In Deutschland hat der Weinbau eine lange Tradition. Was den heimischen Wein so besonders macht und warum er spezifische Anbaugebiete braucht, weiß Winzerin Mara Walz. Auf ihrem Weingut im württembergischen Ensingen werden auf rund neun Hektar Rebfläche unter anderem Traditionssorten wie Lemberger und Riesling angepflanzt.

 

Frau Walz, warum wird Wein an Berghängen angebaut?

Die Lage am Berg hat für den Weinbau viele verschiedene Vorteile. Zum einen bekommt ein Hang mit Südlage mehr Sonneneinstrahlung als flache Gebiete, was die Zuckerproduktion in den Trauben anregt. Zum anderen ist die Luft am Berg wärmer, was sich am Ende der Reifeperiode positiv auswirkt. Früher waren viele Weinberge auch als Terrassen mit Steinmauern angelegt, die die Wärme der Sonne speichern und einen Lebensraum für Tiere bieten. Heutzutage wird Wein auch in flacheren Lagen mit geringer Steigung angebaut. Dort gibt es ebenfalls viel Sonne und die Bewirtschaftung ist um einiges einfacher.

Ist Wein eine Monokultur?

Obwohl ein Weinberg mehr als 30 Jahre steht und rund 2.500 Rebstöcke sich einen Hektar teilen, handelt es sich bei Wein nicht unbedingt um eine Monokultur. Zwischen den Reben existiert große Artenvielfalt. Viele Pflanzen und Insekten siedeln sich durch die Begrünung der Gassen zwischen den Reben an. Winzer säen die Pflanzen beim Anlegen des Weinbergs mit aus. Zunehmend beliebt ist es außerdem, durch Hülsenfrüchte die Bodenqualität zu verbessern.

Was macht den deutschen Wein besonders?

In deutschen Regionen ist die Weinbautradition schon sehr alt. So haben die Römer bereits vor 2.000 Jahren Rebstöcke an der Mosel angepflanzt und Trauben geerntet. Heute gibt es rund 100.000 Hektar Rebfläche in Deutschland, die sich vor allem auf Regionen in Süddeutschland verteilen. Im weltweiten Gebietsvergleich gilt Deutschland als klimatisch kühl. Die Trauben kriegen daher etwas weniger Sonne ab als zum Beispiel in Spanien. Sie behalten mehr Säure und produzieren später etwas weniger Alkohol. Das sorgt für den typischen frischen deutschen Weingeschmack und damit für einen ganz besonderen Wein.

Gibt es gegenüber früher Veränderungen im modernen Weinanbau?

Die größten Veränderungen hat der Weinbau in den vergangenen 40 Jahren erlebt. Vor allem in den flacheren Anbauregionen schreitet die Mechanisierung enorm voran. So wird ein Großteil der Weinberge heute mit Schmalspurtraktoren bewirtschaftet, was das Ganze sehr erleichtert. Auch bei der Arbeit im Weinkeller hat sich einiges getan. Heutzutage können die vielen Prozesse, die notwendig sind, um Wein zu erzeugen, sehr genau gesteuert werden. So lässt sich die gewünschte Qualität gezielt erreichen. Es gibt allerdings im Weinbau auch vieles, was sich nicht verändert hat. Die besten Lagen für den Anbau von Wein beispielsweise sind nach wie vor die gleichen.

Sind Weinbauern eigentlich Landwirte?

Wir alle arbeiten mit dem Land, daher sind Weinbauern auf jeden Fall auch Landwirte. Der Weinbau ist dennoch eine besondere Form der Landwirtschaft, denn wir vermarkten zum Beispiel unseren eigenen Wein direkt auf dem Weingut. So sind wir näher am Verbraucher als manch anderer Landwirt. Die Worte Winzer und Weinbauer werden synonym verwendet. Wo welcher Begriff genutzt wird, hängt von der Region ab.

 Trauben Weingut

Riesling ist die Hauptrebsorte auf dem Weingut Walz: Aus den hellen Trauben wird der fruchtige, deutsche Traditionswein gewonnen. © Frau Mitschele Fotografie