„Schmutzige Tiere in dunklen, verdreckten Ställen –  das hören wir immer wieder. Aber dieses Bild gehört schon lange der Vergangenheit an“, sagt Kathrin Seeger. „Unsere Schweine sind sauber, die Ställe ebenso, dazu hell, sehr gut belüftet und wohltemperiert.“ Und Peter Seeger ergänzt: „Unsere Schweine haben alles, was sie brauchen.“

Als Schweinehalter hat man immer viel zu tun. „Man muss von der EU-Agrarbürokratie über Schweineverladungen oder Futterzusammensetzungen alles drauf haben“, erklärt Peter Seeger. Für ihn und die gelernte Hotelfachfrau Kathrin Seeger ist das kein Problem: „Die äußeren Umstände machen es nicht immer leicht, aber ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als die Selbständigkeit in einem landwirtschaftlichen Beruf. Ich habe meinen Traumjob gefunden“, sagt sie, „und das bereits vor 18 Jahren.“ Im Januar 1998 lernten sich die beiden bei einem mehrwöchigen Kurs an der Landvolkshochschule Grainau der bayerischen Jungbauernschaft kennen. „Da hat es klick gemacht – und wir sind zusammengeblieben, haben im Jahr 2000 geheiratet und mittlerweile drei wunderbare Kinder“, erzählt Kathrin Seeger. Sie lacht und blickt zu ihrem Mann, der versonnen nickt. 

Man merkt es sofort: Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Ein Paar zu sein, ist in ihrem Beruf ein Vorteil: „Wenn man auf einer Wellenlänge liegt und die gleichen Ziele hat, ist das natürlich schön“, sagt Kathrin Seeger. „Mein Mann macht alles und ich helfe ihm. Ich bin halt viel im Büro, Stichwort: Rechnungswesen/Buchhaltung. Peter Seeger ist in der Tierhaltung der Chef. Ganz klar. Aber wir sprechen vieles gemeinsam ab und sind uns auch in der Richtung immer einig.“ Er ergänzt: „Aber es ist auch eine Herausforderung. Da ähneln sich Privatleben und Beruf.“

Blick nach oben: das Dach der Getreidehalle auf dem Hof Seeger.
Blick nach oben: das Dach der Getreidehalle auf dem Hof Seeger.

 

Mistgabel? Smartphone und ein Klasse-Team!

Und da sind dann wieder die Vorurteile: Der Schweinehalter in verdreckter Kleidung, die Mistgabel in der Hand. „Eine Mistgabel gibt es auf unserem Hof schon lange nicht mehr. Ihren Platz haben längst Computer und Smartphone eingenommen“, stellt Peter Seeger klar und erklärt: „50 Prozent des Arbeitstages sind Bürotätigkeit, 25 Prozent Arbeitsvorbereitung und Reparaturen, 25 Prozent Stallarbeit.“ Der Verwaltungsaufwand steige allerdings seit Jahren peu à peu. Gleichzeitig sei viel stupide Handarbeit durch einfache Maschinen ersetzt worden. So werde heute beispielsweise automatisiert gefüttert, erklärt Peter Seeger. „Die dadurch gewonnene Zeit kommt den Tieren zugute: Kontrolle, Beobachtung – das ist moderne Landwirtschaft. Mistgabeln und Mistkarren gehören der Vergangenheit an.“ 

Seine Frau pflichtet ihm bei: „Wir sind sauber bei der Arbeit. Wir tragen Gummistiefel und Overall oder Clogs und normale Arbeitskleidung. Wenn ich zwischen acht Stunden Einkauf in der Stadt oder acht Stunden Arbeit im Stall wählen müsste, würde ich ganz klar den Stall vorziehen – da fühle ich mich danach nicht so schmutzig.“ Sie lacht. 

Ein Blick in die Ställe festigt diesen Vergleich: Saubere Gummistiefel stehen am Eingang, Overalls hängen an Haken. Jeder Mitarbeiter hat seine eigene Arbeitskleidung und die bleibt auch immer im gleichen Stall. Die Tiere sind ruhig. „Angst vor uns haben die keine“, sagt Peter Seeger. „80 Prozent des Tagesablaufs eines Schweins bestehen aus Faulsein. Zehn Prozent sind Bewegung, die restlichen zehn Prozent Fressen“, fügt seine Frau hinzu. Es ist hell – durch Fenster und Lampen. Es stinkt nicht – auch ein Verdienst der sehr guten Lüftung. Und es ist hygienisch. „Unsere Ställe werden nach jedem Ausstallen der Tiere gereinigt und desinfiziert. In den Böden befinden sich Schlitze, damit Kot und Urin abfließen können. Tiere, die in ihrem eigenen Dreck liegen, der auch Krankheiten durch Parasiten und Keime auslösen kann, gibt es bei uns nicht“, unterstreicht die 42-Jährige und ergänzt: „Man setzt sich heute viel mehr mit den Tieren und deren Wohl auseinander. Der Service drumherum ist viel professioneller geworden: Ohne Handy geht nichts mehr.“ 

Peter Seeger bekräftigt das: „Technisch ist bei uns alles im Fluss: Lichtprogramm, Lüftung und Futtermühle sind via Zeitschaltuhr über das Smartphone regulierbar. Dazu haben wir viel Überwachungstechnik in den Ställen. Wenn die Fütterungsanlage nicht funktioniert, bekommen wir eine Meldung. Ebenso, wenn die Belüftung streikt. Auch wenn es zu kalt oder zu warm im Stall ist, werden wir informiert: per SMS oder häufiger per Anruf. So können wir schnell reagieren.“ 

„Wir“, das heißt dann entweder einer der Seegers oder ein Mitarbeiter aus dem Team, das derzeit acht Festangestellte, zwei Aushilfen und zwei Auszubildende umfasst. „Ein Team, auf das wir uns blind verlassen können. Das gehört heutzutage ebenfalls zur modernen Schweinehaltung dazu“, hebt Peter Seeger hervor.

Die Seegers haben dennoch eine 60- bis 70-Stunden-Woche. Durch ihr Team können sie sich allerdings genügend Zeit für die Familie und Außerberufliches freischaufeln: etwa für ihre ehrenamtliche Verbandsarbeit und gemeinsame Weiterbildungen. Peter Seeger ist zudem in der Gemeinde politisch aktiv und im Schweinearbeitskreis der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

 

Schweinehalter aus und mit Leidenschaft

Auch der Aufbau von Kontakten  zur nächsten Generation ist den beiden wichtig.  Etwa durch Kita-Besuche auf dem Hof: „ Die Kinder erleben Schweinehaltung, wie sie heute ist. Alles was ich mit eigenen Augen sehe, beurteile ich anders“, erklärt Kathrin Seeger das Angebot. „Wir nehmen uns Zeit für jeden, der anfragt, zeigen ihm den Hof und die Ställe und erklären ihm, warum wir was wie machen. Wir sind Schweinehalter aus und mit Leidenschaft. Fortbilden, rauskommen, den Horizont erweitern – das hat einen extrem hohen Stellenwert für uns.“ 

So ist die Schweinehalterin viel unterwegs und hält Vorträge. „Ein offener Diskurs über das Thema moderne Landwirtschaft und Schweinehaltung ist uns beiden sehr wichtig. Ich gehe deshalb auf Menschen zu, diskutiere mit ihnen über das Für und Wider, versuche Vorurteile abzubauen“, erklärt sie. „Facebook ist dabei essenziell und wie ein digitales Tagebuch.“ Die Möglichkeit, sich und seine Arbeit transparent zu präsentieren, eine positive Eigendarstellung zu betreiben, vernachlässigen viele Landwirte nach Kathrin Seegers Ansicht immer noch. Dabei spiele dies in der heutigen vernetzten Welt eine sehr wichtige Rolle. „Bei meinen Facebook-Schulungen versuche ich, Kollegen dazu zu motivieren, es uns gleich zu tun und sich Veränderungen nicht zu verschließen“, sagt sie.

„Kathrins kommunikative Ader kommt ihr dabei entgegen und hilft uns natürlich auch“, wirft Peter Seeger ein. Und diese Eigenschaft schätzt er an seiner Partnerin, genauso wie ihren Enthusiasmus und ihre Begeisterungsfähigkeit. „Dass sie dazu noch gut kochen kann – umso besser.“ Ein Schmunzeln in Richtung seiner Frau kann sich Peter Seeger dabei nicht verkneifen. Sie selbst lacht: „Peter ist eher der Ruhige von uns, der Gelassene. Auch das muss sein. Und er nimmt mich, wie ich bin. Aber was uns eint, ist die Neugier. Wir stehen mit beiden Beinen im Leben, sind aber immer offen für Neues. Nur so lernt man, mit einem anderen Blickwinkel auf den eigenen Betrieb zu schauen.“ Und Vorurteile lassen sich prima abbauen.

Kathrin Seeger
Kathrin Seeger stellt jeden Futterautomaten individuell ein, um Futterverschwendung zu vermeiden. Die tägliche Justierung ist Millimeterarbeit.