aufgerufen werden können. Anhand von Wetterdaten lassen sich hier das Auftreten der Schaderreger sowie Phasen mit hohem Befallsdruck berechnen.

 

Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck

Der Schutz und die Pflege von Pflanzen und Kulturen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Bei jeder Fahrt über den Acker setzt der Landwirt Zeit, Energie und Treibstoff ein, jedes Gramm Pflanzenschutzmittel und jeder Einsatz von Nützlingen kosten bares Geld. Der Landwirt sichert mit gezielten Maßnahmen den Ertrag und die Qualität seiner Pflanzen und damit die Existenz seines Unternehmens ab. Wenn er beim Pflanzenschutz am falschen Ende spart, kann das für ihn schnell zum Problem werden. Hat er etwa seinen Weizen nach allen Regeln der Kunst angebaut, aber zum Beispiel bei der Gelbrostbekämpfung geschludert, kann sein Ertrag um über 50 Prozent einbrechen. Auch die Backfähigkeit des Getreides geht damit verloren. Statt eines Gewinns fährt er dann einen dicken Verlust ein.

 

Was habe ich davon …

… wenn der Landwirt seine Kulturen schützt? Diese Frage ist angesichts unserer hervorragenden Versorgungssituation durchaus verständlich. Wir können im Supermarkt das ganze Jahr hindurch aus einer Vielzahl von hochwertigen, frischen Lebensmitteln wählen. Pflanzenschutz leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, denn Schädlinge und Krankheiten verursachen erhebliche Ertragseinbußen. Das kann sogar zu totalen Ernteausfällen führen. Und auch die innere und äußere Qualität sowie die Lagerfähigkeit der Lebensmittel können leiden. Getreide verpilzt, Äpfel sind voller Würmer, Salatblätter angefressen und Kartoffeln faulen. Sinkende Erträge ziehen außerdem höhere Preise nach sich. Problematisch auch: Ohne wirksamen Pflanzenschutz müsste mehr Fläche als bislang zur Versorgung der Bevölkerung unter den Pflug genommen werden. Und die steht weltweit einfach nicht zur Verfügung.