1. Frau Ullrich, seit Mai dieses Jahres sind Sie Bayerische Biermajestät. Plötzlich Königin. Wie fühlt man sich da?

Am ersten Tag fühlte ich mich wie in Trance. Ich habe mich unglaublich gefreut, gelacht, gestrahlt und geweint. Ich war regelrecht sprachlos, was für mich recht ungewöhnlich ist. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, Bierkönigin zu sein. Nach wie vor ist aber jeder Tag anders und spannend.

 

2. Sie arbeiten im Gesundheitsbereich. Lohnt sich Ihr Einsatz als Bier-Regentin da überhaupt für Sie?

Auf jeden Fall! Ich habe mich für das Jahr meiner Amtszeit sogar beruflich freistellen lassen. Ich treffe viele interessante Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens und mache tolle Kontakte. Außerdem lerne ich viel: öffentliches Auftreten und Reden etwa. So habe ich in den letzten Monaten viel an Selbstsicherheit gewonnen. Und natürlich konnte ich mein Wissen zu meinem Lieblingsgetränk ungemein erweitern : dem Bier!

 

3. Was muss man denn mitbringen, um Bayerische Bierkönigin zu werden?

Leidenschaft, Persönlichkeit – und eine starke Affinität zum Thema Bier.

 

4. Aussehen zählt nicht dazu? Immerhin durchlaufen die Kandidatinnen für die Wahl zur Bayerischen Bierkönigin ja ein hartes Casting.

Gutes Aussehen ist sicherlich wichtig, aber bei der Wahl zur Bierkönigin ist es eher nebensächlich. Ein natürliches Auftreten und Ausstrahlung zählen – und fundiertes Bierwissen. Beim Finale des Wettbewerbs auf der Bühne haben wir beispielsweise aus einer Auswahl eine Flasche Bier gezogen, das dazu passende Glas ausgesucht, das Bier eingeschenkt und es dann verkostet und erklärt. Und uns wurden von der Jury und aus dem Publikum heraus Fragen gestellt – darunter auch spezifische Fragen zum Thema Bier.

 

5. Welches ist die bisher häufigste Frage, die Ihnen als Bierkönigin gestellt wurde?

Das ist die Frage: „Wie kommt man als Bürgstädterin aus Unterfranken zum Thema Bier?“ Dazu muss man sagen, dass meine Heimatregion vor allem für ihren Wein berühmt ist. Ich kann darauf nur antworten: Ich komme aus einer Genussregion, die vor allem für ihre Wurstware und ihren Qualitätswein bekannt ist. Wir haben dort aber auch hervorragendes Bier. Ich fand Bier schon immer spannend. Viel darüber gelernt habe ich im Brauhaus Faust in Miltenberg, das mich auch bei der Bewerbung zur Königinnen-Wahl von Anfang an sehr unterstützt hat.

 

6. Man hört und liest ja so einiges darüber, dass Bier auch Glyphosat enthält. Ist Biertrinken schädlich?

Zunächst einmal: Glyphosat als Pflanzenschutzmittel bei Braugerste einzusetzen, ist in Deutschland gar nicht erlaubt. Es kann also nur über Importgetreide ins Bier gelangen. Wie Untersuchungen aber immer wieder bestätigt haben, ist der Glyphosatgehalt im deutschen Bier verschwindend gering. Wir müssten täglich etwa 1.000 Liter Bier trinken, um durch das darin enthaltene Glyphosat Schaden zu erleiden. Bei der Menge hätten wir dann vermutlich ganz andere Probleme.

 

7. Als Bayerische Biermajestät kommen Sie ja viel rum. Unlängst besuchten Sie ein Oktoberfest in Japan. War das nicht ein wenig bizarr?

Es gibt in Japan in verschiedenen Städten Oktoberfeste. Wir waren in Fukuoka. Es gab dort ein Festzelt, Stände mit bayerischem Bier, Bratwurst und Mandeln. Und die Japaner trugen Lederhosen mit Sepplhut oder Dirndl. Das war schon sehr interessant. Natürlich wollte jeder auf dem Fest ein Foto von mir im Dirndl.

 

8. Welches japanische Bier schmeckte Ihnen am besten?

Ich habe zwar japanisches Bier probiert. Um beurteilen zu können, welches japanische Bier mir am besten schmeckt, müsste ich jedoch mehrere Sorten verkosten. Es gibt in Japan große Brauereien und eine ausgeprägte Bierkultur. Allerdings wird das Bier dort eher als Aperitif getrunken.

 

9. Zurück zum deutschen Bier: Trinken Sie täglich Bier?

Um Gottes Willen! Nein, ich trinke nicht täglich Bier. Ich trinke auf Veranstaltungen, Bierfesten, bei Verkostungen und bei privaten Feierlichkeiten – und dort dann immer nur wenig. Da ich häufig Auto fahre, trinke ich oft alkoholfreies Bier.

 

10. Im kommenden Jahr müssen Sie Ihre Krone wieder abgeben. Haben Sie schon Pläne für das Danach?

Nach meiner Amtszeit werde ich zunächst meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin abschließen und dann eventuell Medizin studieren. Meiner Leidenschaft für das Bier werde ich aber sicherlich treu bleiben. Zum Beispiel als Bierbotschafterin. Mein absoluter Traum wäre eine Ausbildung zum Biersommelier.