Welche Lebensmittel wären ohne Pflanzenschutz im Korb?

Die hohe Qualität der Äpfel, Kartoffeln oder Brötchen in unserem Einkaufskorb belegt es immer wieder aufs Neue: Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Egal ob Bio-Lebensmittel oder Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau – Schutz der Pflanze vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern muss sein. Bleibt er aus, übernimmt schnell die Natur das Terrain. Dann haben wir deutlich weniger Produkte im Korb. Im schlimmsten Fall fällt die Ernte sogar ganz aus – und unser Einkaufskorb bleibt leer.

Von vollen Regalen und einer großen Auswahl hochwertiger Lebensmittel profitieren wir alle. Doch so vielfältig wie die Anzahl der angebauten Sorten und Kulturen ist, so unterschiedlich sind auch deren Bedrohungen – und damit die Herausforderungen, denen sich Landwirte immer wieder stellen müssen. Für beinahe jedes dieser Probleme sucht und findet die Moderne Landwirtschaft eine Lösung: Neben mechanischem Pflanzenschutz mit Striegel und Hacke werden Nützlinge wie Schlupfwespen, smarte Technologien wie Drohnen und Sensoren oder Altbewährtes wie Netze gegen Schädlinge und Hagelschlag eingesetzt.

Gegen manche Probleme helfen allerdings nur chemische Pflanzenschutzmittel. Herbizide, Fungizide, Insektizide und Co. setzt der Landwirt nicht wahllos ein, sondern in Kombination mit weiteren Maßnahmen und sehr bedacht. Wie bei jeder Pflanzenschutzmaßnahme gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

 

DUFTSTOFFE, NETZE, HERBIZIDE
Was ist Pflanzenschutz?

Jeder von uns kennt Vogelscheuchen. Notdürftig mit Lumpen bekleidet und mit Köpfen und Gliedmaßen aus Stroh oder Reisig versehen erschrecken sie in der Dämmerung so manchen Wanderer. Am Tag halten die schaurigen Gestalten gefiederte Räuber von den Äckern fern – als eine vielleicht etwas antiquiert wirkende, aber immer noch wirkungsvolle Maßnahme zum Pflanzenschutz.

Um ihre Pflanzen vor Schädlingen, Unkräutern und Krankheiten zu schützen, setzen Landwirte vielfältige Mittel ein. Sie gehen dabei sehr bedacht vor und kombinieren vorbeugende Maßnahmen wie die Auswahl der Sorten, das Anbringen von Netzen oder das Unterpflügen von Unkraut auf dem Feld mit einer gezielten Bekämpfung, wie etwa dem Einsatz eines Insektizids bei Befall einer Kultur mit Blattläusen oder eines Fungizids bei Pilzerkrankungen.

Ziel der Landwirte ist es, in jedem Jahr mit gesunden Pflanzen eine reiche Ernte einzubringen – und dabei zugleich Natur und Umwelt zu schonen. Die Moderne Landwirtschaft handelt dabei nicht allein aus ökonomischen Erwägungen heraus, denn weltweit müssen immer mehr Menschen von nur begrenzt verfügbaren Anbauflächen ernährt werden. Pflanzenschutz hilft dabei – und liefert uns Obst, Gemüse und viele weitere Lebensmittel in der gewohnten und gewünschten hohen Qualität.

Schädlinge, Krankheiten, Unkräuter
Warum ist Pflanzenschutz notwendig?

(Un-)Kräuter und Wiesenblumen wachsen und wuchern wild durcheinander. Doch die Maispflanzen dazwischen sind verkümmert – oder gar abgestorben. So drastisch kann das Ergebnis ausfallen, wenn Pflanzen auf dem Feld nicht geschützt werden. Im Rahmen der Aktion „Schau ins Feld“ des Industrieverbands Agar e. V. (IVA) machen Landwirte bundesweit quasi einen Demo-Selbstversuch. Sie stecken auf ihren Feldern eine Testfläche ab und setzen dort bewusst keine Pflanzenschutzmittel ein. Das Ergebnis beeindruckt sogar die Bauern selbst: „Dass es so krass aussehen würde, hätte ich nicht erwartet“, sagt etwa der hessische Landwirt Yannick Nagel, der bereits im dritten Jahr an der Aktion teilnimmt. Rund 50 Prozent der Ernte gehen der Erfahrung nach ohne Pflanzenschutz verloren. Hauptgefahren für die Pflanzen sind dabei Schädlinge – wie Schnecken, Würmer und Insekten – Krankheiten und Unkräuter. Auch das Wetter spielt eine Rolle: So können beispielsweise Hagel oder Hitzeperioden den Pflanzen arg zusetzen. Ihre Kulturpflanzen wirksam zu schützen, ist daher für die Landwirte essenziell – sowohl in der konventionellen als auch in der biologischen Erzeugung. 

Unkrautvernichter, Herbizidwirkstoff, Erosionsschutz
Glyphosat – gut oder schädlich?

Das Thema Glyphosat ist komplex. Es gibt Pro und Contra – je nachdem, wen man befragt. Fest steht: Glyphosat ist heute einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Allein in Deutschland sind mehr als 90 glyphosathaltige Herbizide zugelassen. Eingesetzt wird der Wirkstoff seit Mitte der Siebzigerjahre zur Bekämpfung von Unkraut, klassischerweise zur Vorbereitung der nächsten Aussaat. Das Glyphosat dringt über grüne Pflanzenteile in das Unkraut ein und blockiert dort das Wachstum. Die Pflanze stirbt ab. Weil der Boden das Wertvollste für die Moderne Landwirtschaft ist, erfolgt auch die Ausbringung dieser Pflanzenschutzmittel punktgenau, bedarfsgerecht und nur mit Sachkundenachweis. Eine Alternative zu Glyphosat wäre etwa eine intensivere Bodenbearbeitung mit dem Pflug – mit einer Reihe negativer Folgen: Mehr Erosion, mehr Energieaufwand und mehr CO2-Ausstoß. Ein kompletter Verzicht auf glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel ist daher in den seltensten Fällen sinnvoll. Die Lösung liegt für Landwirte vielmehr in einem schlauen Kompromiss: in der ergänzenden Nutzung verschiedener mechanischer und chemischer Pflanzenschutzmaßnahmen – und dazu gehört auch die Gestaltung der Fruchtfolge. In der Zukunft mag die Situation dank fortlaufender Innovationen in der Modernen Landwirtschaft anders aussehen. 

Saatbeize, Resistenzzüchtung, natürliche Feinde
Wie fortschrittlich ist Pflanzenschutz?

Weltweit wandelnde Anforderungen, sei es gesellschaftlich oder auch klimatisch, stellen die Menschen in der Modernen Landwirtschaft immer wieder vor neue Herausforderungen. Beim Thema Pflanzenschutz begegnen sie diesen Aufgaben mit der Entwicklung nachhaltiger Verfahren. Ein Beispiel sind die Wissenschaftler im Seedcare Institute in der Schweizer Gemeinde Stein. Die Forscher beschäftigen sich dort u. a. damit, wie Saatkörner durch das gleichmäßige Auftragen von Beizmitteln gezielt vor Schadpilzen im Boden geschützt werden und die Wurzeln gleichzeitig kräftiger wachsen können. Bei der KWS SAAT SE, einem internationalen Saatgutproduzenten mit Sitz im niedersächsischen Einbeck, befasst man sich mit Resistenzzüchtung. Pflanzen mit hoher Widerstandkraft gegenüber Krankheiten und Schädlinge tragen nämlich nicht nur entscheidend dazu bei, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Sie können auch helfen, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel weiter zu reduzieren. Die Entwicklung neuer, smarter Technologien ergänzt diese Ansätze. Biologische Schädlingsbekämpfung mittels GPS-gesteuerter Drohnen oder Hightech-Landmaschinen, die chemische Pflanzenschutzmittel zentimetergenau und bedarfsgerecht dosiert ausbringen, sind heute bereits im Einsatz. Kurzum: Die Menschen in der Modernen Landwirtschaft arbeiten wirtschaftlich und sind sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und den Naturhaushalt deutlich bewusst.