Die Moderne Landwirtschaft übernimmt Verantwortung für unseren Lebensraum

Mitten in der Stadt findet man ungenutzte Bodenstreifen und Flächen: im Kreisverkehr, neben dem Bürgersteig und am Straßenrand. Und natürlich existieren sie auch auf dem Land, zum Beispiel neben dem Getreidefeld oder der Autobahn: Manche dieser Areale wirken auf den ersten Blick trist und braun. Geht man näher heran, offenbart sich einem schnell ein reges Treiben. Wildbienen, Käfer, Libellen, Hummeln und Würmer tummeln sich hier zwischen Wiesenblumen, Totholz und wildem Klee.

Diese biologische Vielfalt gilt es zu erhalten, denn die Natur dient uns nicht nur zur Erholung. Sie ist auch der Raum, in und mit dem die Moderne Landwirtschaft in Einklang steht. Umso drastischer fällt es ins Gewicht, dass der Natur und der Landwirtschaft immer mehr Fläche abhanden kommt. Durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen geht täglich eine Fläche von rund 95 Fußballfeldern verloren. Die Folgen: Es stehen immer weniger Äcker, Felder und Wiesen für die landwirtschaftliche Produktion zur Verfügung.

Um die biologische Vielfalt in der Natur zu schützen und zu fördern, setzt die Moderne Landwirtschaft gezielt ihr Wissen ein: zum Beispiel durch Züchtung und Nachzüchtung, aber auch durch den Schutz des Bestands. In enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Landwirten werden außerdem ungenutzte „Eh da-Flächen“ unter anderem durch gezielte Bepflanzung ökologisch aufgewertet, damit Insekten, Nahrung und Nistplätze finden. Der Erhalt und Schutz der Artenvielfalt und der Kulturlandschaft ist für den Landwirt selbstverständlich, denn „Wer nützt, der schützt“.  

Das Eh da-Projekt ist nur ein Beispiel: Wir alle können – im Großen wie im Kleinen – viel für den Erhalt der Lebensräume unserer Tiere und Pflanzen und damit auch unserer Naherholungsgebiete tun. Artenvielfalt geht uns alle an!

Biodiversität
Tiere, Pflanzen, Lebensräume – mit vielen Maßnahmen unterstützt die Moderne Landwirtschaft die biologische Diversität

Vielfalt macht unser Leben erst bunt. Ohne Vielfalt gäbe es keine Moorlandschaften, Weinberge oder Almen. Auf unseren Wiesen flatterten keine Kohlweißlinge und Pfauenaugen. Und im Gemüsebeet wüchsen nicht Möhren neben Salatköpfen und Blumenkohl. Stattdessen würde Monotonie und Langeweile um uns sein. Urlaubsziele würden alle gleich aussehen, auf unseren Tellern häuften sich die immer gleichen Gerichte – keine schöne Vorstellung.      

Zum Glück gibt es sie noch: die Vielfalt von Lebensräumen, Genen und Arten in der Natur. Experten, wie Dr. Andreas Kinser, Referent für Forst- und Jagdpolitik der Deutschen Wildtier Stiftung, nennen das „Biodiversität“. Allerdings, so Kinser, sei es inzwischen offenkundig, dass viele Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind. Weltweit gelten fast 83.000 Spezies als bedroht; in Deutschland sind es rund 30 Prozent der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Eine dramatische Entwicklung – denn die biologische Vielfalt bereichert nicht nur die Schönheit unserer Landschaften, sie hat auch einen produktionsorientierten Nutzen: Insekten zum Beispiel bestäuben Blüten und sorgen damit auch für den Fortbestand der Nutzpflanzen und sichern Ernten.

Landwirte leben mit der Natur. Leidet diese, trifft es auch den Bauern. Die Moderne Landwirtschaft setzt sich daher in vielen Einzelmaßnahmen dafür ein, dieses wertvolle Gut zu erhalten. Durch den fachgerechten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden Ernten gesichert und gleichzeitig Nützlinge geschont. Damit genetische Ressourcen auch für künftige Generationen oder im Katastrophenfall zur Verfügung stehen, werden in Genbanken die Samen sämtlicher existierender Getreide- und Pflanzenarten sorgfältig gehütet und gelagert. Und durch die Teilnahme am EU-weiten Greening-Programm sorgen Landwirte für ein Gleichgewicht zwischen Landnutzung und natürlicher Artenvielfalt.

Schließlich gilt für die Landwirte ebenso wie für uns alle: Die Vielfalt der Flora und Fauna ist überlebenswichtig.

Eh da-Flächen
Bienen, Blüten, Schmetterlinge – die Moderne Landwirtschaft erhält die Artenvielfalt der Natur

Wer sein Frühstücksbrötchen mit Erdbeermarmelade mag, zwischendurch gern mal einen Apfel isst oder sich zum Kaffee einen Blaubeer-Muffin gönnt, ist ihnen zu Dank verpflichtet: den Wildbienen. Gerade im Obstanbau sind sie als Bestäuber unverzichtbar. Sie sichern eine reiche Ernte und sorgen damit für kulinarische Freuden in unserem Alltag. Diese Aufgabe teilen sie sich mit der Honigbiene und vielen anderen Blütenbestäubern, zum Beispiel Schmetterlingen, Käfern und Fliegen.

Die Bestäubung der Blüten durch Insekten spielt eine weitaus größere Rolle in unserem Leben, als den meisten bewusst ist: Rund 90 Prozent unserer Lebensmittel gewinnen wir aus nur einhundert Pflanzenarten. Ganze 71 davon sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen – ebenso wie mehrere Tausend Gemüsesorten, die in Europa angebaut werden. Und auch Wildblumen und -kräuter wären ohne die Bestäubungsleistung durch Bienen stark gefährdet.

Doch die Wildbienen haben es zunehmend schwer, in unserer offenen Agrar- und Kulturlandschaft noch Lebensräume zu finden, die ihren Ansprüchen an Nahrungs- und Nistmöglichkeiten genügen. Und damit sind sie nicht alleine: Auch nahezu alle anderen Nützlinge, die das ökologische Gleichgewicht bestimmen, haben zu kämpfen.

Eine wirksame Maßnahme ist die ökologische Aufwertung von kommunalen Flächen, die „eh da“ sind: Verkehrsinseln, Säume an Radwegen oder Flussböschungen sind einige Beispiele. Diesen Räumen widmet sich das bundesweite Eh da-Projekt gemeinsam mit Bürgermeistern, Wissenschaftlern und Landwirten im ganzen Land. Sie alle schaffen mit kleinen und großen Maßnahmen geeignete Habitate für Wildbienen und andere Insekten – und fördern damit die Artenvielfalt, die wir alle für unser an Genüssen reiches Leben, aber auch die Ernährungsgrundlagen brauchen. Lernen Sie mit uns Menschen kennen, die sich um die Förderung der Artenvielfalt kümmern. Sie werden sehen: Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die eine große Wirkung entfalten.

Boden
Braunerde, Löss, Niedermoore – die Moderne Landwirtschaft pflegt und bewahrt unseren Boden

Landwirte kennen ihren Boden genau. Sie wissen, welche Pflanzen gut darauf gedeihen und wie er gedüngt werden muss, damit er auch im nächsten Jahr eine reiche Ernte beschert. Erfahrung, Wissen, die regelmäßige Entnahme von Bodenproben und der Austausch mit anderen Experten helfen ihnen dabei, ihre Produktions- und Existenzgrundlage bestmöglich zu pflegen und zu erhalten.

Interessant ist dabei: Boden ist nicht gleich Boden. Es gibt viele unterschiedliche Typen, zum Beispiel Braunerden, Lösse oder Niedermoore. Jeder Boden besteht aus festen Partikeln, Mineralstoffen, organischer Substanz und Flüssigkeiten. Und immer tummeln sich Lebewesen darin, die den Boden auflockern und bereichern. Doch selbst auf einem Acker existieren häufig verschiedene Bodentypen nebeneinander – mit ganz unterschiedlichem Charakter. Könnte man Böden aus der Vogelperspektive heraus betrachten, ergäbe das allein für Deutschland ein sehr buntes Bild. 

Leider fällt immer mehr Boden der „Versiegelung“ zum Opfer, der Bebauung mit Häusern und dem Straßenbau. Darunter leiden nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die Moderne Landwirtschaft, der dadurch wertvolle Produktionsfläche verloren geht. 

Experten wie Steffen Pingen, Leiter des Fachbereichs Umwelt / Ländlicher Raum des Deutschen Bauernverbands fordern deshalb unter anderem eine „Entsiegelung“ nicht mehr benötigter, bebauter Böden. Denn eins ist klar: Die Ressource Boden lässt sich nicht vermehren – auch wenn wir scheinbar noch genug davon haben. Denn dieser Schein trügt gewaltig ...