Einkaufen kann so schön sein – bei Dornseifers Frischemarkt zum Beispiel. Anstatt sich an dicht stehenden Regalen und vollen Einkaufswagen vorbei zu schlängeln, schwebt man hier regelrecht durch die breiten graugefliesten Gänge. Vorbei an der lächelnden Dame hinter der Frischfleischtheke, duftenden Backwaren, Körben voll formschönem Obst und einem Meer aus Blumen. Man begegnet Currywurst „to go“, veganen Proteinriegeln, Nussaufstrichen und glutenfreiem Brot. Mittendrin Vater und Sohn, die mehr verbindet als nur ihre DNA. Senior Friedhelm Dornseifer, den Erfahrung und Unternehmergeist prägen, und der Junior Peter Dornseifer, der aus Kindheitserinnerungen profitiert und Zukunftsdenken auszeichnet, haben eine gemeinsame Vision: den Menschen Freude durch den Genuss von frischen, hochwertigen und gesunden Lebensmitteln zu bereiten. Das setzen sie tagtäglich in ihrer gleichnamigen Unternehmensgruppe Dornseifer um. Mit 18 Supermärkten, 4 Produktionsstätten und insgesamt 1100 Mitarbeitern betreiben sie ein marktgewordenes Schlaraffenland, das keine Wünsche offen lassen soll – von niemandem.

Aussen
Der Eingangsbereich des Dornseifer Marktes in Gütersloh zeigt das Wappen der Stadt.
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Eine moderne Dachkonstruktion fängt den Blick nach oben.

Sie, als Vater und Sohn, betreiben Ihre eigene Supermarktkette. Die Leidenschaft für Lebensmittel ist ihnen dabei sichtlich anzumerken. Liegt das in der Familie?

Friedhelm Dornseifer: Ich war schon immer an Lebensmitteln interessiert. Meine Großeltern waren Landwirte und versorgten die umliegende Region mit Milch, Butter und Fleisch. Meine Eltern hatten dann einen Stubenladen, den ich mit 19, das war 1965, übernommen habe. Supermärkte, wie es sie heute gibt, gab es damals noch nicht. Die kamen erst gegen Ende der Sechziger Jahre.

Peter Dornseifer: Meine berufliche Geschichte begann in Köln. Dort habe ich in einem großen Unternehmen Einzelhandelskaufmann gelernt, was den Weg eigentlich schon vorzeichnete. Während der Lehre entdeckte ich neben dem Handel eine zusätzliche Leidenschaft: das Metzgerhandwerk. Also habe ich noch eine Metzgerlehre drangehängt, bevor ich schließlich in den Betrieb meines Vaters einstieg.
 

Supermärkte, wie es sie heute gibt, kamen erst gegen Ende der Sechziger Jahre!

Friedhelm Dornseifer
Vater_und_Sohn_vorne
Kommunikation ist alles: Friedhelm und Peter Dornseifer sind im Gespräch.
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Vater und Sohn leiten das Familienunternehmen bereits in der dritten Generation.

War der Einstieg des Sohnes zu erwarten?

Friedhelm Dornseifer: Natürlich wünschte ich mir insgeheim, die Söhne würden irgendwann mit einsteigen. Die Entscheidung habe ich ihnen aber selbst überlassen. Bei Peter ging das recht schnell, mein anderer Sohn, Jörg, kam erst später dazu.

Vater und Sohn
Peter Dornseifer leitet die Produktion der hauseigenen Lebensmittel und Fertiggerichte.

Wie konnte aus einem Tante-Emma-Laden eine erfolgreiche Supermarktkette werden?

Friedhelm Dornseifer: Der Stubenladen war erfolgreich. Es folgte schnell ein zweiter und dann ein dritter größerer Laden mit 140 qm Fläche. Für die Zeit unüblich, bauten wir eine Frischfleischabteilung. Damals lernte ich einen Metzger kennen, der mich davon überzeugte, selbst Fleisch und Wurst zu produzieren. Daran habe ich immer mehr Spaß gefunden. Heute haben wir zusätzlich eine eigene Bäckerei und stellen Fertigprodukte her. Die verkaufen wir nicht nur im eigenen Laden, sondern deutschlandweit.

Wenn man einen Dornseifer-Supermarkt betritt, bekommt man trotz des riesigen Sortiments das Gefühl, die Produkte seien sorgsam ausgewählt. Ist das Zufall?

Peter Dornseifer: Als Produktionsleiter interessiert mich in erster Linie die Qualität der Lebensmittel. Ich schaue mir die Produkte intensiv und auch aus Kundensicht an. Ich spreche mit Mitarbeitern darüber, wie die Lebensmittel in den Märkten ankommen. Unsere Mitarbeiter beobachten die Kunden vor Ort, sehen was sie kaufen, was sie nachfragen, nach was sie greifen. Lebensmittel sollten schon in den Regalen Appetit machen. Wir wollen schließlich Genuss verkaufen.

Friedhelm Dornseifer: Als Senior dieses Unternehmens sage ich gerne: „Den Erfolg unseres Unternehmens machen 70 % die Mitarbeiter, 15 % die Ware und 15 %, dass es sauber und ordentlich ist.“ Natürlich wollen wir qualitative Produkte anbieten, die frisch sind. Dafür tragen wir schließlich die Verantwortung. Doch das, was uns schlussendlich auszeichnet, sind unsere Mitarbeiter. Wenn der Kunde zu Dornseifer kommt, erwartet er in erster Linie freundliche Mitarbeiter, die Wissen vermitteln, Tipps für die Zubereitung geben können und sogar über Ernährung Bescheid wissen.

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Die Käsetheke bietet eine Auswahl diverser Sorten.
Frischetheke
Ein Blick durch die Regale der Frischeküche.
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Regionale Produkte anzubieten ist den Dornseifers ein Anliegen.
Molkereiprodukte
Die Molkereiprodukte im Frischemarkt sind über mehrere Kühlregale weiträumig sortiert.
Regale
Der Blick über die Regale zeigt eine strukturierte Anordnung.

Sie bieten viele Convenience-Produkte an, also Lebensmittel, die zum Teil oder sogar komplett als Mahlzeit verarbeitet werden. Wie hat sich die Nachfrage in dieser Hinsicht verändert?

Friedhelm Dornseifer: Die Nachfrage nach Convenience-Lebensmitteln steigt. Die Kunden wollen es bequem haben und werden gleichzeitig anspruchsvoller. Wir passen dementsprechend das Sortiment an, indem wir schnippeln, braten, backen und Lebensmittel länger haltbar machen. Daneben bekommen vegane und vegetarische Lebensmittel einen immer höheren Stellenwert. Und auch speziellen Kundenwünschen versuchen wir nachzugehen, indem wir etwa Allergene bedienen können, gluten- und laktosefreie Lebensmittel anbieten und gleichzeitig regionale Produkte verkaufen.

 

Regional liegt im Trend. Woran liegt es, dass Verbraucher immer mehr zu Regionalem greifen?

Friedhelm Dornseifer: Dinge aus der Region sind für den Menschen authentisch und nachvollziehbar. Sie können zu dem Landwirt hinfahren, dessen Rindfleisch sie gekauft haben. Sie können sich angucken, wie die Tiere gezüchtet werden und wie mit ihnen umgegangen wird. Am Ende schafft das hier in der Region sogar Arbeitsplätze. Das bringt eine gewisse Nähe zum Kunden, da es sein direktes Umfeld betrifft.

Peter Dornseifer
Peter Dornseifer prüft gern selbst die Anordnung der Produkte in der Frischetheke.
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Der gelernte Metzger Peter Dornseifer hat einen genauen Blick für die Auslage.

Wie bleiben Sie sich bei all dem Verändern und „Mit-dem-Trend-gehen“ treu?

Friedhelm Dornseifer: 1992 haben wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern eine Vision formuliert: „Wir bereiten Menschen Freude durch den Genuss von frischen, hochwertigen und gesunden Lebensmitteln.“ Das ist heute wichtiger denn je. Denn wir können stetig lernen und uns weiterentwickeln. Wenn unser Unternehmen eines ist, dann mit seinen Gedanken in der Zukunft.

 

Was passiert in dieser Zukunft?

Peter Dornseifer: Innovationen spielen seit jeher eine erfolgsführende Rolle in unserer Arbeit. Morgen sind wir vor andere Herausforderungen gestellt, als wir es gestern waren. So wird etwa unsere Gesellschaft gerade immer schneller. Das bietet uns die Chance, uns anzupassen und daraus ein Geschäft zu machen. Ein gutes Beispiel: große Wocheneinkäufe werden seltener. Stattdessen wird heute für den täglichen Bedarf eingekauft. Wenn ich an den Supermarkt der Zukunft denke, wird das Internet da mit Sicherheit eine große Rolle spielen. Mit Lieferungen auf Knopfdruck zum Beispiel. Die Entwicklung der Verbraucher ist für uns die Herausforderung, morgen besser zu sein. 

Friedhelm Dornseifer: Anders! Anders zu sein. Daran zu arbeiten, macht Spaß wie verrückt.

Fleisch
Reichhaltig und dennoch übersichtlich: die Fleischtheke des Dornseifers.
Wurst
Fachmännisch und kundennah agiert der Service an den Frischetheken.

Ein Supermarkt verbindet Endverbraucher und Produzenten bzw. Erzeuger. Welche Herausforderungen gibt es in der Verbindung zwischen Ihren Kunden und der Landwirtschaft? 

Peter Dornseifer: Aus meiner Sicht ist es wichtig, die Kluft zwischen dem, was der Kunde von Moderner Landwirtschaft erwartet, und dem, wie sie tatsächlich ist, zusammenzuführen. Dieser Gegensatz hat sich in den letzten 20 Jahren stark auseinander dividiert. Wenn wir wollen, dass die Menschen wirklich Vertrauen in die Lebensmittel haben, dann müssen wir ehrlich sagen, wie produziert wird. Die Leute denken ja immer noch, die Rinder stehen auf grünen irischen Wiesen. Aber das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

 

Wir sollten unseren Kunden das wirkliche Bild der Landwirtschaft zeigen und nicht das romantisierte.

Friedhelm Dornseifer

Was verbindet Ihren Supermarkt und die Moderne Landwirtschaft? Gibt es sogar Parallelen?

Peter Dornseifer: Jeder Unternehmer, ob Erzeuger oder Vermarkter, hat die Aufgabe, sich weiterzuentwickeln, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen und Lebensmittel sicherer, aber vor allen Dingen auch genussvoller zu machen. Das haben wir, genauso wie die Landwirtschaft, erkannt.

 

Gibt es Dinge, die sich nie ändern werden?

Peter Dornseifer: Jeder erinnert sich bestimmt noch daran, wie es war, als Kind beim Metzger eine Scheibe Fleischwurst zu probieren. Heute wie früher kaufen die Leute gerne Fleischwurst. Das hat sich nicht verändert und das wird es auch, glaube ich, in den nächsten Jahren nicht. Was sich verändert, ist die Angebotsform. Wurde früher noch ein großer Ring Fleischwurst gekauft, wird zukünftig lieber zu Scheiben aus dem Snackbecher gegriffen. Für mich gibt es jedenfalls nichts Schöneres, als morgens zusammen beim Frühstück zu sitzen und frische Fleischwurst aus dem Rauch auf dem Tisch zu haben.

Mitarbeiterin
Frisch verpackt und auf die gewünschte Menge reduziert mag der moderne Verbraucher seine Produkte.
Kunden
Roush Hour im Dornseifer: Geräumige Gänge zwischen den Regalen sorgen dafür, dass der Kunde schnell an sein Ziel kommt.