Behutsam zieht Ingbert Rust ein etwa 50 Zentimeter hohes Gewächs aus dem Boden seines Ackers. Es ist saftig-grün und trägt neben einigen Blättern auch mehrere Bohnenschoten am Stängel, die seitlich abstehen. Das Wurzelwerk, an dem noch ein wenig feuchte Erde klebt, ist dicht. „Soja ist eine gute Zwischenfrucht, denn mit ihren Wurzeln lockert sie den Boden auf und bereichert ihn. In meiner Folgefrucht ergänzt sie sich beispielweise hervorragend“, erläutert Ingbert Rust.

 

Viele Gründe sprechen für Soja
Seit 2007 baut der 39-jährige Landwirt – neben Zuckerrüben, Mais, Weizen – auf rund 50 Hektar Fläche im bayerischen Aiterhofen auch Soja an. Dabei handelt es sich um gentechnikfreie Pflanzen, denn auf deutschen Äckern ist der Anbau von gentechnikveränderten Organismen (GVOs) verboten. Die hierzulande für die Aussaat zugelassenen Sojasorten sind daher alle GVO-frei und wandern großenteils in Form von eiweißreichem Sojaschrot in die Futtertröge heimischer Rinder, Schweine und Hühner. Durch die Verwertung der enthaltenen wertvollen Proteine ist deren Fleisch besonders hochwertig. Das ist einer der Gründe für die steigende Beliebtheit der Hülsenfrucht bei Landwirten. Ein weiterer ist ihr hoher Wert für den Boden. Die Wurzeln der Sojapflanze lockern den Boden nämlich nicht nur auf. Über Knöllchen, die sich im Wurzelwerk über eine Symbiose mit Bakterien bilden, binden sie außerdem auch Stickstoff. Und den wiederum benötigen die Pflanzen, um gut zu gedeihen. Nicht von ungefähr wurde Soja in das Greening-Programm der EU aufgenommen, das klima- und umweltschonende Methoden der Landbewirtschaftung fördert.
 

Soja Wurzel

Soja ist eine gute Zwischenfrucht. Über Wurzelknöllchen, die in Symbiose mit Bakterien entstehen, binden die Pflanzen Stickstoff. Das stärkt den Boden. © Forum Moderne Landwirtschaft

Soja mag es warm und wasserreich
Die Böden auf den Äckern von Ingbert Rust sind fruchtbar und wasserreich. Für den Anbau von Sojapflanzen ist das ideal. „Soja mag warme, wasserreiche Regionen wie bei uns in Niederbayern“, erläutert der Landwirt. „Im Juni und Juli sollte es feucht sein, damit die Pflanzen einlagern können. Zur Erntezeit im September aber sind Trockenphasen wichtig, denn Soja bindet schnell Feuchtigkeit und kann dann nicht mehr gedroschen werden. Der 39-Jährige bevorzugt daher frühreife Soja-Sorten, die bereits im September gedroschen werden können.


Soja hält Folgekulturen gesund
Doch lohnt sich der Anbau von Sojapflanzen für ihn überhaupt? „Soja kann unter Umständen vom Deckungsbeitrag her durchaus mit Mais oder Weizen mithalten“, sagt Ingbert Rust. Zusätzlich profitierten die Landwirte der Region von der Erzeugergemeinschaft Bayernhof GmbH, die bereits über 20 Jahre in der Sojabohnenvermarktung tätig ist. Deren Kooperationspartner, die Archer Midland Company (ADM), verarbeitet außerdem seit 2016 in der Straubinger Ölmühle Sojabohnen zu Öl und Schrot. „Der Zugang zum Markt hat sich für uns Produzenten dadurch erheblich verbessert, denn das in der Straubinger Anlage produzierte Sojaschrot kann auch von Mischfutterwerken verarbeitet werden. Vorher waren die Abnehmer in erster Linie Landwirte aus der Viehwirtschaft, die sich das Futter selbst angemischt haben.“

Attraktiv sei der Anbau der Sojabohne aber auch, weil Folgekulturen der Pflanze dadurch gesünder blieben, ergänzt der Landwirt: „Herbizidresistenzen können durch andere Herbizide verhindert werden.“ Auch mit typischen Krankheiten wie dem Sklerotinia-Pilz, der häufig von Raps auf Sojakulturen übertragen wird, hatte er bisher noch nicht zu kämpfen. „Einmal sind allerdings Diestelfalter über die Alpen hergeweht und haben einen erheblichen Fraßschaden auf den Sojafeldern verursacht. Aber das kam danach nicht wieder vor.“

Die aktuell auf dem Acker vor Ingbert Rust wachsende Sojakultur scheint prächtig zu gedeihen. Die Pflanzen stehen voller Blätter und erstrecken sich in dichten Reihen, so weit das Auge reicht. Doch der Landwirt kontrolliert die Qualität seiner Pflanzen lieber selbst. Vorsichtig schreitet er durch das Grün und wendet hier und da ein Blatt. Denn die menschliche Erfahrung lässt sich auch in der Modernen Landwirtschaft nach wie vor durch Technologie nicht völlig ersetzen.