Zu Beginn wortkarg und eher distanziert, offenbart er schnell seine große Liebe zu seinem Beruf, seinem Gut, der Natur und ihrer Artenvielfalt. Ein großer und kraftvoller Mann, der viel Ruhe ausstrahlt. Merkel ist Betriebsleiter des Guts, wie vor ihm schon mehrere Generationen seiner Familie. Im 19. Jahrhundert hat sein Ururgroßvater das Gut gepachtet, das bereits im 13. Jahrhundert als Zisterzienserinnenkloster gegründet wurde. Heute werden unter Merkels Leitung auf 286 Hektar Gesamtnutzfläche unter anderem Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut und große Flächen auch zur Saatgetreidevermehrung von Weizen, Gerste, Roggen und Hafer genutzt. Vor dem geschichtsträchtigen Hintergrund und in dem denkmalgeschützten Ambiente erlebt man einen modernen, unternehmerisch denkenden, engagierten und entschlossenen Mann. Gern verlässt er gewohnte Pfade, stets auf der Suche nach Verbesserungen. Er probiert gern Neues aus und stellt sich Aufgaben, auch wenn diese nicht leicht zu bewältigen sind.

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Mit Blühstreifen gegen Blattläuse


Das Eh da-Projekt auf seinem Grund gehört zu den Dingen, die er aktuell ausprobiert. Seit diesem Jahr blühen an Merkels Ackerrändern zum Teil zwei Meter breite Streifen mit Wildblumen. Holz liegt gestapelt dazwischen. So kann sich hier wieder eine Artenvielfalt entwickeln, die die Landwirtschaft in Ackernähe lange vermeiden wollte. Merkel jedoch ist überzeugt: „Die richtige Bewirtschaftung macht Artenvielfalt erst möglich. Und was ökologisch sinnvoll ist, ist auch ökonomisch sinnvoll.“ Gemeint sind Nützlinge wie die Schwebfliege, die den Blühstreifen besiedelt und Merkel helfen wird, ganz natürlich zum Beispiel Blattläuse von seinen Äckern fernzuhalten, weil sich ihre Larven ausschließlich von Insekten, je nach Art sogar nur von Blattläusen ernähren. Und wirklich herrscht an diesem sonnigen Augusttag reges Insektentreiben zwischen den Gräsern und Blüten, die am Wegesrand stehen. Auch zahlreiche Wolfsspinnen und verschiedene Laufkäferarten geben sich in Merkels Blühstreifen und auf seinen Äckern ein Stelldichein.

Auch eine Biologin, mit der er zusammenarbeitet, bestätigt seinen Eindruck. Schon nach wenigen Monaten mit den blühenden Ackerstreifen sind viele Insekten hier untergekommen, die Merkels Äckern nutzen. Dass Schädlinge von den Eh da-Flächen mehr profitieren, als es Merkels Feldfrüchten guttut, ist nicht zu erwarten. „Es bestehen gute Aussichten, dass die Vorteile, die die Nützlinge bringen, deutlich überwiegen“, frohlockt Merkel. Und eine weitaus reichere Vogelwelt erlebt Merkel nun ebenfalls bei seiner Arbeit. „Feldlerchen sehe ich vermehrt und auch Rebhühner begegnen mir immer häufiger“, zählt er fast stolz auf. „Außerdem haben wir bei uns zunehmend Schwärme von Grau- und Goldammern, deren Rückgang andernorts oft bedauert wird.“

 

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Auch die Stadt Haßfurt am gegenüberliegenden Mainufer engagiert sich in Sachen Eh da-Flächen und wertet mehr als 40 Gemeindeflächen ökologisch so auf, dass hier Artenvielfalt entstehen kann. Das freut Klaus Merkel. Denn die Landwirte werden vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen, im Rahmen des Greenings fünf Prozent ihrer Flächen ökologisch aufzuwerten. Der bürokratische Kraftakt könne einem manchmal fast die Motivation rauben, meint Merkel nachdenklich. Mit quadratmetergenauen Vermessungen muss exakt nachgewiesen werden, was auf dem Gut geschieht. „Zu wissen, dass die Gemeinde Haßfurt sich ganz und gar freiwillig in der gleichen Sache engagiert, ist umso wichtiger für meine Kollegen und mich.“

Ebenfalls wichtig für Merkel ist „seine Kirche“. In Haßfurt beim katholischen Pfarramt wird sie verwaltet. Einen Kirchenschlüssel besitzt er natürlich trotzdem, „für Notfälle“. Ganz ohne Not und ausnahmsweise zeigt er an diesem Nachmittag den erstaunlichen Bau auch gerne von innen. Kühl ist es hier, geschichtsträchtig wie auf dem gesamten Gut. Die Grabplatten einiger Äbtissinnen des Klosters sind in den Boden der Kirche eingelassen. Auf die Frage, ob er in dieser Kirche geheiratet habe, wedelt Merkel mit seinen Fingern und bemerkt trocken: „Mein Bruder aber schon!“