Aus der Küche auf den Acker – und retour: Kreisläufe

Gartenabfälle wie welke Blumen und Rasenschnitt oder Küchenreste wandern in der Stadt in die Biotonne. Von dort aus transportiert die Müllabfuhr sie in die Weiterverwertung. In Berlin geht das Biogut in die Vergärungsanlage in Spandau. Hier entstehen daraus Biomethan – sowie feste und flüssige Gärreste. Letztere nutzt die Landwirtschaft. Bauern wie Lothar Bamberg, der auf seinem Betrieb in Brandenburg Getreide anbaut, verwenden den nährstoffreichen Dünger, um beerntete Böden aufzuwerten. Das wiederum wirkt sich positiv auf Qualität des Getreides aus, das wir in den Großstädten z. B. in Form von Müsli oder Backwaren zu uns nehmen. Ein perfekter Nährstoffkreislauf. Und zugleich ein Beispiel dafür, dass die Menschen in der Modernen Landwirtschaft sehr bewusst mit ihren Ressourcen umgehen und die Umwelt inklusive der für die Produktion so wertvollen Böden nachhaltig pflegen und schonen.

Innovationsgeist und Erfindungsreichtum schaffen in verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft neue, nachhaltig orientierte Kreisläufe, die sich teilweise selbst erhalten. So etwa der Wasserkreislauf in der modernen Gewächshausanlage von Gemüsebau Steiner im bayerischen Kirchweidach oder die Aquaponik-Anlage in Mecklenburg-Vorpommern, in der Fische und Pflanzen sich in einem geschlossenen Zuchtsystem gegenseitig ernähren. Auch das Vogelschutzgebiet, dass am Rande des Südzucker-Werks in Offstein angelegt wurde, ist Teil eines hochmodernen landwirtschaftlichen Produktions-Zirkels.

So bleibt alles im Fluss. Moderne Landwirtschaft macht’s möglich.

 

Nährstoffe
Innovation für die Zukunft

Ernte – mit dem Wort verbindet der Verbraucher reife Ähren, saftige Beeren, goldene Äpfel und volle Kornspeicher. Für den Boden bedeutet Erntezeit allerdings, dass man ihm bis dahin jedes Jahr Nährstoffe entzieht – und diese müssen wieder zugeführt werden. Pflanzen benötigen zum Wachsen nämlich Mineralien wie Stickstoff, Phosphor und Kali. Gülle ist ein organischer Dünger, der ebendiese enthält und sich als traditionelles Abfallprodukt der Landwirtschaft über Jahrhunderte hinweg bewährt hat.

Um eine Überdüngung von Flächen insbesondere in Gegenden mit hohem Viehbestand zu vermeiden und das wertige Abfallprodukt platzsparend lagern und transportieren zu können, entwickeln Experten wie der Agraringenieur Helmut Döhler innovative Ansätze. Ein Beispiel ist die Produktion von Presspellets. Außerdem lassen sich durch gezielte Fütterung die Zusammensetzung ebenso wie die Geruchsintensität des Naturdüngers steuern.

Den Nutzungskreislauf von Mensch, Wasser und Boden gesund zu erhalten und damit auch unsere Ernährung langfristig zu sichern, bleibt eines der wichtigsten Anliegen der Modernen Landwirtschaft.

Wasser
Gemeinsam für ein sauberes Nass

Klee oder Ölrettich sind auf dem Feld hübsch anzuschauen. Auch bei Insekten erfreuen sich diese sogenannten Zwischenfrüchte, die nach der Ernte und vor der Aussaat der nächsten Gemüse- oder Getreidekultur auf dem Feld angesiedelt werden, großer Beliebtheit. Ihr Anbau hat aber noch einen tieferen Sinn – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Mit ihren Wurzeln lockern Ölrettich, Senf, Klee & Co. den Boden auf. Sie fördern die Humusbildung und sorgen außerdem dafür, dass überschüssiges Nitrat aus der Düngung nicht in das Grundwasser gelangt.

Nicht von ungefähr beraten Wasserversorgungsunternehmen wie Hamburg Wasser Landwirte u. a. beim Anbau solcher Nutzpflanzen. Zielsetzung dieser Angebote ist es, einen schonenderen Umgang mit der natürlichen Ressource Trinkwasser zu erreichen. Von den Bauern werden solche Kooperationsmöglichkeiten gern angenommen. Zum einen, weil sie im Kreislauf von Aussaat und Ernte sauberes Grundwasser in ihren Böden angewiesen sind. Zum anderen forschen sie selbst daran, etwa durch Züchtung vielseitiger Kulturpflanzen wie der Durchwachsenen Silphie, den Boden und das kostbare Nass aus der Tiefe zu schützen. Das zeigt deutlich: Landwirtschaft, Versorger und Verbraucher können sich beim Erhalt von sauberem, frischen Grundwasser wunderbar ergänzen.

Kreislaufsysteme
Teil einer übergeordneten Dynamik

Wenn Hummeln im Gewächshaus des Gemüsebaus Steiner Tomaten bestäuben und Schlupfwespen sich in die Eier von Blattläusen einnisten, dann sind sie summende und sirrende Protagonisten eines kleinen Kreislaufs, der Tomaten und Gurken biologisch vor Schädlingen schützt. Und dieser wiederum ist Teil einer übergeordneten Dynamik, in der weitere Kreisläufe harmonisch zusammenspielen: Bewässerung, Klimasteuerung, Energie- und Nährstoffversorgung. Solche sorgfältig gesteuerten Gesamtsysteme ermöglichen es der Modernen Landwirtschaft, dem Verbraucher das ganze Jahr hindurch frisches regionales Obst und Gemüse in den Supermarkt zu liefern.

Die PAL Anlagenbau GmbH in Mecklenburg-Vorpommern geht noch einen Schritt weiter. Hier versucht man, mit geschlossenen Zuchtkreisläufen, in denen Fische und Nutzpflanzen sich gegenseitig ernähren, eine zusätzliche Einkommensquelle für die Landwirte zu schaffen. Auch das Wissen und die Erfahrung der Menschen in der Modernen Landwirtschaft sind Teil des lebenserhaltenden landwirtschaftlichen Kreislaufs: Jungbauer Friedrich Matthias Amme beispielsweise bestimmt auf seinen Kartoffeläckern in Niedersachsen nach wie vor per Hand, ob der Boden bewässert werden muss oder nicht. Somit ist der Landwirt – ebenso wie die Insekten im Gewächshaus – ein wichtiger Protagonist des Gesamtsystems.