Frau Endesfelder, nach einem Jahr als Deutsche Weinkönigin können Sie nun zurückblicken. Welchen Rat würden sie künftigen Weinköniginnen geben?

Das Amt kostet sehr viel Zeit. Jeder Tag ist anders. Mal steht eine Messe, mal ein Weinfest, mal eine Verkostung oder auch ein Interview an. Da ich sehr viel unterwegs war, konnte ich meiner eigentlichen Arbeit als Winzerin und Unternehmerin kaum nachgehen. Ich leite seit vier Jahren unser Familienweingut „Endesfelder“ in Mehring an der Mosel. Frühzeitig einen Ersatz für mich zu finden, hätte mir viel Stress erspart. Zwar ist meine Mutter für viele Tätigkeiten eingesprungen. Sie konnte jedoch Aufgaben wie den Weinausbau oder die Traubenproduktion auf den zweieinhalb Hektar unseres Betriebs nicht übernehmen.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Weinkönigin möchten Sie nicht missen?

Ich habe viel von der Welt gesehen. Ich war in Japan, Norwegen und Kanada und präsentierte auf Messen unseren Wein. In Japan zum Beispiel ist deutscher Wein immer mehr gefragt, trotz der Sake-Kultur. In Seminaren informierte ich dort Fachleute, Händler und Weininteressierte über deutschen Wein und verkostete diesen gemeinsam mit ihnen. Dabei habe ich eine Kultur kennengelernt, die mir vorher völlig fremd war. Kostbar sind außerdem die vielen Kontakte, die ich im vergangenen Jahr sammeln konnte, insbesondere die zu anderen deutschen Winzern.

Was macht deutschen Wein aus?

Die Vielseitigkeit. Kein anderes Land beherrscht es derart gut, sowohl trockene, feinherbe als auch süße Weine herzustellen – und das in Weiß ebenso wie in Rot. Deutsche Rotweine sind in der Regel fruchtbetonter und mineralischer als die aus dem Ausland. Durch das kühlere Klima und das Wissen der Winzer erreichen wir es, Säure und Süße geschickt in Balance zu bringen. In meinem Anbaugebiet, der Mosel, waren wir lange dafür bekannt, gute süße Weine herzustellen. Nachdem Süßwein beim Verbraucher lange Zeit verpönt war, geht der Trend inzwischen wieder in diese Richtung. Ich finde es wichtig, dass das spezielle Wissen um die Herstellung hochwertiger Süßweine erhalten bleibt.

Weinkoenigin Lena Endsfelder

Als Deutsche Weinkönigin 2016/17 blickt Lena Endesfelder zurück auf ein Jahr voller Erlebnisse. Sie war für den deutschen Wein in der ganzen Welt unterwegs. Und hat dabei mit ihrem Fachwissen überzeugt. © deutscheweine.de

Sind Sie Weinkönigin geworden, um Wissen wie dieses weiterzutragen?

Ehrlich gesagt, habe ich eher aus Neugier bei der Wahl mitgemacht – und weil ich als damalige Gebietsweinkönigin Mosel automatisch angemeldet wurde. Ebenso wie die Kandidatinnen aus den zwölf anderen Weinbaugebieten. Umso überraschter war ich, als ich am Ende wirklich 68. Deutsche Weinkönigin wurde.

Womit haben Sie die Jury überzeugt?

Bei der Wahl zur deutschen Weinkönigin stellte die Jury uns zwei Tage lang Fachfragen zum Thema Wein. Sowohl im Hinblick auf die Verbraucher als auch auf die Weinproduktion. Wir mussten also mit unserem Wissen punkten. Wir waren drei starke Finalistinnen und lagen eng beieinander. Schlussendlich habe ich vermutlich damit überzeugt, dass ich sehr entspannt war. Und mit meiner Abschlussrede. Darin habe ich mich humorvoll selbst beschrieben und zum Beispiel meine kräftigen Steillagenwaden erwähnt, die mir als Mosel-Winzerin einfach nicht erspart blieben.

Wie haben Sie sich auf die Wahl vorbereitet?

Das nötige Wissen über den Weinbau hatte ich bereits während meines Weinbau-Studiums an der Universität Geisenheim erworben und dadurch, dass ich ein Weingut betreibe. Fachfragen wie „Was ist ein Beton-Ei?“ konnte ich aus dem Stegreif beantworten. Wegen seiner ovalen Form, einem goldenen Schnitt, soll Wein in diesem speziellen Betontank besonders gut gären. Ich hatte mich in der Vorbereitung auf die Anbaugebiete konzentriert. Ich schaute mir an, wie groß diese sind, welche Besonderheiten sie haben und welche Rebsorten dort vordergründig angepflanzt werden.

Sind Sie trotz Ihres Weinwissens Prinzessinnen-Klischees begegnet?

Viele tun das Amt geringfällig ab mit Bemerkungen wie: „Das Mädel sieht nett aus und singt, reden kann sie auch.“ Dass wirklich mehr dahintersteckt, wissen die wenigsten. Bei der Eröffnungsrede eines Weinfestes in Osnabrück habe ich einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich als Fachfrau und Unternehmerin gern Nachfragen zum Thema Wein beantworte. Das hat einige überrascht.

Wie sind Sie in die Weinwirtschaft gekommen?

Ich bin gern Winzerin und mag die Abwechslung im Beruf, die vor allem durch die Jahreszeiten entsteht. Als Winzertochter war ich bereits als Kind gern bei der Traubenlese dabei. Mit meinem kleinen Traktor sammelte ich Trauben. Meine Eltern haben mir allerdings immer freigestellt, selbst zu entscheiden, was ich einmal machen werde. Als mein Vater vor sechs Jahren starb, haben meine Mutter, meine Schwester und ich beschlossen, sein Weingut weiterzuführen, das bereits seit Generationen besteht.

Welchen Ihrer Weine sollte man unbedingt probiert haben?

Unsere Steillagenweine zeichnen sich durch eine besondere Mineralität aus. Ich persönlich liebe unseren feinherben Riesling. Dieser ist besonders filigran und schlanker als andere Rieslinge. An den Steillagen ernten wir mit der Hand – das kann man eben auch schmecken.

Nach einem Jahr als Weinkönigin sind Sie nun wieder voll und ganz Winzerin. Worauf freuen Sie sich?

Ich bin froh, meinen Alltag zurückzuhaben. Ich kann wieder täglich um dieselbe Uhrzeit aufstehen und dann in Ruhe frühstücken, anstatt Koffer zu packen. Jetzt, im Herbst, bin ich viel draußen, um Trauben zu lesen oder auch mal zu naschen. Ich finde es immer wieder schön, etwas Neues im Keller zu haben, mit dem ich mich im Winter beschäftigen kann. Und natürlich freue ich mich auch darauf, wieder mit Freunden ein Glas feinherben Weißwein trinken zu können. Das ist für mich einfach Genuss und Lebensqualität.