Forum Moderne Landwirtschaft
11. Juli 2017

Derenburg am Harz (Sachsen-Anhalt) neue „Eh da“-Pionierregion

  • Kommune, Landwirtschaft und Wissenschaft mit gemeinsamem Aktionsplan
  • Teil der bundesweiten Initiative „Eh da-Flächen für mehr Artenvielfalt“
  • Christina Moj, Ortsbürgermeisterin von Derenburg: „Eh da attraktive Möglichkeit, für den Artenschutz aktiv zu werden.“
     

Berlin/Derenburg. Wildbienen haben eine wichtige Funktion im Ökosystem – gleichwohl sind zahlreiche Arten bedroht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Derenburg im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) setzt ein starkes Zeichen für den Erhalt von Wildbienen und anderen Bestäuber-insekten. Als Pionierregion beteiligt es sich an der Initiative „Eh da-Flächen für mehr Artenvielfalt“ des FORUM. Nach zweijährigen vorbereitenden Maßnahmen startet nun die konkrete Umsetzung.
 

Gemeinde, Landwirtschaft (Gut Derenburg) und Wissenschaft haben in Kooperation mit dem FORUM einen gemeinsamen Aktions- und Maßnahmenplan entwickelt, um für Wildbienen in Derenburg neue, kombinierte Lebensräume zu schaffen: Die Kommune wertet Flächen ökologisch auf, die „eh da“ sind, also zum Beispiel Straßenböschungen, Wegraine und Bahndämme. Sie vernetzt sich dabei klug und effektiv mit Gut Derenburg, wo Landwirt Klaus Münchhoff für blühende Ackerrandstreifen und andere nützliche Strukturen sorgt. Davon profitieren auch andere Be­stäuberinsekten und Kleintiere.

Der Aktionsplan wird bereits seit 2014 mit einzelnen Maßnahmen vorbereitet, erste Erfolge sind inzwischen erkennbar. Im Zuge eines Monitorings in Derenburg wurden jüngst 82 Wildbienenarten nachgewiesen – davon sieben von der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Heute wurde das Eh-da-Projekt in Derenburg im Rahmen einer Exkursion vorgestellt. Christina Moj, Ortsbürgermeisterin von Derenburg, dankte dem FORUM, dass es Derenburg in das Programm aufgenommen hat. „Dadurch erhalten wir die sehr attraktive Möglichkeit, mit der fachlichen Unterstützung und mit Einblicken in den Erfahrungsschatz des Eh da-Teams in Derenburg für den Artenschutz aktiv zu werden. Wir möchten unsere Bürger einladen, sich an unseren Aktivitäten zu beteiligen.“

Klaus Münchhoff, Betriebsleiter von Gut Derenburg, betonte vor allem den praktischen Nutzen des Projekts: „Landwirtschaft und Naturhaushalt gehören zusammen. Keiner kann ohne den anderen. Nachhaltige Bewirtschaftung ist Voraussetzung für weiterhin gute und gesunde Lebensmittel in ausreichendem Maße.“

Für den Berliner Wildbienenexperten Dr. Christian Schmid-Egger sind Initiativen wie in Derenburg von großer Bedeutung, da zahlreiche Wildbienen-Arten vom Aussterben bedroht seien: „Um diesen Trend umzukehren, benötigen wir schnell wirkende Förder- und Schutzmaßnahmen. Eh da-Flächen bieten dafür ein sehr bedeutendes Entwicklungspotenzial. Sie sind überall vorhanden und können durch einfache Maßnahmen schnell in geeignete Biotope umgewandelt werden.“

Die Initiative „Eh da-Flächen für mehr Artenvielfalt“ ist in den zurückliegenden Monaten erheblich gewachsen: So wie Derenburg schließen sich ihr immer mehr Kommunen an. Projektleiterin Kerstin Krohn vom FORUM: „Es freut mich, dass in Derenburg Kommune und Landwirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Das ist das Erfolgsrezept von ‚Eh da‘. Artenvielfalt geht uns alle etwas an und nur im Schulterschluss können wir eine Verbesserung der Situation für die Wildbienen erreichen. ‚Eh da-Projekte‘ gibt es mittlerweile in ganz Deutschland – das ist eine starke Entwicklung.“
 


ArGIS Karte Derenburg

Karte (Geografisches Informationssystem) von Derenburg mit Überblick über die Eh da-Maßnahmen. Quelle: IfA/RLP AgroScience


Erläuterung Bild-Motive:

ArcGIS Karte Derenburg
Karte (Geografisches Informationssystem) von Derenburg mit Überblick über die Eh da-Maßnahmen. Quelle: IfA/RLP AgroScience


Station 1 – Blühflächen im Gemeindebereich 
An zwei Stellen innerhalb der Gemeinde Derenburg wurden im Frühling 2017 mehrjährige Blühmischungen ausgesät, die für Wildbienen optimiert sind. Die Blühmischungen erreichen ihre volle Leistungskraft oftmals erst ab dem zweiten Jahr, weil viele Pflanzenarten im ersten Jahr eine Etablierungsphase durchlaufen müssen. 


Station 2 – Artenreiche Wildkräuterböschung 
Entlang eines ehemaligen Bahndamms werden artenreiche Wildkräuterböschungen gefördert. Diese etablieren sich vor allem auf mageren Böden und an Stellen, die frei von Stickstoffeintrag aus den umliegenden Äckern sind. Die Böschungen waren bereits vorhanden und werden durch entsprechende Pflege aufgewertet. 


Station 3 – Steilwände in einer Böschung 
In einer Böschung wurden 2015 verschiedene Steilwände mit offenen Bodenstellen angelegt. Die Flächen wurden im Frühjahr 2017 teilweise erweitert. 


Station 4 – Blühstreifen in der offenen Landschaft 
Entlang der Wegränder wurden 2015 verschiedene Blühstreifen angelegt, die aus artenreichen Wildkräutermischungen bestehen. Dabei wird Regiosaatgut verwendet, welches in der entsprechenden Region gezüchtet wird. Die Blühstreifen werden zu unterschiedlichen Zeiten gemäht, damit die Bienen auch nach einer Mahd noch Blüten vorfinden.
 

Frühlings-Pelzbiene Anthophora plumipes
Die Frühjahrs-Pelzbiene, hier ein Männchen, ist eine typische Besiedlerin von offenen Erdabbrüchen und Böschungen. Sie war eine der ersten Arten, die die neu angelegten Steilwände in Derenburg besiedelt hat.

 

Über die Initiative „Eh da-Flächen für mehr Artenvielfalt“
Um die Vielfalt der heimischen Flora und Fauna in unseren Agrarräumen erhalten zu können, fehlt es häufig an geeigneten Lebensräumen. Als Initiator des sogenannten „Eh da-Projekts“ unterstützt das Forum Moderne Landwirtschaft e.V. im Rahmen seiner Initiative „Innovation & Naturhaushalt“ deshalb die Erfassung und ökologische Aufwertung von Eh da-Flächen in Deutschland.
Mehr Infos: http://eh-da-flaechen.moderne-landwirtschaft.de


Über das Forum Moderne Landwirtschaft e.V. (FORUM)
Im FORUM haben sich Verbände, Organisationen und Unternehmen der Agrarbranche, der vor- und nachgelagerten Bereiche sowie Landwirte zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, über die moderne Landwirtschaft zu informieren und den Dialog zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zu stärken. Diese Aktivitäten finden unter dem Dach der Marke „Unser aller Wissen. Die Moderne Landwirtschaft.“ statt.

 

Kontakt:
Forum Moderne Landwirtschaft e.V.
Dr. Hans-Christian Mennenga
Pressesprecher
Tel.: 030 814 5555 60
E-Mail: hc.mennenga@moderne-landwirtschaft.de
www.moderne-landwirtschaft.de