Herr Portner, welche Rolle spielt Hopfen beim Bierbrauen?

Eine sehr große. Hopfen enthält mehr als 400 ätherische Öle und verleiht dem Bier sein Aroma. Zudem ist Hopfen ein Konservierungsstoff. Er macht das Bier auf natürliche Weise haltbar. Verantwortlich hierfür sind Bitterstoffe, die sogenannten Alphasäuren. Diese haben eine antibakterielle Wirkung und geben dem Bier zudem seine bittere Note.

 

Der Hopfen verleiht dem Bier also seinen speziellen Charakter? 

Ganz genau. Mit einem Anteil von über 20 Prozent an Alphasäuren ist allerdings das Ende der Fahnenstange bei der Hopfenzüchtung fast erreicht. Anders verhält es sich beim Aromahopfen. Die rund 400 ätherischen Öle ermöglichen noch einige neue Kreationen. Zunehmend an Bedeutung gewonnen haben in den vergangenen Jahren die sogenannten Flavor-Hopfen. Sie geben vor allem Craft Beer den Geschmack, es kann dann fruchtig nach Brombeer-, Cassis oder auch Zitrus schmecken.

Was sichert eine hohe Erntequalität?

Hopfen ist eine sehr empfindliche Kultur. Durch den Befall mit Schadorganismen kann es zu einem kompletten Ernteausfall kommen. Deshalb ist Pflanzenschutz im Hopfenanbau unerlässlich. Er trägt dazu bei, dass wir die Qualität des Hopfens erhalten und die Ernteerträge sichern.

 

Welches sind denn die Hauptkrankheiten, die dem Hopfen zusetzen?

Bedeutende Schaderreger sind Pilze. Am bekanntesten ist die Peronosporakrankheit, der Falsche Mehltau. Aber auch der Echte Mehltau kann beispielsweise nicht nur zu Ernteausfällen führen, sondern auch den Geschmack des Hopfens und damit des Biers verändern. Darüber hinaus macht dem Hopfen in den vergangenen Jahren verstärkt ein Bodenpilz mit dem Namen Verticillium zu schaffen. Dabei handelt es sich um eine Welke-Krankheit, die einzelne Triebe oder die komplette Hopfenpflanze zum Absterben bringen kann. Bei den tierischen Schädlingen wirken sich insbesondere die Hopfen-Blattlaus und die Gemeine Spinnmilbe negativ auf die Pflanzen aus. Sie können hohe Ertragsausfälle verursachen.

 

Wie reagiert die Züchtung darauf?

Ein Hauptziel der Züchtungsforschung ist es, die Widerstandsfähigkeit der Hopfenpflanze gegen Krankheiten zu verbessern. Die Sämlinge in der klassischen Kreuzungszüchtung durchlaufen dabei ein intensives Screening, bei dem sie mit Krankheiten beimpft werden. Nur die widerstandsfähigsten werden weiter kultiviert. Man schaut also darauf, dass krankheitstolerante Sorten gezüchtet werden. Von der ersten Kreuzung bis zur fertigen neuen Hopfensorte, die sich dann erst noch im Brauprozess bewähren muss, können zehn bis zwölf Jahre vergehen. Ein Zahlenbeispiel dazu: Aus jährlich 100 Kreuzungen entstehen etwa 100.000 Sämlinge. Mit etwas Glück verbleibt daraus ein vielversprechender Zuchtstamm, aus dem vielleicht eine neue Sorte wird.

 

Hopfen wird beispielsweise in China, den USA und Südafrika angebaut. Das größte zusammenhängende Anbaugebiet ist aber die Hallertau in Bayern. Sind die Bedingungen dort besonders günstig?

Noch ist die Hallertau mit etwa 15.500 Hektar das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, das stimmt. Hauptkonkurrent ist die USA, hier insbesondere das Yakima-Tal im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Dort wird in einem Wüstental mit künstlicher Bewässerung Hopfen angebaut. Dass Deutschland heute eine solch herausragende Stellung einnimmt, liegt daran, dass der Hopfen im Mittelalter dort angebaut wurde, wo das Bier gebraut wurde. Damals wurde der Anbau vor allem von Stadtbürgern als gärtnerische Kultur oder in Klöstern betrieben. Später, um 1850 etwa, fand der Hopfenanbau seinen Weg in die Landwirtschaft und konzentrierte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten in der Hallertau. Entscheidend für den Anbau ist weniger der Boden als vielmehr der Niederschlag – denn Hopfen braucht reichlich Wasser. In der Hallertau regnet es sehr viel. Hinzu kommt, dass um 1929 mit dem Hopfenherkunftsgesetz die Anbaugebiete in Deutschland festgeschrieben und definiert wurden. Und die lagen eben in der Hallertau.