Bienen summen und schwirren zwischen den duftenden Blüten umher, dazwischen flattern Zitronenfalter und Tagpfauenaugen. Auch zahlreiche Wolfsspinnen und verschiedene Laufkäferarten geben sich hier ein Stelldichein. Kurzum: Auf dem etwa zwei Meter breiten Blühstreifen, der beidseitig entlang eines Feldwegs auf dem Grund von Landwirt Klaus Merkel verläuft, herrscht an diesem sonnigen Frühlingstag reges Treiben. Dabei ist dieses kleine Insektenparadies nicht einfach so von allein entstanden. Es wurde vielmehr als „Eh da“-Fläche bewusst angelegt. Eh da – wie „eh schon da“ – steht für die Bepflanzung bislang ungenutzter Bodenflächen mit der Zielsetzung, hier wieder eine stabile Artenvielfalt zu entwickeln.

 

Es geht darum, Lebensräume für Nutzinsekten zu schaffen

„Nützlinge wie Schlupfwespen oder Marienkäfer fressen Pflanzenschädlinge im Bestand und unterstützen uns dabei, Insektizide einzusparen“, freut sich Klaus Merkel. Der Landwirt ist Betriebsleiter des Guts Mariaburghausen bei Haßfurt in Unterfranken, wie vor ihm schon mehrere Generationen seiner Familie. Heute werden unter Merkels Leitung auf 286 Hektar Gesamtnutzfläche unter anderem Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut und große Flächen auch zur Saatgetreidevermehrung von Weizen, Gerste, Roggen und Hafer genutzt.

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Eh da-Flächen fördern die Artenvielfalt: Auch Wildbienen vermehren sich – und bestäuben sowohl wilde Blüten als auch Nutzpflanzen auf Feld und Acker. © Forum Moderne Landwirtschaft

 

Bei der Bewirtschaftung des Guts verlässt Klaus Merkel öfter gewohnte Pfade. Gern probiert er Neues aus – so wie mit den Eh da-Flächen. „Es geht mir darum, Lebensräume für die Nützlinge zu schaffen, ihnen auf meinem Land Rückzugsmöglichkeiten anzubieten, in denen sie sich ungestört vermehren können“, erläutert Klaus Merkel. Und so finden sich auf den Blühstreifen am Rande des Feldwegs nicht nur Gräser und Blumen, sondern auch Altholz und Steinhaufen, die den Nützlingen als Insektenhotel dienen. Streifen im Boden, die mit einer Fräse offen gehalten werden, bieten Nutzinsekten zusätzlichen Wohnraum. Hiervon profitieren auch viele Wildbienenarten, die hier gern nisten und wilde Blüten ebenso wie manche Nutzpflanzen auf den angrenzenden Äckern bestäuben, beispielsweise Raps.

Die Bodenbearbeitung von Eh da-Streifen bedeutet für Klaus Merkel zusätzlichen Aufwand, ebenso wie die Aussaat der Blühstreifen. Doch für den Landwirt hat sich der Einsatz bereits gelohnt. Schon nach ein paar Monaten haben sich auf wenigen Quadratmetern blühender Seitenstreifen viele Insekten angesiedelt, die seinen Äckern nutzen: „Wir finden in der Nähe der Blühstreifen inzwischen wieder vermehrt Nützlinge wie Wolfsspinnen oder Schwebfliegen, die zum Beispiel beide gute Blattlausvernichter sind“, berichtet Klaus Merkel und ergänzt: „Der Aufwand für uns Landwirte ist dabei gar nicht so groß. Man braucht vergleichsweise wenig Bodenfläche, um darauf einen Nützlingsbestand aufzubauen, der Schädlinge deutlich reduzieren kann.“

 

Drei-Stufen-Konzept zur Erhaltung der Artenvielfalt

Auch die Stadt Haßfurt am gegenüberliegenden Mainufer engagiert sich in Sachen Eh-da-Flächen und wertet mehr als 40 Gemeindeflächen ökologisch so auf, dass sich hier wieder mehr Artenvielfalt entwickeln kann. Das freut Klaus Merkel. Denn die Landwirte werden vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen, im Rahmen des Greenings fünf Prozent ihrer Flächen ökologisch aufzuwerten. „Zu wissen, dass die Gemeinde Haßfurt sich ganz und gar freiwillig in der gleichen Sache engagiert, ist wichtig für meine Kollegen und mich.“

Ab diesem Jahr will Klaus Merkel das Eh da-Projekt auf seinen Flächen noch erweitern. Sein Konzept fußt dabei auf drei Bausteinen: Neben weiteren Eh-da-Blühstreifen am Rande seiner Felder will er im Rahmen des Greening-Programms gezielt auch blühende Gewässerrandstreifen anlegen. Der dritte Baustein ist der Anbau von Zwischenfrüchten wie der Phacelia oder Buchweizen auf den Nutzflächen. „Diese sogenannte Grüne Brücke zu erhalten, ist enorm wichtig. Man fördert durch den Zwischenfruchtanbau mit geeigneten Pflanzen das Bodenleben, reduziert den Schädlingsbefall und das Auftreten von Pflanzenkrankheiten deutlich“, weiß Klaus Merkel. Dass sich Wildpflanzen über die Eh-da-Flächen als Unkraut zwischen den Nutzpflanzen breitmachen, verhindert der Landwirt durch eine zu Boden und Bepflanzung passende Saatgut-Mischung. Bei der Auswahl unterstützte ihn ein externer Berater.

Noch ist der natürliche Pflanzenschutz auf seinem Grund für Klaus Merkel ein Experiment – aber er verspricht sich viel davon. „Eine intakte Agrarlandschaft schafft eine hohe Artenvielfalt. Und diese wiederum könnte uns Landwirten dabei helfen, im Pflanzenschutz künftig wieder mit weniger Chemie auszukommen. Neben blühenden Ackerrandstreifen fördern Zwischenfrüchte auf der Fläche diese Vielfalt“, sagt Klaus Merkel. Geht alles nach Plan, wird künftig noch viel mehr munteres Insektentreiben auf dem Gut Mariaburghausen zu beobachten sein.