Einige Worte vorweg: Jegliche Art der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion, sei es die Bewirtschaftung eines Ackers oder die Beweidung von Grünland durch Nutztiere, stellt einen künstlichen Eingriff in das Ökosystem der Natur dar. Die natürliche Vegetation im mitteleuropäischen Raum – ohne menschlichen Eingriff –ist der gemischte Laubwald mit offenen Lichtungen. Erst mit Beginn der menschlichen Besiedelung und des Ackerbaus entwickelte sich unsere heutige Kulturlandschaft. Dabei wanderten viele Tiere ein, die an landwirtschaftliche Bedingungen gut angepasst sind und Kulturpflanzen ebenso schmackhaft finden wie wir – oder mit den Kulturpflanzen um die Ressourcen konkurrieren.

Der Landwirt setzt Pflanzenschutzmaßnahmen ein, um unsere Nahrungsmittel zu schützen. Es gibt Fungizide, Insektizide und Herbizide. Fungizide wirken gegen pilzliche Schaderreger (z. B. Fusarien), Insektizide gegen tierische Schädlinge (z. B. Blattläuse). Herbizide kontrollieren Gräser und Kräuter, die den Kulturpflanzen natürliche Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe streitig machen.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedeutet aber nicht, dass der Landwirt gegen die Natur handelt oder „im ständigen Kampf“ mit ihr steht. Er lebt mit der Natur und muss sich den Gegebenheiten seines Produktionsstandorts anpassen. Der Erhalt und Schutz der Artenvielfalt und der Biodiversität unserer Landschaft zählen zum Selbstverständnis des Landwirts.

 

Warum nutzen Landwirte Pflanzenschutzmittel, wenn sie die Artenvielfalt erhalten wollen?

Pflanzenschutzmittel dienen – der Name sagt’s – dem Schutz unserer landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, die für die Produktion unserer Nahrung unerlässlich sind. Ihr Einsatz ist notwendig, denn die Pflanzen schmecken auch vielen Schädlingen und giftigen, pilzlichen Schaderregern gut. Auch die Qualität unserer Nahrung und unsere Gesundheit werden durch Pflanzenschutzmittel sichergestellt. Allerdings wird immer öfter argumentiert, dass diese die Artenvielfalt der Natur verringern. Artenvielfalt und Pflanzenschutz schließen einander jedoch nicht aus. Der sachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch fachkundige Landwirte sorgt dafür, dass nur so viel wie nötig verwendet wird. Nützlinge werden geschont, indem Pflanzenschutzmittel beispielsweise erst nach Beendigung des Bienenfluges eingesetzt werden – und, wenn sich auf Grünlandflächen Pflanzenarten ausbreiten, welche die Artenvielfalt verringern und unterdrücken – wie etwa das giftige Jakobskreuzkraut. Ein selektives Herbizid, das gezielt nur gegen diese eine Art wirkt, trägt zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Darüber hinaus werden Pufferrandstreifen an Gewässern und Ackerrandstreifen angelegt, um nützlichen Insekten einen Rückzugsort zu bieten.

 

Warum werden in der Nutztierhaltung hauptsächlich einige wenige Rassen eingesetzt?

Vor ca. 10.000 Jahren begannen die Menschen mit der Viehzucht. Jede Region hatte damals ihre eigenen Nutztierrassen. Im 20. Jahrhundert wurde die Zucht von Nutztierrassen zunehmend professionalisiert. Dabei wurden stets die besten und leistungsfähigsten Tiere und Rassen ausgewählt. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen. So ändern sich zum Beispiel die Wünsche und Ansprüche der Verbraucher im Laufe der Zeit. Bis in die 1960er Jahre hinein waren Schweinerassen, die besonders viel Speck und Fett liefern, erwünscht. Danach änderte sich die Einstellung, die Verbraucher forderten vermehrt mageres Fleisch. Das Rassenspektrum in der Schweinezucht engte sich stark auf die Magerfleischrassen ein. Zusätzlich machte die Zucht dieser Rassen immer größere Fortschritte, sodass sich heute mit diesen Tieren Nahrungsmittel am effizientesten produzieren lassen. Aus ökonomischen Gründen war es seitdem nicht mehr sinnvoll, mit älteren Nutztierrassen zu züchten, da stets günstige Nahrungsmittel zur Verfügung stehen sollten. Viele ältere Rassen sind aber trotzdem nicht verloren gegangen und werden aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften als „Gourmet-Produkte“ weiterhin gezüchtet.

 

Was ist das Greening-Programm?

Das Greening-Programm ist ein Förderprogramm der EU zur Erhöhung der Biodiversität im ländlichen Raum. Zum Erhalt der heimischen Landwirtschaft bekommen die Landwirte Direktzahlungen, 30 Prozent dieser Leistungen bekommen sie für die Teilnahme an dem Programm. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Landwirte Geld geschenkt bekommen. Sie werden vielmehr für ihre Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität zum Wohle der Allgemeinheit vergütet. Die Teilnahme am Greening-Programm ist mit hohem Dokumentationsaufwand verbunden und häufig auch mit entsprechenden finanziellen Verlusten verbunden. Es wird von den Landwirten trotzdem sehr gerne in Anspruch genommen, denn sie tragen mit der Teilnahme zum Ausgleich zwischen Landnutzung und Artenvielfalt bei.

Das Greening-Programm zeichnet sich durch drei Eckpunkte aus: 


1) Anbaudiversifizierung: Je nach Betriebsgröße müssen mehrere Kulturpflanzenarten auf dem Betrieb angebaut werden.


2) Grünlanderhaltung: Grünland, wie Wiesen oder Weiden, darf nicht zu Ackerland umgewandelt werden, damit es Wildtieren und Vögeln zugutekommen kann. 


3) Einrichtung ökologischer Vorrangflächen: Jeder Betrieb stellt mindestens fünf Prozent seiner Fläche in Form von Blühstreifen, Hecken, Zwischenfrüchten und Ackerrandstreifen als Habitat für Wildtiere und -pflanzen zur Verfügung.

 

Was ist Agrobiodiversität?

Der Begriff Agrobiodiversität umfasst sämtliche durch den Menschen gezüchteten Sorten und Tierrassen sowie deren verwandte Wildarten. Er bezeichnet die biologische Vielfalt, die in der Landwirtschaft vorhanden ist. Diese Vielfalt der Flora und Fauna ist für uns Landwirte sehr wichtig, da sie die genetischen Ressourcen etwa für zukünftige Sorten darstellt. Darüber hinaus fallen auch Nützlinge und Gegenspieler von Kulturschädlingen unter den Begriff der Agrobiodiversität. Mithilfe ökologischer Dienstleistungen, wie zum Beispiel der Bestäubung von Apfelbäumen, leisten diese einen entscheidenden Beitrag zum gesamten Agrarökosystem. Somit fasst der Begriff Agrobiodiversität die komplexen biologischen Zusammenhänge innerhalb des Agrarökosystems zusammen.