Natürlich wächst auf Beton kein Brot. Aber dort, wo heute Straßen und Häuser stehen, wurden in der Vergangenheit Getreide für Brot, Obst und Gemüse oder Futter für die Kühe angebaut und damit Milch und Käse erzeugt. Für Siedlungen, Verkehr und Gewerbe gehen in Deutschland immer noch 73 Hektar wertvolle Acker- und Grünlandflächen verloren – nicht jährlich, sondern jeden Tag. Das entspricht einer Größe von rund 95 Fußballfeldern, die täglich für Siedlungen und Verkehr in Anspruch genommen werden.

Pro Tag geht die landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 1,3 durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieben verloren (58 Hektar war die durchschnittliche Flächenausstattung eines Betriebes im Jahr 2012), d. h. in vier Tagen ist die Existenzgrundlage von fünf Betrieben verloren. Zwischen 1992 und 2013 sind in Deutschland fast 900.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen unter Beton und Asphalt verschwunden oder stehen nicht mehr für die Landwirtschaft zur Verfügung. Rechnerisch entspricht dieser Flächenverlust der landwirtschaftlichen Fläche der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland. Einmal angenommen, auf diesen Flächen wäre nur Getreide angebaut worden, würde dies einem Zehntel der deutschen Getreideernte entsprechen – oder in zehn Jahren ginge eine komplette Getreideernte verloren. Dieser hohe Flächenbedarf ist nicht angemessen, zumal die Bevölkerung in Deutschland schrumpft.

Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie sieht vor, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar zu senken. Hiervon sind wir noch weit entfernt. Bei der Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen muss ein Umdenken stattfinden, zumal produktive Böden nicht vermehrbar sind. Die Landwirte fordern daher bereits seit vielen Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Reduzierung des Flächenverbrauchs.

Um die Versorgungsicherheit bei Nahrungs- und Futtermitteln und bei nachwachsenden Rohstoffen zu sichern, müssen landwirtschaftliche Flächen auf gesetzlichem Wege für die Produktion erhalten werden. Statt des Bauens auf der „grünen Wiese“ muss ein Vorrang für die Innenentwicklung der Städte und Dörfer durchgesetzt werden. Veränderungen sind auch im Bereich des Naturschutzausgleichs für beispielsweise einen Straßenbau erforderlich.

Bisher wurde der Eingriff in die Natur durch eine Straße mit dem neu Anlegen einer Streuobstwiese oder Anpflanzen von Wäldern kompensiert. Die Folge ist, dass zusätzlich landwirtschaftliche Fläche nicht mehr für die Produktion zur Verfügung steht. Flächenschonender und wirkungsvoller für die Natur sind beispielsweise von Landwirten angelegte Blühstreifen. Der beste Ausgleich für eine Versiegelung ist, wenn an anderer Stelle nicht mehr benötigte Flächen entsiegelt werden.