Für Müllermeister Martin Bärtich bedeutet der digitale Wandel dennoch keineswegs das Ende des Müllerberufs: „Das handwerkliche Geschick des Müllers bleibt unersetzlich, moderne Technologie sorgt aber für enorme Erleichterungen in den Abläufen“.

Getreide steckt nicht nur in Brot. Pizza, Pasta, Kuchen und Kekse verschwänden ohne Mühlen ebenso vom Speisezettel wie Müsli und vieles mehr. Der Müller ist wichtigster Partner der Getreidebauern und sorgt mit der Veredelung ihrer Produkte für die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungs- und Genussmitteln. Auch die Viehwirtschaft profitiert von den Müllern, denn Getreidebestandteile ohne Backeigenschaften wie Weizenkleie sind wertvolle Elemente in Futtermitteln. Abgesehen von Staub und Spreu oder anderen Verunreinigungen, wie Steinchen, entsteht in Mühlen kein Abfall. Das Getreide wird für den menschlichen oder tierischen Verzehr vollständig verwertet.

Ein Beruf im Wandel der Generationen

Bärtich, Müllermeister in vierter Generation und heute in Verkauf und Beratung eines großen Anlagenherstellers tätig, hat die Digitalisierung der Branche hautnah miterlebt. Der 30-Jährige war als kleiner Junge oft mit seinem Opa in dessen Mühle unterwegs: „Vieles war einfach eine Frage des Gehörs: Wenn eine Maschine nicht richtig klang, musste man sie manuell herunterfahren und nach dem Rechten sehen.“ Er erinnert sich auch noch genau, „wie selbst in der kleinen Mühle meiner Eltern am Morgen die Maschinen einzeln gestartet und abends ebenso abgeschaltet wurden.“

Heute managt der Müller alle Abläufe im Büro über Computerterminals. Sämtliche Maschinen werden mit nur einem Knopfdruck hochgefahren, Software bestimmt den gesamten Prozess, die Produktion unterschiedlicher Mehle wird über Programme gesteuert. Hakt es im System, stellen Teilabschnitte der Anlage ihre Arbeit selbstständig ein und der Müller wird entsprechend alarmiert. „Früher konnte man die Prozesse nicht alleine laufen lassen, heute kontrollieren sie sich quasi selbst, der Müller greift dann gezielt ein, wenn es Probleme zu lösen gibt.“

 

Faszinierendes Handwerk: Der Müller behält den Überblick

Trotz der digitalen Revolution in den Mühlen bleibt die Mehlherstellung eine Aufgabe, bei der Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt sind. Moderne Backbetriebe sind darauf ausgerichtet, Produkte gleichbleibender Qualität herzustellen und benötigen dazu Mehle eines definierten Standards. „Nur mit fundiertem Wissen über die Rohstoffe einerseits und die technischen Möglichkeiten der komplexen Anlagen andererseits ist das möglich“, so Bärtich und beschreibt damit die besonderen Herausforderungen gerade bei Ernte- und Produktwechseln. „Die Eigenschaften natürlicher Rohstoffe schwanken und die Anlage muss dann entsprechend so eingesetzt werden, dass das Endprodukt der Spezifikation des Kunden entspricht.“ Für Bärtich einer der vielen faszinierenden Aspekte des Berufs.

„Mindestens ebenso attraktiv an meinem Beruf ist für mich seine Internationalität“, sagt Bärtich, der im Auftrag seines Arbeitgebers acht Jahre lang weltweit unterwegs war, um Anlagen in Betrieb zu nehmen und Personal vor Ort zu schulen – egal ob in Thailand oder Südamerika. Und auch in den Mühlen selbst wird international gedacht. „Zwar verarbeiten Mühlen in Deutschland überwiegend deutsches Getreide, aber regionale Unterschiede führen dazu, dass auch Kornsorten aus Frankreich gekauft oder beispielsweise Kamut aus dem Ausland bezogen werden, weil dieses Getreide bei uns einfach nicht gedeiht.“

Ein Beruf also, der Jahrhunderte alt und heute immer noch unentbehrlich ist und der vom Umgang mit natürlichen Rohstoffen bis hin zu computergesteuerten Großanlagen viele Facetten bereithält, die faszinieren.