Dr. Michael Maixner beschäftigt sich am Julius Kühn-Institut mit intelligenten Strategien zur Bekämpfung von Schadorganismen. So will er den heimischen Anbau von gesunden Weinreben sichern, denn der Klimawandel führt nicht nur zu veränderten Witterungsbedingungen. Auch neue Schädlinge siedeln sich an.



Herr Dr. Maixner, durch den Klimawandel reifen die Trauben unter wärmeren und feuchteren Bedingungen. Welche Auswirkungen hat das auf den Weinbau?

Es erhöht das Risiko des Befalls durch Fäulniserreger. Diese dringen in die Trauben ein und verursachen große Schäden. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Insekten aufgrund der erhöhten Durchschnittstemperaturen stärker vermehren, steigt an. Das kann ebenfalls zu einem Problem werden.

Und das bedeutet konkret?

Zum Beispiel können sich Traubenwickler, das sind bedeutende Schädlinge im Weinbau, schneller fortpflanzen. Unter bestimmten Umständen bilden sie sogar eine zusätzliche Generation – statt zwei, entwickeln sich also drei Generationen von Traubenwicklern im Jahr. Möglich ist es auch, dass sich wärmeliebende Schädlinge, die bislang eher in Südeuropa Probleme verursacht haben, in Richtung Norden ausbreiten werden. In einigen Fällen beobachten wir das bereits.

Warum stehen Pilzkrankheiten so im Fokus beim Pflanzenschutz im Weinbau?

Ohne Pflanzenschutz können diejenigen Schadpilze, die in Deutschland hauptsächlich vorkommen – der Echte und der Falsche Mehltau –, zu erheblichen Ertragseinbußen führen. Der Echte Mehltau verursacht außerdem geschmackliche Veränderungen. Deshalb sollte man die Reben von diesen Pilzen frei halten.

Was kann man gegen neue Schädlinge tun?

Man sollte mithilfe des Pflanzenschutzes zunächst einmal sämtliche Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen, um Schädlinge möglichst lange aus den Weinbergen herauszuhalten. Wir führen im Weinbau zurzeit einen integrierten Pflanzenschutz durch. Das heißt, wir versuchen zuerst, den Schädlingsbefall zu verhindern. Dazu gehören neben chemischem Pflanzenschutz auch weinbautechnische Maßnahmen. So halten Winzer beispielsweise die Laubwand, also das Blattwerk der Rebe, luftdurchlässig. Die Blätter werden dadurch weniger anfällig für Pilzkrankheiten. Regelmäßige Kontrollen und Prognosemodelle ermöglichen es außerdem, einen Befall recht konkret vorherzusagen.

Welchen Nutzen haben solche Prognosen genau?

Wir können dadurch verhindern, dass Resistenzen schnell entstehen – beispielsweise bei Pilzkrankheiten. Man prognostiziert zum Beispiel, zu welchem Zeitpunkt Reben aufgrund von Witterungs- und Entwicklungsbedingungen anfällig gegen Pilzkrankheiten sind und behandelt sie dann ganz gezielt.

Welche Rolle spielt die Forschung in der Schädlingsbekämpfung?

Sie setzt sich intensiv mit der Biologie und dem Ausbreitungsverhalten dieser Schädlinge auseinander. So erhalten wir weitere Anhaltspunkte, wie diese gezielte bekämpft werden können.

Und wie wichtig ist das Thema Rebenzüchtung?

Sehr wichtig. Es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche strategische Ansätze, um gegen Schädlinge vorzugehen: Zunächst einmal nutzt man Bekämpfungsmaßnahmen. Darüber hinaus kann man langfristig versuchen, resistente Reben zu züchten, die den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln reduzieren und den Einsatz gegen bestimmte Schaderreger bestenfalls überflüssig machen.