Dr. Stephan Schneider arbeitet am Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Im Interview verrät er, welchen Einfluss die Fütterung auf Qualität und Geruch der Gülle hat. Auch das Wohlergehen der Tiere ist ein wichtiges Thema seiner täglichen Arbeit.


Dr. Schneider, wenn Tiere fressen – was kommt dann hinten wieder raus?

Klassische Fütterungskomponenten sind beispielweise in der deutschen Schweinefütterung heimisches Getreide, ergänzt um Eiweißfuttermittel wie Raps- oder Sojaextraktionsschrot. Die meisten Betriebe hierzulande bauen eigenes Getreide an, etwa Weizen, Gerste oder Mais. Sie lagern es bei sich und füttern damit ihre Tiere. Der Teil der Nahrung, den die Schweine nicht verwerten können, besteht vor allem aus Stickstoff, Phosphor und Kalium. Diese zentralen Nährstoffe werden dann teilweise unverdaut wieder ausgeschieden. Die Gülle, ein Gemisch aus Kot und Harn, wird aufgefangen und anschließend als Dünger auf die Felder verbracht. Somit schließt sich ein Kreislauf.


Was macht Stickstoff, Phosphor und Kalium so wertvoll für die Landwirtschaft?

Stickstoff, Phosphor und Kalium sind allesamt Nährstoffe, die in einem Nutztierkörper vorkommen. Sie spielen aber auch für das Pflanzenwachstum eine wichtige Rolle. Stickstoff ist Bestandteil des Eiweißes. Zum Aufbau von Muskelfleisch braucht es sogenannte essenzielle Aminosäuren. Diese Bausteine des Eiweißes kann es nicht selbst produzieren. Man muss sie dem Tier zuführen. Essenzielle Aminosäuren sind zum Beispiel im Getreide enthalten.
 

Lässt sich durch Fütterung beeinflussen, was Tiere ausscheiden?

Ja, da gibt es einen direkten Einfluß. Es ist wichtig darauf zu achten, weil sich der Bedarf eines Tieres im Laufe seines Lebens stark verändert – ähnlich wie beim Menschen. Ein Ferkel beispielsweise benötigt deutlich mehr Eiweiß bzw. Aminosäure als eine ausgewachsene Muttersau. Deswegen gibt es für jede Lebensphase eigene Bedarfswerte. Man weiß daher genau, welches Tier wann, wie viel und was braucht, und kann passgenau füttern. Gleichzeitig werden so Nährstoffüberschüsse vermieden, die – über die Gülle abgegeben – möglicherweise zum Problem werden.


Dr. Stephan Schneider

Futtermittel-Fachmann: Dr. Stephan Schneider ist Experte für Tierernährung. Sein Spezialgebiet sind Schweine. © privat

Fütterung

Passgenaue Ernährung: In jeder Lebensphase hat das Tier einen spezifischen Futterbedarf. © Forum Moderne Landwirtschaft

Fühlen sich Tiere bei bedarfsgerechter Fütterung wohler?

Ja, eindeutig. Bleiben wir beim Beispiel Eiweiß: Das Tier hat einen individuellen Bedarf an Aminosäuren. Wenn ich ihm mehr füttere als es benötigt, kann es das Eiweiß nicht verwerten, weil es genetisch auf eine gewisse Leistungshöhe programmiert ist. Alles, was darüber hinaus geht, muss vom Tier entgiftet und ausgeschieden werden. Das belastet dann sowohl das Tier als auch die Umwelt.
 

Kann man die Leistungsfähigkeit der Tiere durch Fütterung erhalten und gleichzeitig den Boden und das Grundwasser schonen?

Eine gute Frage. In den vergangenen Jahren wurde dieses Thema intensiv diskutiert, und es ist sehr viel passiert. So gibt es inzwischen bei der Landesanstalt für Landwirtschaft einen Arbeitsschwerpunkt Nährstoffhaushalt, der genau diese Frage thematisiert. Hier kommen zum ersten Mal Tierernährer, Pflanzenzüchter, Pflanzenbauer, Stallbauer und andere Experten zusammen, die sich mit der Gülleausbringung beschäftigen. Sie überlegen sich Konzepte, wie man das System noch professioneller gestalten könnte. Das heißt auch, mit noch weniger Emissionen.
 

In welche Richtung könnte das gehen?

Wichtig ist beispielsweise auch die Pflanzenzucht. Bisher war die Züchtung von Getreide primär darauf ausgerichtet, dass dieses gut für die menschliche Ernährung eingesetzt werden kann. Es ging zum Beispiel um das optimale Backvolumen oder darum, dass ein Brötchen in der Auslage schön aussieht. Dabei landet ein Großteil des Getreides im Futtertrog. Aktuell versucht man, die Getreidezucht hinsichtlich der Tierernährung zu optimieren. Das sind erste Ansätze …

FML Labor

Bunte Mischung: Tierernährung heute heißt, immer wieder neue Rezepturen zu finden – und so die bestmögliche Futterkomposition. © Forum Moderne Landwirtschaft

In diesem Jahr ist eine neue Düngeverordnung teilweise in Kraft getreten. 2018 soll sie komplett greifen. Welchen Einfluss hat das auf die Tierfütterung in der Landwirtschaft?

Einen großen. Durch die Novellierung der Düngeverordnung werden die Betriebe angehalten, ihre Tiere noch näher am Bedarf zu füttern, damit nur so viel Dünger auf den Feldern ausgebracht wird wie die Pflanzen benötigen. Die Fütterungsstrategie wird erstmalig nach dem Stickstoff- und Phosphorgehalt der Futtermischungen in drei Kategorien eingeteilt - Normalfütterung, stickstoff- und phosphorreduzierte Fütterung sowie stark stickstoff- und phosphorreduzierte Fütterung. Diese Kategorisierung bestimmt, wie viel Fläche ein Landwirt jeweils vorhalten muss, um seine Gülle ausbringen zu können.

Lässt sich über das Futter auch die Geruchsintensität der Gülle steuern?

Ja. Es geht schließlich darum, wie viel Stickstoff das Tier bei der Fütterung aufnimmt. Im Tier verbleibt pro Kilogramm Fleisch immer die gleiche Menge an Stickstoff. Was darüber hinaus geht, wird ausgeschieden. Das heißt, wenn ich vorn weniger Eiweiß einfüttere, also das Tier genau am Bedarf versorge, dann kommt hinten deutlich weniger Stickstoff raus. Und wenn weniger rauskommt, sinken damit auch die ammoniakhaltigen Ausdünstungen. Das wiederum senkt die Geruchsintensität.