Frau Menrath, wenn man in Deutschland an Kühe denkt, fallen einem vor allem die schwarzbunten Holstein-Kühe ein. Gibt es nicht noch mehr Rinderrassen, die bei uns heimisch sind?

Ja, das stimmt. Es gibt mehr als 30 Rassen in Deutschland. Die von Ihnen genannten werden überwiegend in der Milchwirtschaft eingesetzt. Die Rassenvielfalt in der Mutterkuhhaltung ist allerdings wesentlich größer. 

 

Was versteht man unter Mutterkuhhaltung? 

Hier werden die Kälber zusammen mit der Mutter in Weidenhaltung großgezogen. Nach sechs bis acht Monaten werden sie abgesetzt – also quasi abgestillt. Dann wird entschieden, ob ein Kalb Mutterkuh oder Zuchtbulle wird oder ob es wegen seines Fleisches weiter großgezogen wird. 

 

Warum nehmen Fleischkühe insgesamt eine so untergeordnete Rolle in der Wahrnehmung der Verbraucher ein? 

Hier spielt die Überzahl der Milchkühe wohl eine entscheidende Rolle. In Deutschland gibt es immerhin rund vier Millionen Milchkühe, Fleischrinder dagegen nur 680.000. Dabei sind es vor allem die Fleischrinder, die man auf den Weiden sieht. Oft leben diese sogar ganzjährig im Freien. Unterstände schützen sie vor Wind und Kälte und sie können dort trocken liegen. Das ist eine sehr natürliche Haltung. 

 

Wie kann man Milch- von Fleischkühen unterscheiden? 

Jeder kann auch im Grunde erkennen, ob er eine Milch- oder Fleischkuh vor sich hat. Die einen sind auf Milchleistung gezüchtet, die anderen auf hohe Tageszunahmen, was ihr Gewicht angeht. Fleischkühe sind daher naturgemäß von deutlich kräftigerer Statur, haben breite Rücken, gute Keulen, gute Schultern etc. 

 

Welches sind die bei uns am meisten verbreiteten Fleischkuh-Rassen? 

Limousin-Kühe zum Beispiel sind weit verbreitet. Von den 61.000 in Deutschland registrierten Fleischrind-Zuchtbuchkühen gehören 10.500 dieser Rasse an. Etwa ebenso verbreitet sind Fleckviehkühe, die auf Fleischleistung gezüchtet wurden. Da diese Rasse von Natur aus viel Milch gibt, eignen Fleckviehkühe sich auch ganz hervorragend als Mütterkühe. Mit der Milchmenge, die sie produzieren, können sie ihre Kälber leicht großziehen. Es gibt  beim Fleckvieh daher eine Doppelnutzung als Milchkuh-Linien oder Fleisch-Fleckvieh. Als in Deutschland verbreitete Fleischkuh-Rassen wären ansonsten zum Beispiel noch die Charolais, das Deutsche Angusrind und die Galloways zu nennen. 

 

Warum ist es wichtig, diese Rassen zu erhalten? 

Die Mutterkühe der Fleischwirtschaft leisten eine Reihe wichtiger Dinge. So sind sie beispielsweise auf den Weiden Landschaftspflegerinnen. Sie beweiden häufig Flächen, die maschinell nicht zu pflegen wären, weil diese zu uneben oder zu reich strukturiert sind. Die Nutzung dieser Flächen als Weiden für Mutterkühe und ihre Kälber ist nachhaltig und trägt zur Artenvielfalt bei.  

 

Was kann der Verbraucher dazu beitragen? 

Einfach mal nachfragen, lautet meine Empfehlung. Viele Landwirte vermarkten das Fleisch ihrer Rinder auch direkt. So kann jeder Verbraucher sehen, wie die Kühe leben und das Fleisch auf dem Hof kaufen. Auch gute Metzger wissen häufig genau, von welchen Rassen das Fleisch in ihrer Theke stammt.