Forum Moderne Landwirtschaft
13. Oktober 2017

„Berliner Abend“ über neue Züchtungstechnologien

Berlin. Welche Chancen stecken in den neuen Züchtungstechnologien – wie wird vor allem das Genome Editing die moderne Landwirtschaft verändern? Das war das spannende Thema des gestrigen „Berliner Abend“ vom Forum Moderne Landwirtschaft mit rund 180 Gästen aus Landwirtschaft, Politik und Medien im Atrium der DKB Bank in Berlin-Mitte.
 

In ihrer Eröffnungskeynote veranschaulichten Dr. Jürgen Schweden, Global Head of Research & Services KWS Saat SE und Dr. Jon Falk, Geschäftsführer SAATEN-UNION BIOTEC GmbH wie Genome Editing funktioniert und was sich hinter dem von Experten als Meilenstein der Züchtungstechnologie gefeierten Verfahren CRISPR-Cas verbirgt. Schweden wies auf das enorme Potenzial für die Pflanzenzüchtung hin, denn CRISPR-Cas sei für viele Kulturen anwendbar, sehr präzise, gut zu steuern und funktioniere in komplexen Genomen. Als Beispiel nannte er den Weizen. Zugleich warnte er aber vor undifferenzierten Debatten und davor, die Technologie zu einer „eierlegenden Wollmilchsau“ zu stilisieren. Er plädierte für einen noch stärkeren Schulterschluss zwischen Forschung und Industrie in Europa.


Ähnlich argumentierte Falk, der mit der SAATEN-UNION BIOTEC GmbH eine gemeinschaftliche Einrichtung von neun mittelständischen Pflanzenzüchtungs­unternehmen führt. Die neuen Züchtungstechnologien seien nicht günstig oder einfach – man müsse sie entwickeln. Das sei mit massiven Investitionen verbunden. Wettbewerbsverzerrung, zum Beispiel durch nicht einheitliche Regulierung, könnte zum Sterben von Züchtungsunternehmen in Deutschland und damit zu einer Verarmung der verfügbaren Sorten führen. Falk hob die Bedeutung der Forschung an den neuen Technologien hervor: Ohne ausreichend Nahrungsmittel werde es in Zukunft keine stabilen ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Systeme geben können. Dafür lohne es sich zu kämpfen.


Sascha Karberg, verantwortlicher Redakteur für den Bereich Forschen beim Tagesspiegel in Berlin bedauerte in seiner Keynote, dass es zum Genome Editing bzw. CRISPR-Cas viele Mythen gebe, aber viel zu wenig sachlich über die verfügbaren Fakten diskutiert würde. Er forderte – nicht nur von der Agrarbranche – eine transparente Diskussion ein. Ehrlichkeit könne dabei helfen, öffentliches Misstrauen zu verhindern. Die Komplexität und die vielen Fragezeichen zu dem Thema sah Karberg aber auch als Chance. Es sei ein guter Anlass, darüber zu sprechen, dass Genveränderung ein normaler Prozess sei, dem wir unseren Nahrungsmittelwohlstand verdanken. Im Zuge dessen sei auch der Begriff der „Natürlichkeit“ von Lebensmitteln einmal kritisch zu hinterfragen. Ziel müsse es sein, den Menschen stärker die Ängste vor der Züchtung zu nehmen. In Bezug auf Zulassung hielt Karberg es für sinnvoller, Regeln für Produkte aufzustellen, als ausschließlich den Prozess der Herstellung zu regulieren.


Stefan Teepker, Landwirt und Unternehmer aus dem Emsland, beschrieb die Notwendigkeit für moderne Landwirte, interessiert und offen für neue Technologien zu sein. Als Rohstofflieferant könne man im harten globalen Wettbewerb nur bestehen, wenn man Kosten- und Leistungsführer sei. Der Instrumentenkasten moderner Landwirte in Deutschland sei jetzt schon sehr groß und bunt. Nicht zuletzt die Digitalisierung habe viele neue Möglichkeiten geschaffen. Neue Züchtungstechnologien seien ein nächster Schritt für mehr Produktivität, aber auch für mehr Umweltschutz und Tierwohl. Entscheidend sei es aber, die Gesellschaft – vor allem die Städter – mit offener Kommunikation bei diesem Fortschritt mitzunehmen und Rückhalt zu gewinnen. Hier seien Landwirte, aber auch der vor- und nachgelagerte Bereich in der Pflicht. Er lobte das FORUM als geeignete Plattform dafür.


Über das Forum Moderne Landwirtschaft e.V. (FORUM)
Im FORUM haben sich Verbände, Organisationen und Unternehmen der Agrarbranche, der vor- und nachgelagerten Bereiche sowie Landwirte zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, über die moderne Landwirtschaft zu informieren und den Dialog zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zu stärken. Diese Aktivitäten finden unter dem Dach der Marke „Unser aller Wissen. Die Moderne Landwirtschaft.“ statt. Das FORUM zählt aktuell 59 Mitglieder.


Kontakt
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Pressesprecher
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