Stimmt’s oder stimmt’s nicht?
Wie Deutschland auf Landwirtschaft blickt
Kaum ein gesellschaftliches Thema wird so emotional diskutiert wie die Landwirtschaft. Doch wie faktenbasiert ist die öffentliche Debatte tatsächlich?
Eine bundesweit repräsentative Civey-Studie im Auftrag von Forum Moderne Landwirtschaft zeigt, wie die Bevölkerung zentrale Fragen rund um Nachhaltigkeit, Tierhaltung, Pflanzenschutz und alternative Proteine bewertet – und wo sich die Wahrnehmung differenziert entwickelt.
1. Mythos: „Früher war Landwirtschaft nachhaltiger und naturnäher“
Gesamtergebnis
51,8 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Landwirtschaft früher nachhaltiger gewesen sei. Gleichzeitig lehnt ein signifikanter Anteil diese Einschätzung ab oder ist unentschieden.
Einordnung
Das Ergebnis zeigt vor allem eines: Die Erwartungen an moderne Landwirtschaft sind hoch. Gleichzeitig wird deutlich, dass Nachhaltigkeit heute anders organisiert, reguliert und messbar ist als früher.
Blick nach Altersgruppen
Besonders spannend ist der Generationenvergleich:
Während ältere Befragte der Aussage mehrheitlich zustimmen, lehnt mehr als ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen die These ab. Jüngere Generationen nehmen moderne Landwirtschaft zunehmend als leistungsfähig, technologisch weiterentwickelt und nachhaltig reguliert wahr.
2. Mythos: „Nutztiere sind die größten Klimakiller“
Gesamtergebnis
54,5 Prozent der Befragten lehnen diese Aussage ab.
Einordnung
Das lange dominierende Bild der „Kuh als Klimakiller“ verliert an Pauschalität. Die Bevölkerung differenziert stärker zwischen Emissionen, Kreislaufwirtschaft, Grünlandnutzung und globalen Zusammenhängen.
Auch in jüngeren Altersgruppen zeigt sich keine eindeutige Zustimmung, sondern ein differenziertes Meinungsbild.
3. Mythos: „Tofu ist genauso klimaschädlich wie Fleisch“
Gesamtergebnis
58,6 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Tofu aufgrund von Regenwaldabholzung genauso klimaschädlich sei wie Fleisch.
21,6 Prozent lehnen diese Aussage ab.
Einordnung
Das Ergebnis zeigt: Nachhaltigkeitsdebatten werden häufig vereinfacht geführt – unabhängig davon, ob es um tierische oder pflanzliche Produkte geht.
Alternative Ernährungsformen werden nicht automatisch als nachhaltiger wahrgenommen. Vielmehr zeigt sich ein Bedürfnis nach wissenschaftlicher Einordnung und differenzierter Betrachtung.
Landwirtschaft braucht heute Gespräche auf Augenhöhe. Die Studie zeigt: Wo erklärt wird, wächst Vertrauen – und genau diesen Dialog wollen wir weiterführen.
4. Vertrauen in den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
Gesamtergebnis
48,5 Prozent der Befragten vertrauen darauf, dass Landwirtinnen und Landwirte Pflanzenschutzmittel nur so viel einsetzen wie nötig.
Einordnung
Fast jede zweite Person spricht der landwirtschaftlichen Praxis einen Vertrauensvorschuss aus. Besonders ausgeprägt ist dieses Vertrauen bei älteren Befragten.
Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, dass Transparenz und Dialog weiterhin entscheidend bleiben, um Vertrauen über Generationen hinweg zu stärken.
5. Bio-Landwirtschaft als Zukunftsmodell
Gesamtergebnis
Eine Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass der biologischen Landwirtschaft die Zukunft gehört.
Einordnung
Die Zustimmung ist generationenübergreifend hoch. Gleichzeitig wird Landwirtschaft insgesamt nicht als Entweder-oder-Modell gedacht, sondern als Zusammenspiel verschiedener Produktionsweisen.
Die Ergebnisse zeigen, wie komplex Nachhaltigkeitsfragen wahrgenommen werden – und dass einfache Zuschreibungen, egal in welche Richtung, der Realität oft nicht gerecht werden
6. Regionalität verbindet
Gesamtergebnis
75,6 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass der Kauf regionaler Lebensmittel umweltfreundlicher ist.
Einordnung
Regionalität ist der stärkste gesellschaftliche Konsens der Studie. Sie verbindet Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Nähe.
Das Thema bietet damit einen zentralen Anknüpfungspunkt für den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.
Fazit
Die Studie zeigt keine Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Vielmehr wird deutlich: Die öffentliche Debatte differenziert sich.
Viele zentrale Botschaften sind angekommen. Gleichzeitig bleibt Dialog entscheidend, um Erwartungen, Wissensstände und Perspektiven weiter zusammenzuführen.
Methodik
Bundesweit repräsentative Online-Befragung der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren
Stichprobengröße: 2.500
Erhebungszeitraum: 19.–20. Januar 2026
Statistischer Fehler: 3,6–3,8 Prozentpunkte