Wouter Katier steht in Gummistiefeln und Blaumann im Hühnerstall. Um ihn herum gackern Tausende Legehennen. Fast könnte man denken, es wären seine – wenn das feine Hemd nicht hinter dem Reißverschluss hervorlugen würde. Wouter Katier, der bei der Genossenschaft Raiffeisen Ems-Vechte arbeitet, ist heute im Stall von Landwirt Johannes Spellbring und berät ihn bei der Fütterung seiner Hennen.

Der 38-jährige Niederländer greift sich eine der braunen Hennen – mit Vorsicht und doch bestimmt. Das Gackern um ihn herum wird nicht lauter, Wouter Katier strahlt eine Ruhe aus, die auch die Tiere spüren. „Der Kamm sollte kräftig rot sein und das Federkleid ebenmäßig“, sagt er. Er weist darauf hin, dass die Füße und der Schnabel bei einem gesunden Tier gelblich, der Hals gut beweglich und nicht gerötet sein sollten. „Daran sieht man, dass sie richtig ernährt und gesund sind.“ Als Berater fährt Wouter Katier regelmäßig zu seinen Kunden. Er entwickelt gemeinsam mit den Landwirten eine passende Fütterungsstrategie. Dabei achtet er immer ganz genau darauf, welche Bedürfnisse die Legehennen haben. 
 

285 Eier in einem Jahr

Der Niederländer wuchs mit der Landwirtschaft auf. Seine Familie hatte einen Mastbullenbetrieb, doch den jungen Wouter Katier trieb es meist zu den Nachbarn. „Die hatten einen Geflügelhof, dort bin ich praktisch in den Sektor hineingewachsen“, erzählt er heute. Es sei ein schneller Markt, denn eine Legeperiode dauere nur anderthalb Jahre. Dabei legt eine einzelne Henne jährlich etwa 285 Eier. 

„Die Branche hat mich schon immer fasziniert. Mit jeder Legeperiode entwickelt sie sich weiter und wird so immer fortschrittlicher“, sagt Wouter Katier. „Über das Futter können wir viel zu gesunden Tieren und damit zu zufriedenen Landwirten beitragen!“
 

Immer höhere Standards

Im Werk der Raiffeisen Ems-Vechte wird je nach Bedarf des Tieres ein individuelles Futter produziert. Für Legehennen wie auch andere Tiere kommen die Rohwaren von regionalen Bauern, aber auch aus dem Ausland – beispielsweise vom direkten Nachbarn, den Niederlanden. Per Lkw oder Schiff gelangen Sonnenblumenkerne und andere Zutaten wie Soja direkt in das Werk. 

„Wir haben bei jeder Lieferung und nach jedem Produktionsschritt die Qualitätsanalyse im Blick“, sagt Wouter Katier und verweist auf die hohen Standards für die Qualität von Rohstoffen, die hierzulande gelten. In Deutschland gibt es dafür behördliche und wirtschaftseigene Qualitätsmanagementsysteme, wie beispielsweise QS Qualität und Sicherheit oder KAT für die Rückverfolgung und Herkunftssicherung von Eiern.
Darüber hinaus lässt sich beim Kauf der Eier zum Beispiel an der grünen Raute auf dem Eierkarton erkennen, dass das Futter, das bei den Legehennen zum Einsatz kam, gentechnisch nicht verändert worden ist.
 

Gepresst, vermengt, eingetütet

Nach der ersten Analyse der Rohstoffe geht es dann los: „Zuerst quetschen wir die Futterbestandteile zwischen zwei Walzen, wir zerkleinern sie damit. So kann man sicher sein, dass wirklich jeder Inhaltsstoff am Ende gleichmäßig enthalten ist und damit die Nährstoffversorgung gelingt“, sagt Wouter Katier. „Für jede Tierart gibt es eine unterschiedliche Rezeptur.“ 

Ein Bestandteil im Legehennenfutter ist Mais. Der sorgt zum einen für ein schönes orangegelbes Eidotter. Zum anderen dient er wie Soja und Raps als Energiequelle. Auch Weizen, Vitamine und Spurenelemente gehören dazu. Und für eine stabile Eierschale ist Calcium enthalten. Wenn Wouter Katier Futter für einen Bio-Betrieb produziert, ist die Zusammensetzung an sich gleich – lediglich die Rohwaren wurden nach den Vorgaben der jeweiligen Ökoverbände angebaut.

Die Futtermittel werden im Herstellungsprozess zu drei Größen verarbeitet, die an das Fressverhalten der Legehennen angepasst sind: von fein gemahlenem Mehl über Krümelfutter bis hin zu verschieden großen Pellets. Danach wird das Mischfutter lose oder verpackt verladen und mit der hauseigenen Spedition ausgeliefert. 

Die Legehennen von Landwirt Johannes Spellbring bekommen das feine Mischfutter. Auch da müssen die einzelnen Partikel eine gleichmäßige Größe haben, damit die Tiere sich nichts herauspicken und auch wirklich alle Nährwerte aufnehmen können. „Nur so kann man sicher sein, dass das Tier alles hat, um gesund und leistungsstark zu sein“, so Wouter Katier.
 

Zurück zum Ursprung

Bei seinen Besuchen auf den Landwirtschaftsbetrieben schaut sich der Futtermittel-Experte nicht nur die Tiere, sondern auch die Eier ganz genau an. „Ob es braun oder weiß ist, hängt von der Genetik des Huhnes ab“, sagt er. Bei Johannes Spellbring gibt es nur die braune Variante. Wouter Katier nimmt behutsam ein Ei in die Hand und lächelt zufrieden. Er ist gerne auf den Höfen, mitten im landwirtschaftlichen Alltag, den er mit seiner Erfahrung und seinem Wissen über Futtermittel ein kleines Stückchen weiterentwickelt. Und er weiß: „Ich habe in den vergangenen 15 Jahren Berufsalltag einen guten Platz für mich gefunden.“ 

Und ganz privat? Auch da ist die Landwirtschaft nicht fern. Nach dem gekochten Ei beim Sonntagsfrühstück schlüpft er wieder in die Gummistiefel. Und dann geht er in den Stall seiner Familie und packt mit an.