Längst sind die Blätter von den Bäumen gefallen. Frost glitzert auf den blanken Ästen. Es ist kalt und kahl. Angesichts dieser Tristesse könnte man fast meinen, die Natur schliefe, würde sich vom Sommer erholen. Keine blühenden Wiesen, kein Vogelzwitschern. Keine Honigbienen. Oder?

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Nach dem schönen Sommer mit seiner reichen Tracht ist es für viele Bienen an der Zeit, einzuwintern. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Auch wenn man die gelb-schwarzen Insekten nicht herumschwirren sieht, Blüten bestäubend, Pollen und Nektar sammelnd – von Schlaf im Bienenstock kann keine Rede sein. Allerdings hat das Bienenvolk sich jetzt deutlich verkleinert, ist zur reinen Frauengesellschaft geworden. Statt aus 60 000 Insekten besteht es gerade noch aus 15000 Winterbienen, denn die Honigbienen aus dem Sommer hat es dahingerafft. Und auch die männlichen Vertreter, die Drohnen, sind überflüssig geworden. Ihre Lebensaufgabe, die Königin zu befruchten, haben sie bereits im Sommer verrichtet. Diejenigen, die dabei nicht verschieden sind, ereilt dieses Schicksal spätestens im Herbst. Dann nämlich findet die alljährliche Drohnenschlacht statt. Mit Kriegsführung 2.0 hat diese rein gar nichts zu tun. Und auch ein mittelalterliches „Mann gegen Mann“ sieht die Natur hier nicht vor. Vielmehr machen die Bienenfrauen mit den Bienenmännern kurzen Prozess. Drohnen würden ohnehin nur Platz und Futter wegnehmen, und zum Turteln ist ja bekanntlich der Frühling da. Logische Konsequenz: Die Drohnen werden von den Weibchen aus dem Staat gejagt.

 

Bienen mögen es im Winter kuschelig

Sinken die Temperaturen unter zwölf Grad Celsius, legen die im Stock verbliebenen Tiere eine Art Pinguinprinzip an den Tag. Sie drängen sich dicht aneinander und bilden die sogenannte Wintertraube. Das ist, als würden sie kuscheln. Zur Außenseite des Bienenstocks hin, wo es am kältesten ist, siedeln sich die Arbeiterbienen am dichtesten an. In tadellosem Teamwork werden immer wieder abgekühlte Bienen aus den Außenbereichen von aufgewärmten aus dem Inneren des Bienenstocks abgelöst und gefüttert. Mittendrin thront die Königin und hat es mollig warm. Karibische 35 Grad Celsius bescheren ihr die Arbeiterinnen durch Stoffwechsel und Muskelvibration. Obendrein verflüssigt sich durch die Erwärmung der Honig oder das Zuckersirup in den umliegenden Waben. Die Bienen können ihn so leichter über ihren Saugrüssel in die Honigblase aufnehmen, mit der sie den Honig transportieren. Laut der HoneyBee Online Studies (HOBOS) der Universität Würzburg heizen Bienen im Zyklus. Der Wärme- und Futtervorrat im Stock reicht für etwa vier bis fünf Tage. Dann muss wieder nachgeheizt werden. Ein wahrhaft wirtschaftliches Prinzip, wenn man bedenkt, wie energieintensiv das Heizen ist. Dabei verhalten sich Bienen nicht nur ökonomisch, sondern sind auch reinlich. Erreicht die Außentemperatur zweistellige Werte, können sie den Stock verlassen und ihre Kotblase entleeren. Sie gehen auf Reinigungsflug. Der ist nötig, damit der Stock nicht verunreinigt wird. Würden diese Flüge unterbleiben, könnte das ganze Völker zur Strecke bringen. Wie kritisch ein langer Winter für die Bienen werden kann, wird so deutlich. Von den knappen Vorräten mal ganz abgesehen.

 

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Auch im Winter schaut der Imker regelmäßig nach seinen Bienen. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

In gesunden wie in schlechten Tagen: Der Imker kümmert sich um seine Bienen

Zum Glück für die Honigbienen gibt es jemanden, der sich um sie kümmert: Der Imker ist eine Art König der Bienen. Einer, der sein Volk rund um die Uhr im Blick hat. Ein Oberhaupt, das verstanden hat, dass das Volk sein Kapital und dessen Wohlergehen seine Existenz bedeutet.

Regelmäßig geht der Imker zu seinem Stock und sieht den Bienen bei ihren Reinigungsflügen zu. Er wird dabei nicht von Sehnsucht getrieben, sondern prüft den Zustand seines Bienenvolks. Bei Bedarf füttert er zu, in der Regel greift er dabei zu Zuckersirup. Am Bienenkasten checkt er die Bodeneinlage und den Ausgang, das Flugbrett. Hier liegt der sogenannte „Gemüllauswurf“: Hier finden sich Zuckerkristalle, tote Bienen und Wachsdeckel, die zum Verschließen der Honigwaben dienten. Für den Imker sind sie wichtige Parameter, um etwas über den Gesundheitszustand und die Größe seines Bienenvolks zu erfahren.

Im schlimmsten Fall sind die Bienen krank. Meistens ist es die Varroamilbe, die Ärger macht. Sie vermehrt sich in der Brut der Bienen, um sich später an deren Blut zu laben. Dabei werden Viren übertragen. Befallene Bienen werden ausgezehrt und sterben früher. Einige verirren sich auch und finden nicht mehr zum Stock zurück. Um die blutsaugende Milbe erfolgreich zu bekämpfen, setzt der Imker beispielsweise Oxal- oder Ameisensäure ein. Neben weiteren Eingriffen, wie etwa Reparaturarbeiten, lässt er das Bienenvolk jedoch in Ruhe. Den Kasten des Bienenstocks hält er dabei stets geschlossen. Alles andere würde für die Bienen Stress bedeuten und ihr Gleichgewicht stören.

 

Süßes und Duftendes für den Menschen

Zurück in der warmen Stube wartet bereits der nächste Tagesordnungspunkt auf den Imker: Der Honig muss verarbeitet und an den Mann bzw. die Frau gebracht werden. Schließlich wollen Tees gesüßt, gebratene Enten glasiert und unzählige Honigplätzchen gebacken werden. Auch in den Wohnungen der Menschen steigt der Gemütlichkeitsfaktor und mit ihm der Kerzenverbrauch. Dafür hat der Imker ebenso eine Lösung parat: Bienenwachskerzen, die ihren Honigduft durch die Räume tragen und uns den Winter wohlig machen. Das Pinguinprinzip greift nämlich nicht nur bei Bienen.