Es ist Anfang Dezember und der Montagmorgen noch recht kühl. Phillip Krainbring steht in seiner Lagerhalle und überprüft mit der Hand die Säscharen, die zwischen einer Reihe gummibereifter Räder an der sogenannten Drille herausschauen. Eine wichtige Arbeit, denn sind die Schare kaputt oder abgenutzt, ziehen sie im späteren Einsatz keine sauberen Saatrillen auf dem Feld. Die Folge: Der darin abgelegte Getreidesamen geht nicht auf oder wird von Vögeln gefressen.

 

„Früher hieß es: ‚Der Bauer liegt im Winter sein Sofa durch.‘ Das kann man heute beim besten Willen nicht mehr behaupten“, sagt der 31-Jährige, der einen Hof bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt bewirtschaftet. Zu seinen Aufgaben als fest angestellter Betriebsleiter gehören etwa der Ein- und Verkauf von Saatgut und der eingebrachten Ernte, aber auch die Planung des Anbaus und die Pflege von Pflanzen und Böden. Auf 350 Hektar Fläche wachsen hier vor allem Raps, Weizen, Mais und Zuckerrüben sowie Roggen und Gerste. Rund 15 Maschinen sind dafür im Einsatz – von der Scheibenegge zur oberflächlichen Bodenbearbeitung über die Pflanzenschutzspritze oder Ladefahrzeuge für Getreide bis hin zum Mähdrescher. Und alle diese Maschinen müssen gewartet werden. „Das machen wir regelmäßig – und beauftragen damit teilweise externe Dienstleister. Aber im Winter haben wir endlich einmal Zeit, die Maschinen und Geräte grundlegend zu warten – wie eben diese Drille hier“, erläutert Phillip Krainbring, klopft dabei mit dem Schraubenschlüssel seitlich an eine Säschare und fügt hinzu: „Die Schlepper zum Beispiel waschen wir mit dem Hochdruckreiniger und säubern die Fahrerkabinen von innen. Die Sichtkontrolle spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: beschädigte Verschleißteile sind auszutauschen, Ölwechsel durchzuführen. So gehen wir in den Wintermonaten Gerät für Gerät durch – bis schließlich sämtliche Maschinen fit sind für die nächste Saison. Das ist im Grunde so, also ob man sein Fahrrad im Winter gründlich reinigt und überholt, damit man im Frühling gut und sicher darauf fahren kann.“

Ein Landwirt läuft zwischen Traktoren und Landmaschinen durch seine Halle. Rund 15 Landmaschinen sind während der Saison auf dem Acker im Einsatz. Im Winter stehen sie meist trocken in der Halle und werden gewartet. © Forum Moderne Landwirtschaft

Routinearbeiten am Rande des Ackers

Auch die sogenannte Feldkantenpflege gehört zu den Aufgaben des Ackerbauern im Winter. „Die ‚Knicks‘, also der Baum- und Strauchbewuchs am Rand der Äcker, müssen ausgelichtet werden. Vor allem überstehende Äste sollte man entfernen, damit sie die spätere Feldarbeit nicht behindern. Je nachdem, wie groß die Flächen sind, kommt da einiges an Arbeit zusammen“, so Phillip Krainbring. Und noch aus einem anderen wichtigen Grund wird die Feldkantenpflege zwischen Anfang November und Ende Februar durchgeführt: In dieser Zeit nisten keine Vögel in den Ästen und Zweigen.

Wenig Aufmerksamkeit braucht im Winter hingegen der Acker selbst. „Dort passiert bis zum Februar praktisch nichts“, erläutert der Landwirt. „Raps und das Wintergetreide wachsen bereits. Sie wurden im Herbst mit Nährstoffen versorgt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die Flächen für den Mais- und Zuckerrübenanbau liegen brach. In der Regel steht dort eine Zwischenfrucht und reichert den Boden für die Folgesaat an.“

 

Phillip Krainbring legt das Schraubwerkzeug sorgsam in den dazugehörigen roten Metallkasten im Werkzeugbereich der Lagerhalle. Anschließend geht er quer über den Hof in Richtung Wohnhaus, denn hier befindet sich sein Büro. In dem spärlich eingerichteten kleinen Raum liegt auf einem großen, hölzernen Schreibtisch ein weiteres wichtiges Arbeitsinstrument des modernen Landwirts: das Notebook. Phillip Krainbring schaltet es ein. Auf dem Bildschirm erscheinen mehrere Tabellen. „Mit dem Programm mache ich die Planung für das Frühjahr“, erklärt der Landwirt. „Man bereitet jetzt schon die Aussaat für das nächste Jahr vor, berechnet und bedenkt, welche Frucht wo ausgebracht werden soll – und wie sie zu düngen ist. Auch das Saatgut muss man bestellen. Darüber hinaus kalkuliere ich derzeit, wie viele Mitarbeiter ich in der Saison zur Unterstützung anfordern muss.“

Drohnenaufnahme von jungem Wintergetreide.Auf dem Acker selbst gibt's für den Landwirt in der kalten Jahreszeit wenig zu tun. Hier wächst Wintergetreide. © Forum Moderne Landwirtschaft

Büroarbeit gehört auch dazu

Rund die Hälfte seiner Arbeitszeit im Winter verbringt Phillip Krainbring im Büro. Im Frühjahr und Sommer, wenn draußen wieder mehr Aufgaben auf ihn warten, sind es maximal 30 Prozent. Lässt es die Arbeit zu, nutzt er zeitliche Freiräume in der kalten Jahreszeit außerdem für den Besuch von Fortbildungen – oder zum fachlichen Austausch mit Kollegen. „Am Ende der Saison geht es ebenso darum, aus den Erfahrungen des Jahres zu lernen. Nur so kann man sich als Landwirt verbessern.“ Besonders wichtig ist Phillip Krainbring das Thema Nachhaltigkeit. Er konkretisiert: „Meine persönliche Zielsetzung ist es, weniger Chemikalien einzusetzen und trotzdem den gleichen Ertrag oder vielleicht sogar mehr zu erwirtschaften – und so die Landwirtschaft für mich in eine neue Richtung zu lenken. Ich finde es essenziell, dass wir Landwirte uns immer wieder auch selbstkritisch hinterfragen.“

Um im Bereich des Ackerbaus neue Wege zu beschreiten, experimentiert er bereits seit seinem Landwirtschaftsstudium in Kiel mit dem Einsatz eines Mikroorganismen-Präparats, das aus pflanzlichen Komposten generiert wird. Aktuell arbeitet Phillip Krainbring zur Saatgutbehandlung außerdem mit einer Beize auf Basis von Mikroorganismen, um irgendwann mit möglichst wenig künstlicher Düngung und chemischen Pflanzenschutz auskommen zu können. Über soziale Kanäle wie Facebook und Instagram bezieht Phillip Krainbring die Öffentlichkeit in seine Arbeit aktiv mit ein. „Es geht mir darum, den Menschen in der Stadt die Landwirtschaft nahezubringen. Ihnen zu erklären und zu zeigen, wie ihre Nahrungsmittel tatsächlich produziert werden.“

Von 8 bis ungefähr 16 Uhr dauert der Arbeitstag von Phillip Krainbring im Winter. Das klingt entspannt. Und ist es auch. „In den Wintermonaten lassen wir Ackerbauern es bewusst etwas ruhiger angehen. Schließlich müssen wir Kraft sammeln für Frühjahr und Sommer. Zur Erntezeit hat unser Tag dann öfter mal 18 bis 24 Stunden.“ Doch diese extremen Arbeitszeiten machen dem auf einem Hof aufgewachsenen Landwirt nichts aus. Und das hat seinen guten Grund „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wer kann das schon von sich sagen?“ Im Sommer die Früchte der Arbeit zu ernten, die im Winter begann – das ist für Phillip Krainbring jedes Jahr „ein absolutes Highlight“.